Sie galten jahrzehntelang als unverzichtbar, doch nun zeigt eine große Analyse: Betablocker bringen vielen Herzinfarktpatienten womöglich gar keinen Vorteil. Nach einem Herzinfarkt gehört der Betablocker für viele Patienten zur Standardtherapie – meist über Jahre hinweg. Neue Daten zeigen aber: Bei Menschen mit normaler Herzfunktion ist diese Behandlung häufig unnötig. Jahrzehntelang verschrieben Seit den 1980er-Jahren empfehlen Leitlinien den Einsatz von Betablockern nach einem Herzinfarkt. Viele Patienten entwickelten nach dem Infarkt eine verminderte Pumpleistung des Herzens. Um das geschwächte Organ zu entlasten, setzte man auf Betablocker – mit nachgewiesenem Überlebensvorteil. Heute sieht die Situation anders aus: Die meisten Betroffenen werden schnell mit einem Stent versorgt und erhalten moderne Medikamente wie Statine, ACE-Hemmer oder Sartane. Die meisten behalten eine normale Herzfunktion. Damit stellt sich die Frage: Brauchen diese Patienten überhaupt noch einen Betablocker? Alarmsignale: Herzinfarkt kann sich über mehrere Tage entwickeln Oft unbemerkt: Diese Medikamente lassen Sie anders riechen Neue Daten zeigen: Kein Vorteil für stabile Patienten Ein internationales Forschungsteam analysierte die Daten von fünf großen Studien mit insgesamt 17.801 Patienten, die allesamt eine normale Herzpumpfunktion hatten. Rund die Hälfte erhielt Betablocker wie Metoprolol oder Bisoprolol, die andere Hälfte nicht. Die Ergebnisse wurden im renommierten "New England Journal of Medicine" veröffentlicht. Nach einer Beobachtungszeit von 3,6 Jahren zeigte sich: Die Rate für Tod, erneuten Herzinfarkt oder Herzschwäche lag in beiden Gruppen fast gleich – bei 8,1 Prozent mit Betablockern gegenüber 8,3 Prozent ohne. Auch die einzelnen Ereignisse wie Todesfälle oder erneute Infarkte unterschieden sich nicht signifikant. Was bedeutet das für die Behandlung? "Diese Daten sprechen klar gegen den routinemäßigen Einsatz von Betablockern bei stabilen Patienten mit normaler Herzfunktion", so die Einschätzung der Studienautoren. Kardiologen erwarten, dass die Ergebnisse bald Eingang in neue Leitlinien finden. Wichtig: Betablocker bleiben weiterhin sinnvoll, wenn andere Erkrankungen vorliegen, etwa Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen. Ein mögliches Absetzen sollte daher stets individuell mit dem Arzt besprochen werden.