Was wir essen, beeinflusst nicht nur Gewicht und Herz, sondern auch das Gehirn. Eine große Studie zeigt: Bestimmte Ernährungsweisen könnten das Risiko für geistigen Abbau deutlich senken. Viele Menschen bemerken mit zunehmendem Alter, dass ihre Gedächtnisleistung nachlässt. Fachleute sprechen dann von einem kognitiven Abbau. Damit meinen sie Veränderungen bei geistigen Fähigkeiten wie Erinnern, Orientierung oder Konzentration. Bei Erkrankungen wie Demenz schreitet der kognitive Abbau besonders schnell voran. Eine Studie zeigt nun: Die Ernährung in der Lebensmitte könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. Vor allem die sogenannte DASH-Diät schnitt im Vergleich besonders gut ab. Das internationale Forschungsteam veröffentlichte kürzlich seine Ergebnisse im Fachjournal "JAMA Neurology". Sechs Ernährungsweisen unter der Lupe Für ihre Analyse nutzten die Wissenschaftler Daten aus drei großen Langzeitstudien aus den USA . Insgesamt flossen Informationen von 159.347 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in die Auswertung ein. Das durchschnittliche Alter der Probanden lag bei 44,3 Jahren. Überraschende Studie : Warum Altern nicht mit einem Abbau einhergehen muss Forscher finden neue Warnzeichen : Diese sechs Symptome gelten als Demenz-Vorboten Die Forscher verglichen sechs unterschiedliche Ernährungsweisen, um herauszufinden, ob sie sich auf den kognitiven Abbau auswirken. Dazu gehörten: der Alternate Healthy Eating Index (AHEI-2010): Der von der Harvard School of Public Health erfundene Index zielt darauf ab, allgemein gesunde Essgewohnheiten zu verstärken. Er setzt auf viel Obst und Gemüse, Vollkorn, Nüsse sowie gesunde Fettsäuren. die DASH-Diät (Abkürzung für: Dietary Approaches to Stop Hypertension): Sie wurde ursprünglich zur Senkung des Blutdrucks entwickelt und enthält viel grünes Blattgemüse, Obst, Nüsse, Hülsenfrüchte und pflanzliche Öle. Dazu kommen in kleineren Mengen Fisch, weißes Fleisch (Geflügel) und Milchprodukte. Eier, Süßigkeiten, rotes Fleisch und Alkohol stehen nur als Ausnahme auf dem Speiseplan. ein pflanzenbasiertes Ernährungsmodell (the Healthful Plant-Based Diet Index; hPDI), das keine tierischen Lebensmittel enthält. die sogenannte Planetary Health Diet , die sowohl Gesundheit als auch Umwelt berücksichtigt und daher stark pflanzenbetont ist und nur wenig tierische Produkte enthält. zwei Ernährungsindizes, die Lebensmittel mit stark entzündungsfördernden (reversed empirical dietary indices inflammatory pattern ;rEDIP) oder stark insulinsteigernden Effekten (reversed empirical dietary indices for hyperinsulinemia; rEDIH) vermeiden. DASH-Diät zeigte den stärksten Effekt Das Ergebnis: Alle sechs Ernährungsweisen standen mit einem geringeren Risiko für subjektiven kognitiven Abbau in Verbindung. Am deutlichsten zeigte sich dieser Zusammenhang bei der DASH-Diät, gefolgt von der pflanzenbasierten und insulinsenkenden Ernährung. Menschen, die sich besonders stark an der DASH-Diät orientierten, berichteten über 40 Prozent seltener von subjektiven kognitiven Problemen. Auch objektive Tests bestätigten den Zusammenhang: Teilnehmer mit hoher DASH-Treue schnitten bei Messungen der allgemeinen geistigen Leistungsfähigkeit etwas besser ab. Besonders interessant: Der positive Effekt zeigte sich am stärksten bei Menschen zwischen 45 und 54 Jahren. Das deutet darauf hin, dass die Ernährung in der Lebensmitte eine wichtige Rolle für die spätere Gehirngesundheit spielt. Studienautor Kjetil Bjornevik von der Harvard T.H. Chan School of Public Health erklärt im Interview mit "Medicals News Today", warum das so wichtig ist: "Es wird prognostiziert, dass Demenz bis 2050 etwa 150 Millionen Menschen betreffen wird, und es fehlen uns Behandlungsmethoden, die die Krankheit nach ihrem Ausbruch rückgängig machen können. Daher ist es unerlässlich, veränderbare Risikofaktoren wie die Ernährung für eine frühzeitige Prävention zu identifizieren." Bestimmte Lebensmittel scheinen besonders wichtig Die Analyse zeigt außerdem, welche Lebensmittel besonders häufig mit besserer geistiger Gesundheit verbunden waren. Dazu gehörten vor allem: Gemüse und Fisch. Auch ein moderater Weinkonsum war mit einem geringeren Risiko für den kognitiven Abbau verbunden. Das Ergebnis sollte den Studienautoren zufolge jedoch mit Vorsicht interpretiert werden. Dagegen zeigten rotes Fleisch, stark verarbeitete Fleischprodukte, frittierte Kartoffeln und zuckerhaltige Getränke eher ungünstige Zusammenhänge. Kardiologen räumen auf : Ursache für hohe Cholesterinwerte entlarvt Behörde warnt vor Gesundheitsrisiko : Jeder dritte Europäer isst zu viel belasteten Fisch Gesunde Gefäße führen zu einem gesunden Gehirn Die Forscher betonen jedoch: Die Studie zeigt Zusammenhänge, aber keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung. Dennoch passt das Ergebnis zu früheren Erkenntnissen. Der Mediziner Dung Trinh, der selbst nicht an der Studie beteiligt war, erklärt in "Medical News Today", dass die DASH-Diät wahrscheinlich dabei hilft, das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen zu senken, weil sie Systeme verbessert, die eng mit der Gehirngesundheit verknüpft sind: Sie verbessert die Blutdruckregulation, den Stoffwechsel sowie die Gefäßgesundheit und vermindert Entzündungsreaktionen. "Das Gehirn ist stark von gesunden Blutgefäßen und einem stabilen Stoffwechsel abhängig", sagt er. Er ermutigt Menschen zudem dazu, den ersten Schritt in Richtung gesunder Ernährung zu gehen: "Man braucht keine 'perfekte' oder exotische Diät – stetige, praktische Verbesserungen der allgemeinen Essgewohnheiten scheinen von Bedeutung zu sein, insbesondere ab der Lebensmitte."