Stärkerer Heuschnupfen durch Klimawandel? Was auf Allergiker zukommt

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Pollenallergien nehmen zu, Heuschnupfensymptome werden intensiver: Ist der Klimawandel schuld? Was auf Allergiker zukommt. Schätzungen zufolge ist etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung von Heuschnupfen betroffen. Viele berichten von einer Zunahme ihrer Symptome. Einer der wichtigsten Einflussfaktoren ist der Klimawandel . Steigende Temperaturen, veränderte Wetterlagen und eine höhere CO2-Konzentration in der Atmosphäre beeinflussen, wann Pflanzen blühen, wie viele Pollen sie freisetzen und wie aggressiv diese wirken. Was bedeutet das für Allergiker? Gesundheitsrisiko: pollenbedingte allergische Rhinitis Laut dem Umweltbundesamt ist die pollenbedingte allergische Rhinitis, umgangssprachlich "Heuschnupfen", die in Deutschland häufigste allergische Erkrankung. Knapp 15 Prozent der Erwachsenen und 11 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind betroffen – Tendenz steigend. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Stoffe – in diesem Fall Blütenstaub – mit Abwehr. Typische Symptome von Heuschnupfen sind: laufende Nase häufiges Niesen Kribbeln von Gaumen und Rachen gerötete, juckende Augen tränende Augen Halskratzen Hustenreiz Die Symptome belasten Betroffene zum Teil stark. Und nicht nur das: Die allergische Rhinitis birgt das Risiko, sich zum allergischen Asthma bronchiale zu entwickeln – einer chronischen Atemwegserkrankung mit teils schweren Atemproblemen und Luftnot. Beschwerden lindern: Hausmittel gegen Heuschnupfen Pollenbedingte allergische Rhinitis nimmt zu Studien weisen darauf hin, dass allergische Atemwegserkrankungen zunehmen. Als Ursache gilt der Klimawandel. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit gibt es verschiedene Gründe, warum er Heuschnupfen verstärkt: mehr Pollen in der Luft neue Pflanzenarten Zunahme von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre Mehr Pollen fliegen länger Die höheren Temperaturen führen zu einer Veränderung und Verschiebung der Jahreszeiten. Herbst und Winter werden milder. Frühjahr und der Sommer werden wärmer und länger. Als Folge starten die Blütezeiten der Pflanzen früher und halten länger an. Die Pollensaison kann sich über Monate erstrecken – mit einer hohen Pollenbelastung in der Luft. Mildere Winter führen beispielsweise dazu, dass früh blühende Arten wie Hasel und Erle teilweise schon im Januar oder Februar Pollen freisetzen. Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB) werden die Pollen durch den Klimawandel zudem aggressiver. Neue Pflanzenarten siedeln sich an Durch den Temperaturanstieg siedeln sich in Deutschland neue Pflanzenarten an, etwa die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia, Beifußblättriges Traubenkraut). Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika. Die Pollen dieser Pflanze gelten als besonders allergieauslösend. Das stark allergene Kraut kann ab Juli bis in den Oktober hinein blühen. Hinzu kommt laut dem Allergie Informationsdienst am Helmholtz Zentrum München , dass die Ambrosiapollen häufiger als anderer Blütenstaub zur Sensibilisierung führen – und als Folge dazu, dass mehr Menschen erstmalig eine Pollenallergie entwickeln. Zunahme von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre Der Kohlendioxid-Anteil (CO2) in der Atmosphäre nimmt zu. Kohlendioxid kann die Pollenproduktion mancher Pflanzen erhöhen. Auch die Allergenität, also die allergieauslösende Wirkung der Pollen, kann unter bestimmten Bedingungen zunehmen. Damit kann der CO2-Ausstoß die Zunahme von pollenbedingten Atemwegserkrankungen begünstigen. So wirkt der Klimawandel auf die Atemwege Der Klimawandel wirkt sich noch anderweitig ungünstig auf die Atemwege aus, beispielsweise: Durch häufige Hitzewellen und höhere Temperaturen können die Atemwege gereizt werden und chronische Atemwegserkrankungen einen schwereren Verlauf nehmen, da bei Hitze und Trockenheit die Schadstoffbelastung in der Luft zunimmt. Häufigere Extremwetter-Ereignisse wie Gewitter, Hitzeperioden und schnelle Wetterwechsel können die Verteilung und Wirkung von Pollen beeinflussen – und sogar Asthmaanfälle begünstigen. Bei bestimmten Wetterlagen zerfallen Pollen in kleinere Partikel, die tief in die Atemwege gelangen können. Ein bekanntes Phänomen ist das " Gewitterasthma ". Gleichzeitig können Luftschadstoffe wie Ozon oder Feinstaub die Schleimhäute empfindlicher machen. Das verstärkt die Wirkung von Pollen, selbst wenn ihre Konzentration nicht außergewöhnlich hoch ist. Was auf Allergiker zukommt Die meisten Fachleute gehen davon aus, dass klimabedingte Einflüsse auf Allergien in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen. Mit früherem Blühbeginn und späterem Ende steigt für Pollenallergiker die jährliche Belastungsdauer. Studien zeigen zudem, dass die Pollen durch den Klimawandel aggressiver werden. Durch die Ansiedelung neuer Pflanzenarten können Allergiker mit weiteren Pollenarten in Kontakt kommen, auf die sie ebenfalls reagieren – was die Symptomatik zusätzlich verstärkt. Aufgrund der intensiveren Pollenbelastung gewinnt die Prävention für Allergiker zunehmend an Bedeutung. Was können Allergiker tun? Die als Allergenspezifische Immuntherapie (AIT) oder Hyposensibilisierung bezeichnete Behandlung ist laut dem DAAB zufolge derzeit die einzige Therapieform, die bei Allergien an der Ursache ansetzt und bei langfristiger Anwendung einen andauernden Therapieerfolg verspricht. Das Ziel der Therapie ist, die allergischen Symptome zu lindern, das Risiko für die Entstehung eines allergischen Asthmas zu reduzieren und die Medikamenteneinnahme, etwa Glukokortikoide und Antihistaminika, zu verringern. Die Therapie erstreckt sich über mindestens drei Jahre. Während dieser Zeit werden Betroffene immer wieder mit den allergieauslösenden Stoffen in geringen Dosen konfrontiert. Das soll dazu beitragen, dass sich das Immunsystem langsam an die Stoffe gewöhnt und bei Kontakt nicht mehr überreagiert. Die Therapiepräparate können in Form von Spritzen, Tabletten oder Tropfen verabreicht werden. Pollenbelastung im Alltag reduzieren Im Alltag können die folgenden Tipps dazu beitragen, die Pollenbelastung zu verringern: Pollenvorhersagen und Apps nutzen: Wenn möglich, die Tagesplanung an belastungsarmen Zeiten ausrichten. Stoßlüften zum Beispiel dann, wenn die Pollenbelastung gering ist. Innenräume schützen: Fenster bei starkem Pollenflug geschlossen halten. HEPA-Filter zur Luftreinigung von Wohn- und Schlafraum nutzen. Regelmäßig reinigen: Die Innenräume regelmäßig staubsaugen – am besten mit HEPA-Filter – oder feucht wischen, um Aufwirbelungen zu vermeiden. Kleidung regelmäßig waschen: Regelmäßiges Waschen entfernt Pollen aus Kleidung, Handtüchern und Bettwäsche. Tipp: Getragene Kleidung und den Wäschekorb nicht im Schlafzimmer aufbewahren, um die Pollenbelastung gering zu halten. Abends duschen: Haare und Haut abends waschen, um sie von Pollen und Staub zu befreien. Das hilft, nächtliche Allergiebeschwerden zu verringern. Außerdem sollten von Heuschnupfen Betroffene regelmäßige ärztliche Untersuchungen wahrnehmen. Unbehandelt kann sich eine allergische Rhinitis über die Jahre zu einem allergischen Asthma entwickeln. Eine ärztliche Begleitung hilft, rechtzeitig gegenzusteuern und akute Beschwerden zu lindern, zum Beispiel durch entzündungshemmende Therapien oder eine Immuntherapie.
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