Regenflut und Hitzerekorde – schutzlos in der Klimakrise? | maybrit illner vom 15. Juli 2021

6 monate vor


Weite Teile Deutschlands kämpfen mit den Folgen der schweren Regenfälle. Ganze Dörfer sind überflutet, Häuser eingestürzt. Vor dem Hintergrund der Hochwasserkatastrophen rief Armin Laschet (CDU) zu einer „nationalen Kraftanstrengung“ beim Wiederaufbau und zur Abmilderung der Härten für Betroffene auf. Für nachhaltigen Klimaschutz sieht er vor allem in der Industrie Potenzial: "Das ist die eigentliche Leistung: Unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig zu halten, international, und trotzdem die Klimaschutzziele erreichen.” Der Kanzlerkandidat der Union rechnet mit einem früheren Kohleausstieg als geplant. Der Preis je Tonne CO2 läge im besonders für den Energiebereich vorgesehenen europäischen Emmissionshandel etwa bei 45 Euro. Das werde aus seiner Sicht „dazu führen, dass wir schneller aus der Kohle aussteigen, als das bisher in den Plänen der Kohlekommission geplant war“. Doch vor allem die Sozialverträglichkeit müsse gewahrt und „übertragen werden auf andere Bereiche“. Die im Wahlprogramm der Union festgeschriebene Straffung des Preises pro Tonne ausgestoßener Treibhausgase werde „marktwirtschaftlich gesteuert“ sein, sagte Laschet. Deutschland müsse Industrieland bleiben – aber klimaneutral. Wenn Stahl-, chemische, Glas- und Autoindustrie abwanderten nach China, Russland oder Indien, sei „immer noch das gleiche Weltklima“ betroffen. Allerdings seien dort die sozialen und ökologischen Standards „nicht so, wie sie in Deutschland sind“. Der SPD-Politiker Karl Lauterbach warnte vor weiteren Katastrophen. Deutschland sei um etwa zwei Grad wärmer geworden. „Wir werden deutlich mehr Fluten und Hochwasser dieser Art bekommen.“ Das sei nicht mehr abzuwenden, betonte Lauterbach und fügte hinzu: „Und die traurige Nachricht ist, das wird für 80 Jahre so weitergehen.“ Bis zum Ende des Jahrhunderts werde sich die Situation auch mit Klimaschutzmaßnahmen nicht mehr verbessern, sondern tendenziell verschlechtern. „Das, womit wir jetzt den ersten Kontakt gehabt haben, das geht nicht mehr weg“, sagte Lauterbach. Das wenige Handeln der Politik kritisiert Eckhard von Hirschhausen, Arzt und Autor und Scientists for Future Unterstützer: "Ich bin richtig wütend, weil ich sehe, wie die Menschen leiden, wie es eine Katastrophe mit Ankündigung ist. Die Wissenschaft hat das vorhergesagt (…) und diese Arroganz der Politiker, immer noch zu tun als 'ja, ja, wir machen ja schon so viel', das ist einfach Bullshit. Das muss man so deutlich sagen.” Außerdem betont er den Zusammenhang verschiedener Krisen: “Die globale Krise, in der wir sind, haben die meisten Menschen in meinen Augen noch nicht wirklich begriffen als ein Zusammenhängen von Pandemie, von Klimakrise, von Artensterben und eben es sterben jetzt Menschen.” Die ganze Sendung findet ihr hier: https://kurz.zdf.de/D6GzlY/ Die Gäste der Sendung: Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident NRW, Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender Eckart von Hirschhausen, Arzt, Moderator, Unterstützer „Scientists for Future“ Karl Lauterbach (SPD), Mitglied des Bundestags Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung „Energie, Verkehr und Umwelt“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Andreas Jung (CDU), Klimaexperte der Unionsfraktion, Stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion Christiane Hoffmann, Autorin im Hauptstadtbüro des „Spiegel“ Katja Horneffer, Meteorologin, UDF-Wetterredaktion TAGS: Hochwasser, Flut, Unwetter, Extremwetter, Überschwemmung, Evakuierung, Überflutung,
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