Straße von Hormus blockiert – Tanker drehen ab: Europa geht leer aus

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Die Blockade der Straße von Hormus trifft Europa hart. Experten warnen: Vor allem beim Diesel könnte die Lage in den kommenden Tagen kippen. Die Energiekrise infolge der Eskalation im Nahen Osten erreicht Europa mit voller Wucht. Mehrere Tanker mit Diesel und anderen Treibstoffen, die ursprünglich europäische Häfen anlaufen sollten, haben ihren Kurs geändert. Statt nach Amsterdam oder anderen Zielen liefern sie ihre Ladung nun wohl nach Asien – dorthin, wo Käufer derzeit deutlich mehr zahlen. Der Tanker "Elka Delphi" war mit rund 1,2 Millionen Barrel Diesel auf dem Weg nach Europa, als er vor der Küste Spaniens plötzlich stoppte, den Kurs änderte und wieder abdrehte. Nach Informationen von Bloomberg wurde die Ladung unterwegs weiterverkauft. Neues Ziel des Tankers soll Durban in Südafrika sein – ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Asien. Insgesamt sollen Berichten zufolge inzwischen mindestens vier Diesel-Tanker mit zusammen rund 190 Millionen Litern Treibstoff umgeleitet worden sein. Fünfter Rekord am fünften Tag: Preis für Diesel nach neuer Tankstellenregel Hohe Spritpreise: Wirtschaftsweise plädiert für Verzicht auf Autofahrten Der Grund ist vorwiegend wirtschaftlicher Natur: In Asien werden für Diesel und Vorprodukte wie Gasöl derzeit deutlich höhere Preise gezahlt als in Europa. Laut den Berichten liegt der Preisunterschied bei umgerechnet rund 200 Euro pro Tonne. Für Händler ist das ein starker Anreiz, Ladungen kurzfristig umzuleiten. Der Hintergrund ist die anhaltende Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Normalerweise passieren rund 20 Prozent der weltweiten Ölförderung die Meerenge. Auch große Mengen raffinierter Produkte wie Diesel, Kerosin und Bunkeröl für Schiffe werden über die Route transportiert. Fällt dieser Verkehrsweg aus, geraten nicht nur die Rohölmärkte unter Druck – sondern vor allem die Versorgung mit bereits verarbeitetem Treibstoff. Nobelpreisträger: Krise steht erst am Anfang Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Paul Krugman warnt, die Krise stehe erst am Anfang. Bislang seien die Preissprünge vor allem spekulativ gewesen, weil sich noch viel Öl auf Schiffen befunden habe, die die Golfregion vor der Blockade verlassen hatten. Doch diese Schonfrist ende nun. Für Asien dürften Lieferungen nach seiner Einschätzung bereits in diesen Tagen versiegen, für Europa kommende Woche. Dann werde aus der Preiskrise eine reale Versorgungskrise. An den Märkten ist die Nervosität bereits deutlich sichtbar. Der Ölpreis Brent sprang zeitweise auf 117 Dollar pro Barrel und damit auf den höchsten Stand seit 2022. Noch gravierender ist die Lage aber beim Diesel. Nach Einschätzung von Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft sind raffinierte Produkte inzwischen knapper als Rohöl selbst. Gerade Diesel, Kerosin und Bunkeröl wiesen deutlich stärkere Preissprünge auf. Das sei für Verbraucher besonders heikel, weil genau diese Stoffe den Güterverkehr, die Logistik und damit große Teile der Wirtschaft am Laufen hielten. Für Deutschland ist die Lage widersprüchlich. Einerseits gibt es nach Angaben von Marktbeobachtern derzeit noch keinen akuten physischen Mangel. Weder Deutschland noch andere europäische Länder beziehen große Mengen Rohöl direkt aus dem Persischen Golf. Andererseits ist Europa beim Diesel deutlich verletzlicher als beim Rohöl. Die hiesigen Raffinerien können den Bedarf nicht vollständig decken. Nach Angaben von Branchenkennern müssen rund zehn Prozent des in der EU verbrauchten Diesels importiert werden. Seit dem Wegfall russischer Lieferungen war ein Teil dieser Lücke durch Lieferungen aus dem Golf und aus Indien geschlossen worden – genau diese Quellen fallen nun aus oder werden durch höhere Preise nach Asien umgelenkt. Deutschland gibt immer noch Diesel ab Hinzu kommt ein ungewöhnlicher Effekt: Obwohl mittelfristig Knappheit droht, exportiert Deutschland derzeit sogar Mitteldestillate wie Diesel und Heizöl in die Niederlande . Das zeigen laut "n-tv" Daten von "Argus Media". Hintergrund ist demnach nicht eine entspannte Versorgungslage, sondern eine aktuell schwache Nachfrage in Deutschland. Viele Verbraucher hielten sich wegen der hohen Preise und der Unsicherheit beim Kauf von Heizöl zurück. Händler in den Niederlanden zahlten dagegen hohe Preise, um ihre Bestände aufzufüllen – offenbar aus Sorge vor einer Dieselknappheit im April. Genau dann könnte die Lage auch in Europa kippen. Laut dem Ölmarktexperten Hagen Reiners von "Argus Media" soll um den 10. April die letzte Dieselladung in Europa eintreffen, die den Persischen Golf noch vor der Blockade verlassen hatte. Danach könnte Diesel knapp werden – es sei denn, Ersatzlieferungen, etwa aus den USA , träfen rechtzeitig ein. Doch auch um diese Mengen ist inzwischen ein globaler Bieterwettstreit entbrannt. Experten erwarten deshalb, dass sich die Krise bald auch im Alltag der Verbraucher bemerkbar machen dürfte. Anders als bei Rohöl gehe es beim Diesel nicht nur um Tankstellenpreise. Weil Diesel der entscheidende Kraftstoff für Lastwagen, Baumaschinen und große Teile des Warenverkehrs sei, drohten steigende Kosten entlang der gesamten Lieferkette. Höhere Transportkosten könnten damit in den kommenden Wochen auch auf Lebensmittel, Baustoffe und andere Alltagsprodukte durchschlagen.
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