Spritpreisbremse im Gespräch: Öl, Gas, Benzin – Was jetzt teurer wird

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Die Schifffahrt auf der wichtigen Straße von Hormus ist wegen des Kriegs am Golf beeinträchtigt. Das treibt die Öl-, Gas- und Spritpreise. Ein Blick auf Produkte, die teurer werden. In der Golfregion gehen die Angriffe auf den Iran weiter. Das Regime in Teheran reagiert mit Gegenschlägen auf die Golfstaaten. Das treibt die Spritpreise – auch in Deutschland. Am Mittwoch stieg der Dieselpreis hierzulande auf mehr als zwei Euro. In der morgendlichen Preisspitze um 7.15 Uhr ermittelte der ADAC einen bundesweiten Durchschnittspreis von 2,054 Euro pro Liter. Im weiteren Verlauf des Vormittags sank er zunächst wieder knapp unter die 2-Euro-Marke. Analyse: Nun könnte sich der niedrige Stand der Gasspeicher rächen Verbrauchertipp: Wie sich günstige Gaspreise jetzt sichern lassen Reiche: Keine Knappheiten bei Öl und Gas In Frankreich kündigte die Regierung verstärkte Marktkontrollen bei Tankstellen an. In Deutschland plant die Bundesregierung wegen der starken Preisaufschläge zunächst keine Entlastung für Autofahrer. Angesprochen auf eine mögliche Spritpreisbremse sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) : "Die steht nicht auf der Agenda." Reiche sagte, es gebe derzeit in Deutschland keine Knappheiten bei Öl und Gas. Es gebe zwar Preisausschläge an den Märkten wegen des Kriegs in Nahost, aber kein Mengenproblem. "Die Lage bleibt volatil." t-online erklärt, welche Produkte jetzt teurer werden und warum. Gas- und Sprit vorerst ohne Preisdeckel Die Preise für Kraftstoffe steigen kräftig. Die Bundesregierung lehnt aber ein Eingreifen ab. Wirtschaftsministerin Reiche erklärte, die Regierung gehe nicht unvorbereitet in die Krisensituation und habe Instrumente zum Handeln. Es gebe aber noch keinen Anlass, sie auch einzusetzen. "Momentan geht es darum, Ruhe in die Märkte zu bringen." Unterstützung erhielt Reiche vom Sachverständigenrat der Bundesregierung. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sprach sich gegen eine Spritpreisbremse aus. "Die Preise steigen, weil das Benzin durch den Krieg im Nahen Osten knapper wird", sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrates Wirtschaft. Schnitzer sieht eher das Kartellamt am Zug. Reiche verwies auf eine strategische Ölreserve. Auch auf dem Gasmarkt werde Deutschland gut durch die letzten Wochen des Winters kommen. Es habe vergangene Woche bereits Einspeisungen in die Gasspeicher gegeben. Deutschland beziehe sein Gas vor allem über Pipelines und habe langfristige Verträge. Verbraucherportal rät: "Keine Panik" Nach der russischen Invasion in der Ukraine 2022 hatte die damalige Ampelkoalition einen Tankrabatt für drei Monate beschlossen – auch das 9-Euro-Ticket als Vorläufer des Deutschlandtickets brachte der damalige Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) auf den Weg. Damals hatte auch die EU eingegriffen und einen Gaspreisdeckel eingeführt. Der SPD-Europaabgeordnete René Repasi, Wirtschafts- und Handelsexperte seiner Fraktion, bringt dies nun auch im Falle weiterer Aufschläge beim Gaspreis ins Gespräch. Angesichts der Turbulenzen an den Energiemärkten empfiehlt das Verbraucherportal "Finanztip" Gaskunden, sich nach Möglichkeit günstige Verträge zu sichern. Insgesamt müssten sich Verbraucherinnen und Verbraucher auf steigende Preise für Heizöl und Kraftstoffe einstellen, erklärte "Finanztip" am Dienstag. Verbraucher sollten jedoch "besonnen reagieren und nicht in Panik verfallen". Zwar seien die Preise an den Handelsplätzen für Öl und Erdgas zuletzt deutlich gestiegen. "Höhere Börsenpreise schlagen allerdings nicht immer sofort auf die Preise in neuen Gasverträgen für Haushalte durch", erklärte das Portal. Nach Beobachtungen von "Finanztip" blieben die angebotenen Gastarife zunächst auf dem niedrigen Niveau der vergangenen Wochen. Lebensmittelpreise: Plus von bis zu 15 Prozent Die steigenden Preise für Sprit und Dünger treiben auch die Lebensmittelpreise. "Natürlich könnte der Krieg Kosteneffekte bei Lebensmitteln nach sich ziehen. Die Beschaffungswege sind kosten- und energieintensiv", sagte Boris Hedde, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH Köln . Schon nach Beginn des Kriegs in der Ukraine seien die gestiegenen Aufwendungen für Lieferung, Logistik und Energie bei den Verbrauchern angekommen, so Hedde. Viele Lebensmittel wurden damals deutlich teurer. Experten sprachen von einem Aufschlag von bis zu 15 Prozent. Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) rechnete wegen der höheren Energiepreise mit steigenden Kosten für die Produktion von Lebensmitteln und Getränken. Viele Produktionsprozesse wie Trocknen oder Backen seien auf Erdgas angewiesen. Steigende Ölpreise verteuern laut Verband Diesel- und Kraftstoffe und so insbesondere die Logistik. Gesperrte Transportwege, längere Routen und geringere Containerkapazitäten erhöhten Fracht- und Logistikkosten, erläuterte BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. Bauernverband warnt vor steigenden Preisen Minhoff forderte Sofortmaßnahmen von der Politik, wie etwa die Reaktivierung der Gaspreisbremse. "Wer den drohenden Kosten-Tsunami für die Lebensmittelbranche stoppen will, um den Verbraucher nicht zusätzlich zu belasten, muss jetzt konsequent handeln." Der Deutsche Bauernverband warnte bereits vor neuen Belastungen für die Agrarwirtschaft. "Besonders kritisch ist, dass nun zu Beginn der Feldarbeiten erneut deutliche Kostensteigerungen drohen", sagte Generalsekretärin Stefanie Sabet. Die heimische Landwirtschaft stehe seit Jahren unter Kostendruck. Die Landwirte sorgten sich, dass sie die steigenden Kosten allein tragen müssten. "Fest vereinbarte Lieferverträge lassen kurzfristige Preisanpassungen kaum zu, und über Endverbraucherpreise entscheidet maßgeblich der Lebensmitteleinzelhandel." Umso wichtiger sei es, dass die Politik zugesagte Entlastungen schnell umsetze, zum Beispiel durch Bürokratieabbau. Vor zwei Jahren hatten die Bauern in Deutschland gegen die Streichung der Subventionen für Agrardiesel mobil gemacht. Negative Folgen fürchtete auch der Handelsverband Deutschland (HDE). Der Krieg könnte die ohnehin schwache Konsumstimmung weiter verschlechtern, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Die Verunsicherung durch die internationalen Krisen und Konflikte steigt immer weiter. Das ist Gift für den Konsum." Die globalen Lieferketten des Einzelhandelshandels sind laut HDE aktuell nicht betroffen. Die großen Reedereien hätten ihre Routen bereits seit den Angriffen der mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen 2023 angepasst. Kunststoffe und Verpackungen Die Chemieindustrie ist unmittelbar vom Krieg in der Golfregion betroffen, weil die meisten Chemieprodukte Öl als Vorprodukt brauchen. Auch Methanol und Ammoniak werden in der Golfregion produziert und nach Deutschland geliefert. Steigende Preise wirken sich also direkt auf die Chemieproduktion aus. Lieferketten-Experte Marc Kloepfel sagte der Nachrichtenagentur AFP, zwar gebe es Puffer in Lagern und auch noch andere Liefergebiete. Die Preissteigerungen und eine mögliche Knappheit von für die Kunststoffherstellung nötigen Chemikalien könnten sich laut Kloefel aber auf die gesamte Automobilindustrie , die Verpackungsindustrie und "überall dort, wo Kunststoff verarbeitet wird", auswirken. Schon jetzt plagen die Chemie- und Kunststoffindustrie hierzulande hohe Energiepreise. Chemie-Riese BASF kündigte zuletzt sogar an, am Standort im kriselnden Ludwigshafen Werkswohnungen zu verkaufen, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Düngemittel Laut dem Handelsanalyseunternehmen Kpler werden etwa 33 Prozent der weltweiten Düngemittel, darunter Schwefel und Ammoniak, über die Straße von Hormus transportiert . Diese Düngemittel werden in Katar, Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten auf Frachtschiffe verladen und haben verschiedene Zielorte, darunter Indien , China und Brasilien . "Es gibt keine praktikablen Alternativen" zum Transport über den Golf, erklärte Kpler in einer früheren Analyse und wies darauf hin, dass "die Landwege durch die Kapazitäten von Pipelines und Lkw begrenzt sind". Da für einen Großteil der Düngemittel zur Herstellung Gas oder Öl gebraucht wird, könnte es einen Dominoeffekt auf die Düngemittelpreise geben. Der kriselnde Chemiekonzern BASF kündigte zuletzt gar an, am Standort Ludwigshafen eine seiner Anlagen für die Synthese von Ammoniak stillzulegen. Das Gas ist ein wichtiges Vorprodukt für Kunstdünger wie Nitrophoska. Zur Erinnerung: Für die erste Synthese des Ammoniak-Gases am Standort Ludwigshafen erhielt der Wissenschaftler Fritz Haber 1919 den Chemie-Nobelpreis überreicht.
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