Der Druck im Tarifstreit steigt: Zahlreiche Beschäftigte der Länder im öffentlichen Dienst legen ihre Arbeit nieder. Diese Bundesländer sind heute betroffen. Wegen eines Warnstreiks im öffentlichen Dienst müssen Menschen in mehreren Bundesländern an diesem Mittwoch mit Einschränkungen rechnen. Während es in der Hauptstadt zu kompletten Schließungen in Kitas, Schulen und Bezirksämtern kommen kann, streikt im Norden und Süden des Landes der Nahverkehr. Aufgerufen dazu hat die Gewerkschaft Verdi. In Berlin sind knapp 250 landeseigene Kitas betroffen. Auch an staatlichen Schulen kann Unterricht ausfallen, wenn angestellte Lehrer und Referendare in den Ausstand treten. Beschäftigte der Berliner Feuerwehr, Polizei und Senatsverwaltungen sollen sich ebenfalls anschließen und an einer großen Demo und Kundgebung in Potsdam teilnehmen, wie ein Verdi-Sprecher sagte. Tarifstreit: Warnstreik legt heute Kitas und Schulen in Berlin lahm "Schmutzkampagne": Konflikt mit Tesla – Gewerkschaft erhebt schwere Vorwürfe In Brandenburg sind unter anderem die Mitarbeiter der Polizei sowie der Landesministerien und ihrer nachgeordneten Behörden aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Ob und wie sich diese Warnstreiks auf den Alltag der Bürger auswirken, bleibt abzuwarten. Busfahrer der VHH streiken im Norden In Hamburg und in Schleswig-Holstein müssen heute zahlreiche Fahrgäste der VHH-Busse auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Die Gewerkschaft Verdi hat die Busfahrer bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein zu einem 24-stündigen Warnstreik aufgerufen. Am frühen Mittwochmorgen lief der Ausstand an, die Busse der VHH setzten weitgehend aus, wie der Geschäftsführer von Verdi mitteilte. "Fahrgäste müssen sich von Mittwoch bis Donnerstag auf massive Einschränkungen einstellen", teilte das kommunale Verkehrsunternehmen mit. Nicht alle Betriebshöfe wurden allerdings zum Streik aufgerufen. Die VHH versuchte nach eigenen Angaben, über nicht bestreikte Standorte einen eingeschränkten Betrieb aufrechtzuerhalten. Inwieweit dies im Tagesverlauf gelinge, sei noch offen. Streikwelle in Hamburg droht: Dann legt VHH die Arbeit nieder VHH streikt: Diese Buslinien fallen am Mittwoch in Hamburg aus Von dem Warnstreik betroffen sind den Angaben zufolge Fahrten im Hamburger Westen und in den schleswig-holsteinischen Kreisen Pinneberg und Segeberg. Wie viele Fahrten ausfallen werden, kann laut VHH nicht abgeschätzt werden. Das entscheide sich am Mittwoch, teilte das Unternehmen mit. Denn es sei vorab unklar, wie viele Busfahrer sich dem Aufruf anschließen werden. Auch Nahverkehr in Bayern streikt In Bayern rief Verdi zudem zu einem ganztägigen Nahverkehrs-Warnstreik in München und Nürnberg auf. Der Gewerkschaft zufolge sind U- und Straßenbahnen sowie Buslinien betroffen, die nicht von privaten Dienstleistern bedient werden. Die von der Bahn betriebene S-Bahn sowie Regionalbahnen bleiben hingegen in Betrieb. VAG-Streik: Das ist der Ersatzfahrplan für Nürnberg am Mittwoch MVG-Streik: Das ist der Ersatzfahrplan für München am Mittwoch Auch in Bayreuth und Dachau waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Es ist das zweite Mal im laufenden Tarifkonflikt, dass die Gewerkschaft im Freistaat zu diesem Druckmittel greift. Schon bei der ersten Runde waren auch München und Nürnberg betroffen. Verdi will mindestens ein Plus von 300 Euro In den Tarifverhandlungen mit den Ländern fordert Verdi sieben Prozent mehr Geld im Monat, zur Stärkung unterer Lohngruppen aber mindestens ein Plus von 300 Euro. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es ausgeweitete Warnstreiks in etlichen Bundesländern gegeben, auch an Schulen vor allem in Ostdeutschland. In Berlin war zuletzt auch die BVG betroffen, ihre Mitarbeiter sind am Mittwoch aber nicht zum Warnstreik aufgerufen. Die Gewerkschaften wollen zum Auftakt der 3. Verhandlungsrunde in Potsdam den Druck verstärken. In den zwei vorherigen Verhandlungsrunden hatten die Arbeitgeber kein konkretes Angebot gemacht. Betroffen sind gut zwei Millionen Beschäftigte Betroffen von den Verhandlungen sind rund 2,2 Millionen Beschäftigte. Für mehr als 900.000 Tarifbeschäftigte wird direkt verhandelt. Auf rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamten und Versorgungsempfänger soll ein Ergebnis nach den Forderungen der Gewerkschaften später in den einzelnen Ländern per Gesetz übertragen werden. "Wir erwarten endlich ein Angebot, das der Bedeutung der Arbeit im öffentlichen Dienst gerecht wird", erklärte Verdi-Landesbezirksleiterin Andrea Kühnemann. Im Rahmen des Streiks zieht am Mittwoch ab 9.30 Uhr in Potsdam eine Demonstration vom Lustgarten zum Verhandlungsort, dem Kongresshotel. Dort findet ab 11.45 Uhr eine Abschlusskundgebung statt. Lufthansa kündigt Streik am Donnerstag an Unabhängig von den Tarifverhandlungen der Länder müssen Lufthansa-Kunden am Donnerstag mit Flugausfällen rechnen. Die Organisationen VC und UFO riefen Piloten und Kabinenpersonal zu einem eintägigen Streik auf. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will im Streit über höhere Betriebsrenten bei der Lufthansa am Donnerstag von 00.01 Uhr bis 23.59 Uhr streiken. Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) rief das Kabinenpersonal bei Lufthansa und Lufthansa CityLine zu der Maßnahme auf. Das Unternehmen kritisierte die kurzfristigen Streikankündigungen als unverhältnismäßig und forderte die Gewerkschaften auf, wieder Gespräche aufzunehmen. Die Piloten würden Flüge der Kernmarke Lufthansa und der Frachtairline Lufthansa Cargo bestreiken, die von deutschen Flughäfen aus starten, teilte die VC am Dienstag mit. Auch Anreisen von Cockpit-Beschäftigten zum Einsatzort, Bereitschafts- und Reservedienste sowie Simulatortrainings werden bestreikt. Die VC fordert für die rund 4.800 Cockpit-Beschäftigten höhere Beiträge zur Betriebsrente. Das Airline-Management lehnt das wegen hoher Kosten und geringer Profitabilität der Premium-Fluglinie ab. Die Pilotinnen und Piloten sind nach einer Urabstimmung bereits seit Oktober streikfähig, läuten aber erst jetzt den Arbeitskampf ein. Die Kabinenbeschäftigten sollen nach Angaben der UFO streiken, weil sich in den laufenden Manteltarifverhandlungen weiterhin keine Bewegung bei zentralen Fragen der Arbeitsbedingungen zeige. Bei der Tochter Lufthansa CityLine geht es nach UFO-Angaben um die Weigerung des Arbeitgebers, über einen tariflichen Sozialplan zur geplanten Schließung des Flugbetriebs zu verhandeln. Die Lufthansa forderte die Gewerkschaften auf, die Gespräche wieder aufzunehmen. "Wir sind jederzeit dazu bereit", erklärte das Unternehmen: "Die extrem kurzfristige Ankündigung der Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit, am Donnerstag streiken zu wollen, trifft unsere Fluggäste extrem hart und unverhältnismäßig." Tragfähige Lösungen könnten nur im Dialog gefunden werden, Streiks müssten stets das letzte Mittel bleiben. Das Unternehmen will Kunden, deren Flüge betroffen sind, benachrichtigen.