Sparkassen: Studie deckt Sorge vor massivem Kundenschwund auf

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In vielen Regionen verschwinden nach und nach die Kunden. Eine Studie zeigt, warum das für Sparkassen zum echten Problem werden könnte. Sparkassen und Volksbanken müssen sich auf einen tiefgreifenden Wandel einstellen: Ihre Kundenzahl vor Ort könnte in den kommenden Jahren deutlich sinken. Grund dafür ist der erwartete Bevölkerungsrückgang in Teilen Deutschlands. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Bezug auf eine Studie der Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft PwC. Demnach sind rund 60 Prozent der Institute in Regionen aktiv, in denen die Einwohnerzahl schrumpft. Wachstum und Schrumpfung – Deutschland driftet auseinander Auf den ersten Blick wirkt die Entwicklung stabil: Erhebungen zur Bevölkerungsentwicklung gehen davon aus, dass die Einwohnerzahl Deutschlands bis 2045 insgesamt etwa konstant bei rund 83,1 Millionen bleibt. Doch dieser Durchschnitt täuscht. Denn regional zeigen sich große Unterschiede, die auch über die PwC-Studie hinaus gut belegt sind. So zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung: Vor allem wirtschaftsstarke Städte und ihr Umland wachsen, während viele ländliche Regionen und Teile Ostdeutschlands Einwohner verlieren. Cashback statt Geldautomat: Verbraucherzentralen warnen vor Bargeld-Engpass Billig-Häuser überall? Warum diese Häuser keiner mehr haben will Für Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist das ein Problem. Ihr Geschäftsmodell basiert auf dem sogenannten Regionalprinzip. Das bedeutet: Sie konzentrieren sich auf ein klar abgegrenztes Geschäftsgebiet und betreuen dort Privat- und Firmenkunden. "Das Regionalprinzip wird vom Stabilitätsanker zunehmend zum Risikofaktor", warnt PwC-Partner Daniel Wildhirt im "Handelsblatt". In den vergangenen Jahren habe das Bevölkerungswachstum strukturelle Schwächen noch überdeckt. Künftig werde sich das ändern. Besonders betroffen: Banken auf dem Land Die Folgen dieser Entwicklung treffen vor allem Institute in ländlichen Regionen. Laut PwC könnten Sparkassen bis 2045 im Schnitt rund zwölf Prozent ihrer Kunden verlieren. Einzelne Geldhäuser könnten sogar bis zu 30 Prozent einbüßen. Aktuell gibt es in Deutschland 338 Sparkassen mit mehr als 11.000 Geschäftsstellen. Sie sichern gemeinsam mit Partnern die flächendeckende Versorgung mit Finanzdienstleistungen – also etwa Girokonten, Kredite oder Beratung. Auch Genossenschaftsbanken, also Volks- und Raiffeisenbanken, stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Rund 40 Prozent von ihnen sind laut PwC in stagnierenden oder schrumpfenden Regionen aktiv. Gerade auf dem Land sind sie oft die einzige Bank vor Ort. Dennoch droht auch ihnen ein Rückgang der Kundenzahl um etwa sechs Prozent. Gleichzeitig stehen die Institute vor einem weiteren Problem: Sie müssen ihr Filialnetz anpassen und Personal finden. "Die Frage ist, wie sich die Versorgung vor Ort aufrechterhalten lässt, wenn Filialen schließen und Fachkräfte fehlen", so Wildhirt. Digitale Konkurrenz wächst deutlich schneller Sollte die Bevölkerung laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Extremfall sogar auf etwa 78 Millionen Menschen bis 2045 sinken, würde sich dieser Druck weiter verschärfen. Der demografische Wandel ist jedoch nicht die einzige Herausforderung. Parallel dazu verändert sich auch das Kundenverhalten, was klassische Banken zusätzlich unter Druck setzt. Onlinebanken und Neobroker, die ihren Kunden über Apps den Handel mit Wertpapieren wie Aktien und ETFs zu deutlich günstigeren Konditionen anbieten, wachsen deutlich schneller. Besonders deutlich zeigt sich das beim Wertpapiergeschäft: Laut einer Analyse von lemon.markets und Smartbroker hielten private Haushalte Ende 2025 rund 37,2 Millionen Depots in Deutschland. Digitale Anbieter legten dabei stark zu, ihr Depotbestand stieg von 14,0 auf 16,2 Millionen – ein Plus von 15,2 Prozent. Damit wachsen sie fast doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt. Klassische Institute kommen kaum hinterher. Sparkassen verzeichneten lediglich ein Wachstum von 0,7 Prozent auf etwa 1,92 Millionen Depots. Genossenschaftsbanken mussten sogar einen leichten Rückgang um 0,4 Prozent auf rund 1,51 Millionen Depots hinnehmen. Zwischen Filiale und App – hier liegt die größte Chance Trotz dieser Herausforderungen sehen Experten auch Chancen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken setzen zunehmend auf eine Kombination aus regionaler Nähe und digitalen Angeboten. Ihr Vorteil: Sie genießen vor Ort oft großes Vertrauen. Persönliche Beratung, Filialen, lokale Veranstaltungen oder Sponsoring stärken die Kundenbindung, gerade bei Menschen, die Wert auf direkten Kontakt legen. Gleichzeitig bauen die Institute ihr digitales Angebot aus, etwa durch Onlinebanking oder eigene Apps. Ziel ist es, auch jüngere und digital affine Kundinnen und Kunden zu erreichen. Eine besonders große Chance könnte sich durch das geplante Altersvorsorgedepot ab 2027 ergeben. Dabei handelt es sich um ein staatlich gefördertes Depot, mit dem Bürger privat fürs Alter vorsorgen können. Branchenanalysen gehen von 10 bis 16 Millionen potenziellen Nutzern in Deutschland aus. Für Sparkassen und Genossenschaftsbanken könnte dieses neue Produkt ein wichtiger Hebel sein, um neue Kundengruppen zu gewinnen und den demografischen Gegenwind zumindest teilweise auszugleichen.
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