Truppenabzug und Zölle: Trumps Strafaktion gegen Merz schwächt Europa

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Mit neuen Zöllen und US-Truppenabzug führt Donald Trump den Bundeskanzler vor und bestraft Deutschland. Was der US-Präsident als Strategie verkauft, ist mehr als eine persönliche Abrechnung. Es hat geopolitische Folgen. Bastian Brauns berichtet aus Washington Donald Trump hat sich in den vergangenen Tagen immer weiter in Rage geredet. Auslöser seines Zorns: Friedrich Merz . Der deutsche Bundeskanzler habe laut dem US-Präsidenten "keine Ahnung", mische sich in den Iran-Angelegenheiten unqualifiziert ein und würde eine grottige Politik machen. Es sei "kein Wunder", dass es in Deutschland wirtschaftlich schlecht laufen würde . Trumps Ausbrüche, flankiert von zahlreichen Äußerungen anderer Regierungsmitglieder wie seinem "Kriegsminister" Pete Hegseth , mündeten schließlich in einer Drohung des Präsidenten nicht nur gegen Spanien und Italien , sondern vor allem wieder gegen Deutschland. Das langjährige Schreckgespenst des Truppenabzugs war plötzlich zurück. Man werde prüfen, ob man US-Soldaten aus Deutschland abziehen werde, so Trump. Und in Kürze entscheiden. Am Freitagabend Ortszeit, als in Deutschland die meisten längst schliefen, ließ die US-Regierung in Washington die Bombe platzen. Die Trump-Regierung lancierte die Entscheidung des Pentagons, dass 5.000 US-Soldaten aus Deutschland abgezogen werden würden – innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate . Der Schritt wird offiziell als strategische Neuausrichtung verkauft. Doch er wirkt wie eine politische Strafaktion. Nach angekündigtem Abzug: Wo die USA in Deutschland Soldaten stationiert haben US-Truppenreduzierung in Deutschland: Wie der Streit zwischen Trump und Merz eskaliert An Deutschland ein Exempel statuieren Trumps bekanntes Vorgehen gegen von ihm auserkorene Gegner ließ sich sichtbar nachvollziehen: Erst die persönlichen Attacken gegen Merz. Dann die Drohungen. Dann der wirtschaftliche Druck. 25 Prozent neue Strafzölle auf europäische Autos verkündete Trump am Freitag ebenfalls. Schon das war ganz konkreter ein Frontalangriff auf das industrielle Herz Deutschlands. Kurz darauf nun das sicherheitspolitische Druckmittel: US-Truppen raus aus. Die Lektion, die erteilt werden soll: Wer es wagt, Trump öffentlich so harsch wie Merz zu kritisieren, der wird vorgeführt. Der Kanzler hatte gesagt, die USA würden sich als "ganze Nation" im Iran-Krieg "demütigen" lassen. "Die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie", so Mert. Für Trump, der da gerade Besuch vom britischen König Charles III. hatte, ist so etwas Majestätsbeleidigung. Im Pentagon heißt es nicht ohne Grund: Die jüngste deutsche Rhetorik sei "unangemessen und nicht hilfreich" gewesen. Für Trumps Innen- und Außenpolitik gilt ein einfaches Prinzip: Loyalität oder Repressalien. Dass Deutschland sich nicht militärisch am Iran-Krieg beteiligt, reichte schon aus, um in seinen Fokus zu geraten. Dass Merz dann auch noch gegen ihn austeilte, brachte das Fass zum Überlaufen. Jetzt statuiert der US-Präsident sein Exempel am Kanzler. Trump mobbt Merz. Deutschland soll das Opfer sein. Dramatische Konsequenzen Die Bundesregierung sollte jetzt sachlich und unaufgeregt reagieren. Unüberlegte Äußerungen sollte man vermeiden. Die Angelegenheit muss aber ernst genommen werden und am besten jenseits der Öffentlichkeit auf diplomatischen Kanälen bearbeitet werden. Wer jetzt müde abwinkt und von "nur 5.000 Soldaten" spricht oder gar davon, den Amerikanern im Gegenzug nun die Nutzung von Ramstein zu verbieten, unterschätzt die sicherheitspolitische Realität. Die in Deutschland stationierten US-Truppen sind kein symbolisches Kontingent. Sie wurden nach Russlands Angriff auf die Ukraine unter Präsident Joe Biden ganz bewusst nach Europa verlegt. Ihre Aufgaben bestehen aus wirksamer Abschreckung, aus Logistik und möglicherweise auch aus dem Bedienen jener amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörper, die in Deutschland stationiert werden sollten. Der jetzt verordnete Abzug ist kein bloßer Verwaltungsakt, sondern ein sicherheitspolitisches Signal, das zeigen soll: Die USA ziehen sich aus Europa zurück. Diese überhastete Entscheidung birgt aber ganz reale Gefahren. Wladimir Putin kann sich freuen. Mit ihm hat Trump vor wenigen Tagen noch telefoniert. Sie sollen über eine mögliche Waffenruhe in der Ukraine gesprochen haben. Genau hier liegt der eigentliche Schaden. Trumps erratische Politik schwächt nicht nur Deutschland. Sie schwächt ganz Europa. Und sie nützt Russland . Trumps oftmals impulsive Entscheidungen opfern nicht die Sicherheit auf der anderen Seite des Atlantiks. Sie gefährden auch die Sicherheit der USA. Für die Vereinigten Staaten ist Europa unentbehrlich, um die eigene Machtstellung zu behaupten – ob im Nahen Osten oder in der Arktis, ob gegen Russland oder gegen China . Trump ist das egal. Er brüskiert die Alliierten, wie es ihm passt. Trump bleibt ein Chaos-Präsident Vielleicht ist am Ende alles nur Getöse. Vielleicht darf Trump ohne die Einwilligung des US-Kongresses den Schritt des Truppenabzugs gar nicht gehen . Vielleicht sind die sicherheitspolitischen und ganz realen Kosten für den Abzug viel zu hoch. Was aber, wenn den US-Präsidenten das alles schlicht nicht interessiert? Im allerbesten Fall ist seine Entscheidung noch ein kalkulierter Tritt gegen Deutschland und Europa. Nach dem Motto: Macht endlich mehr. Rüstet schneller auf. Übernehmt Verantwortung. Das geht alles noch immer viel zu langsam. Dann könnte Deutschland einfach die eigenen Bemühungen weiter beschleunigen. Doch so einfach ist es nicht. Militärische Fähigkeiten lassen sich nicht per Dekret beschleunigen. Das weiß auch die Trump-Regierung mit ihren schwindenden militärischen Beständen infolge des Iran-Kriegs oder ihrer Flotte, die gegenüber China immer weiter ins Hintertreffen gerät. Deutschland hat bislang keine eigenen langstreckenfähigen Tomahawks. Die Marschflugkörper lassen sich nicht mal eben bei Amazon bestellen. Sie unterliegen komplexen Fertigungsstrukturen mit langen Lieferzeiten. Trump bleibt ein Chaos-Präsident mit zu vielen Fronten und viel zu wenig Strategie. Er verzettelt sich überall auf der Welt. Krieg im Iran , Präsidentenentführungen in Venezuela , rechtswidrige Erpressungs-Sanktionen gegen Kuba . Jene gegen Russland aber setzt er aus. Das verbündete Europa schwächt und bedroht er sogar territorial in Grönland , wo er nur kann. Der US-Präsident eskaliert überall gleichzeitig und verliert so die Kontrolle. Am Ende das, was Amerika über Jahrzehnte zur Weltmacht gemacht hat: Vertrauen.
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