Die Shopping-App Temu lockt mit extrem niedrigen Preisen und aggressivem Marketing. Doch die Billigstrategie geht nicht immer auf. Shoppen zu absoluten Billigpreisen – und das sogar in Zeiten von Inflation : Das kann man bei Temu. Der Onlineshop erfreut sich großer Beliebtheit. Doch bei Verbraucherschützern, der Wirtschaft und der Politik steht der Billigshop immer wieder in der Kritik – aus vielerlei Gründen. Was steckt hinter Temu? Temu ist ein Onlineversandhandel mit einem sehr großen Angebot. Von Kleidung über Elektronik bis hin zu Möbeln. Es gibt fast nichts, was es bei Temu nicht gibt. Dabei sind die Preise mit der Konkurrenz kaum vergleichbar. Einen Pullover oder ein Paar Schuhe gibt es für weit unter zehn Euro, einen Akkustaubsauger für unter 40 Euro, ein Bücherregal für 20 Euro. Bei Temu handelt es sich weniger um einen klassischen Onlineshop als vielmehr um einen Internetmarktplatz. Temu fungiert als Vermittler zwischen den Kunden und den Händlern, die meistens in China sitzen. So kommen auch die sehr niedrigen Preise zustande. Im Gegensatz zu anderen großen Onlinehändlern wie Amazon gibt es bei Temu keine Zwischenhändler, Lager oder Retouren-Zentren, die zusätzlich Geld kosten. Warum wird Temu kritisiert? Die Kritik an Temu ist mannigfaltig und betrifft sowohl das Geschäftsmodell als solches als auch die Qualität der Produkte. Das Marketing in der App ist aggressiv, überall blinkt es, Rabattaktionen, Countdowns und Freispiele wechseln sich ab. Preise wirken stark reduziert, obwohl oft unklar bleibt, worauf sich der Vergleich bezieht. Verbraucherschützer kritisieren, dass dieser permanente Kaufdruck zu schnellen, wenig überlegten Bestellungen verleitet, besonders bei preisgünstigen Alltagsprodukten. Viele Produktbeschreibungen und -fotos sind zudem irreführend und nicht selten KI-generiert, ohne dass dies aber gekennzeichnet wäre. Die Folge sind enttäuschte Kunden, deren bestelltes Produkt nicht den Erwartungen entspricht. Nutzer beschweren sich über schlechte Qualität Das spiegeln auch die zahlreichen Bewertungen auf Trustpilot wider. Mit einem Score von zwei von fünf Sternen schneidet Temu schlecht ab. Kundinnen und Kunden kritisieren vor allem den Kundendienst, der kaum erreichbar zu sein scheint. Auch mit Rücksendungen und -erstattungen scheint es regelmäßig große Probleme zu geben. Zudem gibt es zahlreiche Beschwerden über irreführende Werbeversprechen wie Geschenke, die im Warenkorb aber plötzlich Geld kosten sollen, sowie die mangelhafte Qualität von Produkten. Die Produkte können mitunter sogar Sicherheitsrisiken bergen. Bei Tests und Stichproben fallen wiederholt Artikel auf, die grundlegende Standards nicht erfüllen, etwa bei Elektronik, Spielzeug oder Haushaltswaren. Teilweise fehlten Pflichtkennzeichnungen oder Warnhinweise, die in der EU vorgeschrieben sind. Das kann im schlimmsten Fall gesundheitliche Risiken bergen, etwa durch Stromschläge, Schadstoffe oder Brandgefahr. Auch staatliche Stellen beschäftigen sich mit der Plattform. Das Umweltbundesamt kritisiert unter anderem die fehlende Verantwortung für Produktkonformität und Verbraucherinformation. Dabei geht es nicht nur um einzelne mangelhafte Artikel, sondern um strukturelle Probleme bei Kontrolle, Transparenz und Haftung. Aus Sicht der Behörden werden Verbraucher dadurch schlechter geschützt als bei etablierten Händlern innerhalb der EU. Und was ist mit Shein? Auch Shein steht seit Längerem in der Kritik von Verbraucherschützern. Die Webseite ist vor allem auf Ultra-Fast-Fashion spezialisiert – also billigste Wegwerfmode. Die Vorwürfe ähneln sich: extrem niedrige Preise, undurchsichtige Rabattversprechen und eine starke Kaufanimation durch die App. Für Kunden ist oft kaum erkennbar, wie sich Preise zusammensetzen oder ob Rabatte tatsächlich real sind. Wie bei Temu berichten Verbraucher auch bei Shein von Problemen mit der Produktqualität und der Rückabwicklung. Rücksendungen sind häufig aufwendig, dauern lange oder rechnen sich angesichts niedriger Warenwerte nicht. Zudem sitzen die Anbieter außerhalb der EU, was die Durchsetzung von Verbraucherrechten erschwert. Verbraucherschützer raten daher auch bei Shein zu besonderer Vorsicht.