Typ-1-Diabetes: Neues Medikament verzögert Krankheitsverlauf erheblich

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Ein neues Medikament kann den Ausbruch von Diabetes deutlich verzögern, wenn es früh genug eingesetzt wird. Jetzt hat die EU dem Mittel erstmals eine Zulassung erteilt. Typ-1-Diabetes ist eine unheilbare Autoimmunerkrankung . Doch ein neues Medikament könnte den Krankheitsverlauf verlangsamen und Betroffenen wertvolle Zeit verschaffen. Die EU-Kommission hat den Antikörper Teplizumab (Handelsname: Teizeild) jetzt erstmals für die Behandlung in Europa zugelassen. Wie wirkt Teplizumab und für wen ist es gedacht? Typ-1-Diabetes entsteht, wenn das Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse angreift. Genau hier setzt Teplizumab an: Der Wirkstoff soll das Immunsystem regulieren und den Angriff auf die Betazellen stoppen. Ziel ist es, die Insulinproduktion möglichst lange zu erhalten. Die Behandlung richtet sich an Kinder ab acht Jahren und Erwachsene, die sich im sogenannten Stadium 2 der Erkrankung befinden. In dieser Phase zeigen die Betroffenen noch keine typischen Symptome wie ständigen Durst oder häufiges Wasserlassen, aber es lassen sich bereits Autoantikörper und abnorme Blutzuckerwerte nachweisen. Früh erkennen: Welche Symptome bei Diabetes Typ 1 typisch sind Prognose des RKI : Deutschland droht eine Diabetes-Epidemie Zulassung stützt sich auf Studienergebnisse Die Zulassung durch die Europäische Kommission basiert auf den Ergebnissen der Phase-II-Studie TN-10. Darin erhielten 76 Teilnehmer einen 14-tägigen Behandlungszyklus mit täglichen Infusionen des Wirkstoffs. Das Ergebnis: Teplizumab konnte den Übergang in das nächste Krankheitsstadium im Durchschnitt um zwei Jahre verzögern. Bei einigen Probanden sogar noch länger. Nach rund vier Jahren befanden sich 57 Prozent der Behandelten noch immer in Stadium 2, während es in der Placebo-Gruppe nur 28 Prozent waren. Damit ist Teizeild das erste krankheitsmodifizierende Medikament, das bei Typ-1-Diabetes in der EU zugelassen wurde. Welche Nebenwirkungen sind bekannt? Die häufigsten Nebenwirkungen betrafen das Blutbild, das Knochenmark und die Haut. Einige Patienten entwickelten einen Hautausschlag. In rund zwei Prozent der Fälle kam es zu einem sogenannten Zytokin-Freisetzungssyndrom – einer schwerwiegenden Reaktion des Immunsystems. Dem Hersteller Sanofi zufolge gibt es jedoch Maßnahmen, um dieses Risiko zu minimieren. Warum ist der frühe Einsatz entscheidend? Teizeild wirkt nur, wenn noch genügend Betazellen vorhanden sind. Daher ist es entscheidend, die Krankheit in einem sehr frühen Stadium zu erkennen. Das bedeutet: Der Antikörper kommt nicht für Menschen infrage, bei denen Typ-1-Diabetes bereits diagnostiziert und symptomatisch ist. Was bedeutet das für Betroffene? Die Zulassung von Teizeild eröffnet erstmals die Möglichkeit, Typ-1-Diabetes aufzuhalten, bevor die Krankheit sich voll entfaltet. Das kann den Betroffenen Jahre ohne Insulintherapie und vor allem mehr Lebensqualität verschaffen. Allerdings bleibt die Herausforderung, die richtige Zielgruppe früh genug zu identifizieren. Denn viele Menschen wissen gar nicht, dass sie bereits auf dem Weg sind, einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln . Wo ist das Medikament bereits erhältlich? Teizeild ist nicht nur in der EU zugelassen. Auch Länder wie Großbritannien , die USA , Kanada , China , Israel und mehrere Golfstaaten haben den Wirkstoff bereits freigegeben. In den USA läuft aktuell ein Antrag, um das Medikament auch für Kinder ab einem Jahr zuzulassen. Damit ist Teizeild ein Hoffnungsträger, vor allem für junge Menschen mit einem hohen Risiko für Typ-1-Diabetes.
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