"Der Wolf und die sieben Geißlein" wird zum gruseligen Krimistoff. Dieser "Tatort" spielt mit der Handlung des Märchens – und endet doch ganz anders als dieses. Eine "Tatort"-Kritik von Maria Bode. Der "Tatort: Das jüngste Geißlein" (Sonntag, 4. Januar 2026, 20.15 Uhr, Das Erste) beginnt schaurig und zieht das Publikum akustisch und optisch mit in eine märchenhafte Welt. In einem einsamen Haus im verschneiten Schwarzwald sitzt ein verängstigtes Mädchen im Kasten einer Standuhr. Ansonsten ist niemand in dem Haus. Dieser Fall lässt die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Am Ende macht er sprachlos. Obwohl er derzeit nicht im Dienst ist, folgt Kommissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) einem Hinweis. Er betritt ein abgelegenes Haus am Waldrand und findet ein eingeschüchtertes, junges Mädchen mit Kopfhörern auf den Ohren im Uhrenkasten: Eliza (Hanna Heckt). Ihre Eltern sind verschwunden. Dafür sind überall im Haus Blutspuren. Als Ermittlerin Franziska Tobler (Eva Löbau) Eliza auf dem Kommissariat befragen will, sagt sie zunächst kein Wort, schon lange spricht sie mit niemandem außerhalb ihrer Familie. Nur Berg gegenüber öffnet sie sich. Mit ihm spricht Eliza schließlich. Tobler bittet ihn daher immer wieder um Hilfe, obwohl er beurlaubt ist. Dann wird wird Elizas Vater tot in einem See entdeckt, die Mutter bleibt unauffindbar. "Tatort: Nachtschatten": Warum dieser Fall lange nachwirkt "Tatort" 2025: Ein Team katapultiert sich nach ganz vorn Das Schauspiel von Hanna Heckt, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten gerade einmal neun Jahre alt war, ist bemerkenswert: Eliza ist die zentrale Figur der Folge. Mit wenigen Worten und viel Ausdruck schafft Heckt es, die innere Welt eines zutiefst traumatisierten Kindes sichtbar zu machen. Zwischen Realität und Vorstellung Immer wieder erscheinen Eliza ihre sechs imaginären Schwestern, die nur sie sehen kann. Der verschneite Schwarzwald dient dabei nicht nur als Kulisse, sondern auch als Stimmungsbild. Passend dazu nimmt sich der Film Zeit. Von Action keine Spur. Das Märchen von den sieben Geißlein zieht sich als akustisches und visuelles Motiv durch den gesamten Film, bleibt aber dennoch zurückhaltend. Es ist fest verwoben mit den Erlebnissen der kleinen Eliza, die sich dadurch ihre eigene Realität erklärt. Bei der Auflösung dürfte sich das Publikum gleich mehrfach gruseln, doch sie wirkt völlig realitätsfern. Wer auf einen plausiblen und vor allem wirklichkeitsnahen Schluss hofft, wird hier enttäuscht. Fans klassischer Krimikost wohl ebenfalls. Dennoch: Wer den "Tatort" auch als Experimentierfläche schätzt, könnte "Das jüngste Geißlein" als sehenswert erachten. Wer atmosphärisch starke Bilder, ruhige Dramaturgie und eine ungewöhnliche Geschichte zu schätzen weiß, wird diesen Fall nicht so schnell vergessen. Teilen Sie Ihre Meinung mit Wie gefiel Ihnen dieser "Tatort"? Schreiben Sie eine E-Mail an
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