Viele Männer verlassen sich bei der Prostatakrebsvorsorge auf den "Tasttest". Doch Experten sagen nun klar: Diese Methode bringt kaum Nutzen. Bei Männern ab 45 Jahren zahlt die gesetzliche Krankenkasse bislang einmal im Jahr eine rektale Tastuntersuchung der Prostata . Vom Enddarm her tastet der Arzt die Prostata ab. Dadurch sollen Krebsvorstufen frühzeitig erkannt werden. Doch die Methode ist nicht besonders genau: Tatsächlich wird so nur etwa ein Drittel aller Prostatakarzinome entdeckt. Prostatakrebs-Früherkennung: das Ende der Tastuntersuchung Fachleute äußerten schon länger Kritik an dieser gängigen Praxis – nun wird offiziell empfohlen, die rektale Untersuchung nicht mehr durchzuführen. Das geht aus der aktualisierten Prostatakrebs-Leitlinie hervor. Insgesamt 22 Fachgesellschaften haben an deren Überarbeitung mitgewirkt. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) stellt darin klar: Die Tastuntersuchung hat nur eine geringe Aussagekraft und eignet sich daher nicht zur zuverlässigen Früherkennung von Prostatakrebs . Stattdessen soll bei Männern ab 45 Jahren der PSA-Wert im Blut ermittelt werden, um eine mögliche Krebserkrankung frühzeitig zu erkennen. Studien belegen, dass die Erkennungsrate von Prostatakrebs bei einem PSA-Test etwa viermal höher ausfällt als beim Abtasten. Die Leitlinie spricht sich allerdings nicht pauschal für oder gegen den PSA-Test aus, sondern fordert eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. Männer sollten gemeinsam mit ihrem Arzt besprechen, ob der Test für sie sinnvoll ist – abhängig vom Alter, der familiären Vorbelastung und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Lesen Sie auch: Was Männer für ihre Prostata tun können Laut DGU-Präsident Bernd Wullich und DGU-Generalsekretär Maximilian Burger ist die angepasste Empfehlung "ein entscheidender Schritt" in der Prostatakrebs-Früherkennung. Der PSA-Test solle nun als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland aufgenommen werden, sagten sie dem "Ärzteblatt". Doch das Thema Vergütung ist bisher nicht abschließend geklärt. Zunächst muss der Gemeinsame Bundesausschuss darüber entscheiden. Die Kosten für einen PSA-Test liegen derzeit bei etwa 20 bis 35 Euro.