Sony bringt Kopfhörer, die bewusst nicht abdichten: Die LinkBuds Clip lassen Umgebungsgeräusche durch. Das ungewöhnliche Design hat jedoch seinen Preis. Sony hat neue True-Wireless-Kopfhörer vorgestellt, die sich von herkömmlichen In-Ear-Modellen deutlich unterscheiden. Die LinkBuds Clip setzen auf ein offenes Design, das die Ohren nicht verschließt. Stattdessen werden die Kopfhörer mit einem C-förmigen Bügel außen am Ohr befestigt. Das Konzept solcher Open-Ear-Kopfhörer ist nicht neu. Hersteller wie Bose oder Shokz bieten ähnliche Modelle an. Sony hatte bereits 2022 mit den LinkBuds erstmals ein offenes Modell vorgestellt, das allerdings noch auf einem Ring-Design mit Loch in der Mitte basierte. Die neuen LinkBuds Clip setzen nun auf eine Bauweise, bei dem die Geräte zum Teil außen am Ohr angebracht werden – das freut vor allem Brillenträger. Open-Ear-Kopfhörer: Was können die neuen Modelle wirklich? AirPods Pro 3 im Test: Apples Kopfhörer sind ein tolles Update – mit einem Haken Der Hersteller verspricht dabei sowohl hohe Klangqualität als auch den typischen Sony-Funktionsumfang. Ob das Konzept im Alltag überzeugt, zeigt unser Test. Tragekomfort: Kaum spürbar am Ohr Das C-förmige Design liegt oben am Ohr auf und dringt nicht in den Gehörgang ein. Im Test fällt auf: Die Kopfhörer sind bereits nach kurzer Zeit kaum noch spürbar. Einmal angebracht, sitzen sie fest am Ohr. Ein optionaler Clip sorgt für noch mehr Stabilität, zum Beispiel beim Sport. Da das offene Konzept keine spezielle Passform erfordert, sollten die LinkBuds Clip bei unterschiedlichen Ohrformen funktionieren. Open-Ear-Kopfhörer richten sich vor allem an Nutzer, die ihre Umgebung weiterhin wahrnehmen möchten oder müssen. Im Straßenverkehr bleiben Warnsignale und herannahende Fahrzeuge hörbar. Für Radfahrer und Fußgänger ist das ein Sicherheitsaspekt. Durchsagen am Bahnhof gehen nicht unter. Im Büro bleibt man trotz Musik ansprechbar, wenn Kollegen eine Frage haben. Und auch für Eltern kann das Design sinnvoll sein: Beim abendlichen Fernsehen auf der Couch müssen sie bezüglich der Lautstärke keine Rücksicht auf schlafende Kinder nehmen. Wenn eins davon weinen sollte, hört man es trotzdem. Drei verschiedene Hör-Modi Die LinkBuds Clip verfügen über drei Hör-Modi, zwischen denen durch Antippen gewechselt werden kann. Im Standard-Modus soll die Klangqualität mit klaren Stimmen und Details überzeugen. In lauten Umgebungen wie Bahnhöfen werden Stimmen und Gesang durch die Sprachverstärkung hervorgehoben. Im Test hat das anständig funktioniert, auch wenn sich dadurch der Frequenzbereich so verändert, dass die Musik fast schon unnatürlich klingt. Beim Fernsehen kann die Funktion aber durchaus sinnvoll sein, wenn man auch ohne laute Hintergrundgeräusche die Dialoge besser verstehen möchte. Der dritte Modus mit der Bezeichnung Reduzierung soll die Geräuschübertragung nach außen verringern. Leider klingt dieser Modus sehr dumpf und bietet für den Hörenden keinen erkennbaren Vorteil. Personen in der Nähe bekommen von der Musik ohnehin kaum etwas mit. Falls doch, könnte man auch einfach die Lautstärke reduzieren. Ein Kritikpunkt: Die Bedienung für das einmalige, doppelte und dreifache Antippen lässt sich aktuell nicht individuell belegen. Es gibt verschiedene vordefinierte Szenarien mit festgelegten Kombinationen, eine freie Belegung ist nicht möglich. Das ist ärgerlich, denn die Möglichkeit dazu ist vorhanden – andere Modelle sind dazu bereits in der Lage. Laut Sony könnte sich das mit einem künftigen Update ändern. Technische Ausstattung und Gesprächsqualität Sony stattet die LinkBuds Clip mit ihrem DSEE-Upscaling aus, das die Klangqualität komprimierter Musikdateien verbessern soll. Zudem gibt es einen 10-Band-Equalizer in der Sony-App Sound Connect sowie die Unterstützung für 360 Reality Audio. Für Telefonate setzt Sony auf einen Knochenleitungssensor, der die Stimme präzise erfassen soll. Im Test zeigt sich: Die Qualität beim Zuhören ist gut, allerdings klingt die eigene Stimme beim Gesprächspartner nicht besonders klar. Ein KI-basiertes Rauschunterdrückungssystem soll Hintergrundgeräusche eliminieren. Die Akkulaufzeit gibt Sony mit bis zu 37 Stunden an – einschließlich des Ladecases. Nach drei Minuten Ladezeit soll eine Stunde Nutzung möglich sein. Die Kopfhörer sind nach IPX4 vor Schweiß und Regen geschützt. Klangqualität: Kompromiss für mehr Offenheit Das offene Design bringt Einschränkungen mit sich. Im Test zeigt sich: Die Klangqualität ist gut, kann aber bauartbedingt nicht mit geschlossenen In-Ear-Kopfhörern mithalten. Der Ton wirkt insgesamt etwas "dünner", die Bässe sind weniger präsent. Auch die maximale Lautstärke fällt geringer aus, reicht im Alltag aber aus und bietet in den oben erwähnten Szenarien große Vorteile. Für Nutzer, die Wert auf maximale Klangqualität legen, sind die Open-Ear-Kopfhörer wie die LinkBuds Clip keine geeignete Wahl. Auch eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC) fehlt – in der Bahn oder im Flugzeug werden die meisten Personen vermutlich lieber auf die Abschirmung klassischer Kopfhörer setzen. Das Konzept richtet sich bewusst an eine Nischengruppe, die den Kompromiss zwischen Musikgenuss und Umgebungswahrnehmung eingehen möchte. Wer vor allem Sicherheit im Straßenverkehr oder Ansprechbarkeit im Alltag sucht, findet mit den LinkBuds Clip eine durchdachte Lösung. Die LinkBuds Clip sind in den Farben Schwarz, Lavendel, Grün und Greige erhältlich. Letztere ist eine Mischung aus Grau und Beige. Der Preis liegt bei 199,99 Euro. Anmerkung der Redaktion: Sony hat t-online die Kopfhörer für diesen Test kostenlos zur Verfügung gestellt, nimmt jedoch keinerlei Einfluss auf die inhaltliche redaktionelle Berichterstattung.