Nach der Mondumrundung sollen die "Artemis 2"-Astronauten in der kommenden Nacht wieder auf der Erde landen. Ihnen steht eine der gefährlichsten Phasen ihrer Reise bevor. Der Wiedereintritt einer Raumkapsel in die Erdatmosphäre ist wie ein "Flug in einem glühenden Ofen". So beschreibt der kanadische Astronaut und ehemalige ISS-Kommandant Chris Hadfield diesen Moment in seinem Buch "An Astronaut's Guide to Life on Earth" (auf Deutsch: Leitfaden eines Astronauten für das Leben auf der Erde). Dieser Höllenritt steht in der kommenden Nacht den Astronauten der "Artemis 2"-Mission bevor. Ihre "Orion"-Raumkapsel wird dann mit rund 40.000 km/h in die Erdatmosphäre eintauchen. Das sind etwa 11 Kilometer pro Sekunde. Der Hitzeschild des Raumschiffs muss Temperaturen von bis zu 2.800 Grad Celsius standhalten. Mond-Mission: "Artemis 2"-Crew bereitet sich auf Landung vor Weckmusik: Nasa veröffentlicht Spotify-Playlist Dieses Manöver gilt neben dem Start als eine der gefährlichsten Phasen eines bemannten Flugs ins All. Beim Wiedereintritt des Space Shuttle "Columbia" 2003 versagte der bereits beim Start beschädigte Schutzschild und das Raumfahrzeug zerbrach in der Luft. Alle sieben Insassen kamen damals ums Leben. Beschädigter Hitzeschild bei "Artemis 1" Auch bei der Testmission "Artemis 1" 2022 gab es Probleme mit dem schon bei den Apollo-Flügen genutzten Material des Hitzeschilds der "Orion"-Raumkapsel. Beim Wiedereintritt des Raumschiffs in die Erdatmosphäre kam es zu Rissen, teilte die Nasa erst anderthalb Jahre nach dem Flug mit. Daraufhin leitete die Nasa umfassende Untersuchungen ein. "Der Testflug von 'Artemis 1' bot uns die Gelegenheit, unsere Systeme zu überprüfen", sagte der stellvertretende Nasa-Chef Amit Kshatriya damals. Die Untersuchung habe dazu beigetragen, die Ursache und das Ausmaß des Problems vollständig zu verstehen. Neue Technik für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre Was sind die Folgen für den jetzigen Flug? Am Material des Hitzeschilds der "Orion"-Raumkapsel wollte die Nasa nichts ändern. Vermutlich aus Zeit- und Kostengründen ist das erst für den geplanten Flug von "Artemis 3" im kommenden Jahr vorgesehen. Stattdessen hat sich die Nasa beim Wiedereintritt von "Artemis 2" für ein anderes Eintrittsverfahren entschieden. Zum Vergleich: Bei "Artemis 1" 2022 wurde die sogenannte "Skip Guidance Entry"-Technik genutzt. Die "Orion"-Raumkapsel hüpfte in immer kleineren Abständen wie ein Stein auf der Wasseroberfläche so lange über die Erdatmosphäre, bis das Raumschiff langsam eintauchte. Kürzere Eintrittsdauer als bei "Artemis 1" Bei "Artemis 2" soll die Raumkapsel dagegen direkt in die Atmosphäre eintreten. Dadurch werde die Zeit des Eintritts um mehrere Minuten verkürzt, in denen das Hitzeschild dem heißen Plasma in der Erdatmosphäre ausgesetzt sei, so die Nasa. Umfangreiche Tests hätten ergeben, dass der Schild "ordnungsgemäß funktionieren und alle an Bord während des bevorstehenden Flugs schützen wird". Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bleibt das Manöver in der kommenden Nacht ein kritischer Punkt. Nicht umsonst schrieb Nasa-Chef Jared Isaacman während der Mondumrundung von "Artemis 2" auf dem Kurznachrichtendienst X: Diese Mission sei nicht beendet, bis die Astronauten "unter Fallschirmen im Pazifik aufsetzen".