Warme Nächte lassen einen nicht nur schlechter einschlafen, sie können auch Atemaussetzer im Schlaf verstärken. Das ist ein Risiko für viele Erkrankungen. Der Sommer ist vorbei und wieder einmal zählte er zu den heißesten Sommern seit 1881. Dieser Trend hat nicht nur Folgen für die Natur, sondern auch für die Gesundheit. Schon ab etwa 30 Grad Celsius Außentemperatur steigt die Belastung für Herz, Kreislauf und Organe deutlich . Und auch der Schlaf leidet unter höheren Temperaturen. So haben australische Forscher in einer aktuellen Studie gezeigt, dass Hitze das Risiko für nächtliche Atemaussetzer erhöht. Das ist ein ernstzunehmendes Problem, denn die sogenannte Schlafapnoe ist ein Risikofaktor für viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Demenz . Die Studie wurde kürzlich im "European Respiratory Journal" veröffentlicht. Daten von 67.000 Menschen ausgewertet Ein Team um die Wissenschaftlerin Lucía Pinilla von der Flinders Universität in Adelaide (Australien) hat mehr als 67.000 Datensätze aus 17 europäischen Ländern untersucht. Die Probanden, etwa ein Drittel mit bereits bestätigter Schlafapnoe, nutzten eine Messmatte unter der Matratze, die während des Schlafs Bewegungen, Atmung und Herzaktivität registriert. Zusätzlich erfasste ein Mikrofon Geräusche wie Schnarchen oder Atemaussetzer. Über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren wurden die so gewonnenen Schlafdaten mit den lokalen Wetterdaten abgeglichen. Das Ergebnis: Ist die nächtliche Temperatur an drei aufeinanderfolgenden Tagen überdurchschnittlich hoch, stieg das Risiko für eine mittelschwere bis schwere Schlafapnoe um 13 Prozent an. Als eine solche Hitzewelle definieren die Studienautoren bereits eine um 2,8 Grad höhere Nachttemperatur als in früheren Jahren. An Tagen mit zusätzlich höherer Luftfeuchtigkeit stieg das Risiko noch stärker an. Schlafapnoe ist heute schon sehr weit verbreitet Schlafapnoe ist eine weit verbreitete und oft unerkannte Schlafstörung. Nach aktuellen Studien leben in Deutschland über alle Altersgruppen gemittelt etwa 30 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen mit einer Schlafapnoe. Zudem steigt die Häufigkeit mit dem Alter deutlich an. So sind bis zu 60 Prozent der 65- bis 70-jährigen Männer von einer obstruktiven Schlafapnoe betroffen. Dabei kommt es im Schlaf immer wieder zu Atempausen (Apnoen) oder flacher Atmung (Hypopnoen). Die häufigste Form ist die sogenannte obstruktive Schlafapnoe: Die oberen Atemwege verengen sich im Schlaf, meist durch erschlaffte Muskeln im Rachenraum oder durch Übergewicht. Betroffene schnarchen laut, wachen nachts häufig auf und fühlen sich tagsüber müde oder erschöpft. Viele wissen jedoch gar nicht, dass sie betroffen sind. Denn die Symptome können auch unauffällig sein: Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Stimmungsschwankungen oder nächtliches Schwitzen gehören dazu. Unruhiger Schlaf: Was dahintersteckt, wenn Sie nachts oft aufwachen Altes Sprichwort: Schlaf ist die beste Medizin – stimmt das? Darum sind nächtliche Atemaussetzer gefährlich Schlafmediziner Clemens Heiser erklärt: "Eine unbehandelte Schlafapnoe kann eine Reihe von teils schwerwiegenden Erkrankungen begünstigen." Dazu gehören dem Experten zufolge insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall . So sei etwa das Risiko für einen Herzinfarkt bei Betroffenen viermal höher als bei Menschen ohne Schlafapnoe. Und auch das Risiko für Typ-2-Diabetes, Depressionen und Demenzerkrankungen steigt bei unbehandelter Schlafapnoe. "Darüber hinaus ist Schlafapnoe ein bedeutender Faktor für Tagesmüdigkeit und damit auch für Unfälle, sowohl im Straßenverkehr als auch am Arbeitsplatz", erklärt der Experte. Daher sollten Sie vorsorglich einen Arzt aufsuchen, wenn Sie die oben genannten Symptome bei sich erkennen. Warum Hitze den Schlaf so stark beeinflusst Warum genau Hitze den Atem stört, ist noch nicht vollständig geklärt. Mögliche Erklärungen liefern die Forscher mit: Der Körper lagert in heißen Nächten mehr Flüssigkeit im Halsbereich ein. Gleichzeitig sinkt die Schlafqualität – der Schlaf wird flacher, unruhiger, die Atemmuskulatur entspannter. Auch das kann zu häufigeren Atemaussetzern führen. Arm, Bein oder gesamter Körper: Warum zuckt man beim Einschlafen? Optimale Schlafdauer: So lange sollten Sie mit 60 Jahren schlafen Hinzu kommt: Viele Patienten mit bestätigten Schlafapnoe verzichten bei Hitze auf ihre Therapiegeräte – etwa die sogenannte CPAP-Maske, die mit leichtem Luftdruck die Atemwege offen hält. Frühere Untersuchungen zeigen, dass in warmen Nächten die Therapietreue sinkt. Klima und Gesundheit: Das unterschätzte Risiko Die Forscher sehen in ihren Ergebnissen einen weiteren Beleg dafür, wie stark der Klimawandel die Gesundheit beeinflusst. Hitzewellen nehmen zu – in Dauer, Häufigkeit und Intensität. Schlafstörungen wie die obstruktive Schlafapnoe könnten dadurch in Zukunft noch häufiger auftreten. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Schlafapnoe eine der chronischen Krankheiten ist, die sich durch die Folgen des Klimawandels bereits verschärft hat – und auch künftig weiter zunehmen wird", schreiben die Studienautoren. Dieses Ergebnis zeigte sich über viele europäische Länder hinweg. Umso wichtiger sei es, vorbeugende Maßnahmen gegen den Klimawandel zu treffen.