Eine simple Masche hat ausgereicht, um Bundestagsabgeordnete hereinzulegen. Der Vorfall legt digitale Nachlässigkeit in sensiblen Kreisen offen. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie stehen in der Bank. Sie haben es eilig, aber: Sie brauchen Bargeld. Nur ein Automat funktioniert, drei Leute stehen vor Ihnen, und aktuell ist eine Person mit dem Abheben beschäftigt, die das Wort "Eile" nur aus Erzählungen kennt. Sie trippeln von einem Fuß auf den anderen – da steht auf einmal ein Ihnen bis dato unbekannter Mann vor Ihnen. Sehr ordentlich gekleidet, Anzughose und gebügeltes Hemd, die Haare so frisiert, wie es sich gehört, und sagt: "Guten Tag, ich bin hier der Filialleiter. Wir würden gern einmal Ihre Karte überprüfen. Ob die auch den Sicherheitsstandards genügt. Dürfte ich Sie einmal um die Karte und um Ihre vierstellige PIN bitten?" Was tun Sie? Den Teufel natürlich, ganz genau! Sie geben weder Karte noch PIN aus der Hand – und schon gar nicht beides. Denn da könnte ja jeder kommen und Sie um Ihr sauer verdientes Geld erleichtern. Das ist Allgemeinwissen. So wie oben geschildert muss man sich in etwa das vorstellen, was nun einigen Bundestagsabgeordneten passiert ist, die mithilfe der Messenger-App Signal kommunizieren . Darüber wurden Nachrichten verschickt, angeblich im Namen von Signal selbst, mit der Bitte, seine Signal-PIN mitzuteilen. Und einige sind darauf reingefallen. Unter anderem wohl Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Bundesfamilienministerin Karin Prien. Auch in den Reihen der SPD und der Grünen gibt es wohl Opfer des Hacks. Das ist schon höchst problematisch Moment, des Hacks? NEIN! Löschen Sie das bitte sofort wieder aus Ihrem Gedächtnis. Denn das, was da passiert ist, war eine Phishing-Attacke. Kein Hack. Leute mit viel Verantwortung und äußerst wichtigen Kontakten und sensiblen Chatgruppen (Klöckner ist auch Mitglied des CDU-Präsidiums) haben aktiv und gutgläubig ihre PIN weitergegeben. Anscheinend auch Leute wie Karin Prien, die sich qua Amt aktuell mit dem Thema "Social Media-Verbot für Kinder und Jugendliche" beschäftigt, haben eines bewiesen: Sattelfest in puncto Medienkompetenz, digitales Grundwissen, sind sie nicht. Allein das ist schon hochproblematisch. Man muss im Jahr 2026 von hochrangigen Funktionsträgern verlangen können, dass sie auf so etwas nicht hereinfallen. Aber gut, es sind Menschen, und wir alle hier sind uns alle einig darin, so hoffe ich: Dass Politiker nicht arbeiten, ist so ziemlich die bescheuertste Stammtischparole. Ihre Belastung ist enorm, und wer belastet ist, macht natürlich noch schneller Fehler. So was nennt man auch gerne "DAU" Was aber nun folgt, macht die ganze Sache noch schlimmer. Sie nennt sich: Aktionismus. Sehr nervig. Und ungefähr so weitsichtig wie dieses unwürdige Gewese um den armen Wal. Denn Signal soll jetzt als möglicher Kommunikations-Kanal der Bundesregierung abgeschafft werden. Und das ist Unsinn. Dahinter steckt entweder die Hoffnung, dass die Leute dann das erschütterte Vertrauen in die digitale Ohnmacht politisch Handelnder zurückgewinnen. Oder, noch schlimmer: Diejenigen, die diese Entscheidung getroffen haben, haben noch immer nicht verstanden, was da passiert ist. Wer jemandem seine PIN gibt, der sich als Signal ausgibt, hätte sie nämlich auch jemand anderem in die Hand gedrückt. Das Problem ist nicht die Plattform. Das Problem ist das, was von digital Bewanderteren als der "DAU" bezeichnet wird: Als dümmster anzunehmender User. Bisschen hart formuliert, aber ich hab mir das nicht ausgedacht! Um noch mal zum Beispiel zurückzukommen: Das ist so, als hätten Sie dem angeblichen Bankmitarbeiter Karte und PIN treudoof überlassen, wären nun um einige Tausend Euro ärmer, niemand würde Ihnen Ihren Fehler erklären, dafür aber einfach eine neue Karte und PIN in die Hand drücken. Merken Sie auch, oder?