Praxisgebühr kehrt zurück? Gesundheitsministerin prüft neue Anreize

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Die Diskussion über neue Gebühren für Arztbesuche nimmt Fahrt auf. Doch Ärztevertreter und Sozialverbände zeigen klare Kante. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hat sich klar gegen eine Wiedereinführung der Praxisgebühr ausgesprochen. Zwar könne ein solches Modell kurzfristig Geld in die Kassen spülen, es sei aber ineffizient und nicht geeignet, um Arztbesuche sinnvoll zu steuern. "Eine Praxisgebühr reloaded, wie wir sie vor rund 20 Jahren schon mal hatten, wäre in der früheren Art und Weise sehr bürokratisch und würde kaum als Steuerungsinstrument taugen", sagte Gassen der "Rheinischen Post". Stattdessen spricht er sich für Wahltarife aus, bei denen sich Patienten bewusst durchs Gesundheitssystem leiten lassen – und dafür finanziell belohnt werden. Gesundheitsministerin prüft neue Anreize Zuvor hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Gebühr für den direkten Facharztbesuch ohne vorherige Hausarztkonsultation ins Spiel gebracht. Ziel ist es, ein Primärarztsystem zu etablieren: Die Hausarztpraxis soll erste Anlaufstelle werden, um unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden und die Versorgung effizienter zu gestalten. Warken betont: Eine allgemeine Praxisgebühr sei nicht geplant. Stattdessen sollen gezielte Anreize greifen, etwa Boni für Patienten, die sich zuerst an den Hausarzt wenden. Grippesaison: Behörde rät zu unverzüglicher Impfung Studie: Häufig verabreichte Herzmedikamente bringen keinen Vorteil Sozialverband warnt vor Folgen für Geringverdiener Der Sozialverband Deutschland (SoVD) kritisiert den Vorschlag scharf. Die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier warnt: "Eine schlechte Idee wird nicht besser, wenn man sie wieder aus dem Giftschrank holt." Die frühere Praxisgebühr sei zu Recht abgeschafft worden – sie sei teuer, ungerecht und belaste gerade Menschen mit geringem Einkommen. Auch organisatorisch sei die Maßnahme wenig sinnvoll: Zusätzliche Bürokratie treffe nicht nur Patienten, sondern auch Arztpraxen und Kassen. Warum die frühere Gebühr scheiterte Die Praxisgebühr galt von 2004 bis 2012. Gesetzlich Versicherte zahlten zehn Euro pro Quartal – unabhängig von der Zahl der Arztbesuche. Zwar sank die Zahl der Arztbesuche leicht, gleichzeitig blieben aber auch medizinisch sinnvolle Vorsorgetermine aus. Der bürokratische Aufwand war enorm, die erhofften Einsparungen blieben aus.
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