Sie schreibt Geschichte: Marie-Louise Eta ist die erste Cheftrainerin einer Männermannschaft in den fünf größten Fußballligen der Welt. Wie tickt sie privat? Seit Jahren führt ihre Karriereleiter steil nach oben: Marie-Louise Eta beendete ihre Profikarriere mit 26 Jahren – und war zu diesem Zeitpunkt schon dreifache Meisterin und Champions-League-Siegerin. Doch sie entschied sich, vom Platz an die Seitenlinie zu wechseln, machte sich als Nachwuchstrainerin beim SV Werder Bremen und beim DFB einen Namen. Im Frühjahr 2023 erhielt Eta die Pro-Lizenz – als einzige Frau ihres Jahrgangs. Nur drei Jahre später schreibt sie Geschichte: Als erste Frau wird sie in fünf Bundesligaspielen eine Profimannschaft der Männer trainieren. Der 1. FC Union Berlin hat sie als Nachfolgerin von Steffen Baumgart als Cheftrainerin ernannt. Auch in England, Frankreich , Italien und anderen europäischen Top-Ligen ist dies bisher nie der Fall gewesen: Marie-Louise Eta wird zur Vorreiterin in einer Männerdomäne. "Fußballgöttin", Gänsehaut und Schattenseiten Dass dies zu teilweise hässlichen Kommentaren führt, ändert nichts an der historischen Dimension. Die internationale Presse ordnet dies entsprechend ein und auch der Hauptstadtklub selbst reagiert auf die sexistischen Entgleisungen in den sozialen Medien seit dem Wochenende mit viel Engagement. Die Union-Familie stehe hinter ihr, betonten die "Eisernen". Sie bezeichneten Eta als "Fußballgöttin". Eine Bezeichnung, die ihr schon vor einiger Zeit entgegenschallte, als sie interimsweise als Co-Trainerin an der Seitenlinie der Profimannschaft stand. Sie habe "Gänsehaut" bekommen, sagte sie damals über diesen lautstarken Moment von den Rängen. Doch auch die negativen Kommentare gingen nicht spurlos an ihr vorbei. "Zu Beginn habe ich privat sehr viele positive Nachrichten bekommen, die ich auch gelesen und beantwortet habe. Irgendwann habe ich dann den Fehler gemacht, dass ich unter einem Medienbericht die Kommentare gelesen habe. Da gab es viele negative Reaktionen. Mittlerweile lese ich mir sowas nicht mehr durch. Davon mache ich mich frei", sagte sie dem "Tagesspiegel" in einem Interview. Marie-Louise Eta: Kai Wegner gratuliert – und tritt in Fettnäpfchen Bundesliga-Premiere: Ex-Unioner sieht eine große Herausforderung für Eta Privat steht ihr dabei stets jemand zur Seite, der selbst als Fußballlehrer arbeitet: Benjamin Eta. Ihr elf Jahre älterer Ehemann betreibt eine eigene Fußballschule in Bremen , trainierte bereits Mannschaften wie den Bremer SV, Weiche Flensburg oder TeBe Berlin . Eben jene Station in Berlin-Charlottenburg sorgte dafür, dass Marie-Louise und Benjamin Eta nach Jahren der Fernbeziehung mal in einer gemeinsamen Stadt arbeiten konnten. "Wir leben beide unseren Traum und wollen die nächsten Schritte machen im Trainerbereich, von daher glaube ich, dass man Kompromisse eingehen muss", sagte Marie-Louise Eta dem "Tagesspiegel". "Auch im Profifußball gibt es immer mal wieder einen freien Tag und mal bin ich zu ihm gefahren, mal er zu mir. Wir versuchen die wenige gemeinsame Zeit umso besser zu nutzen." Dies ist auch inzwischen wieder der Fall, denn Benjamin Eta arbeitet seit vergangenem Jahr nicht mehr in Berlin – sondern in Leipzig . Ausgerechnet bei Union Berlins Klassenfeind RB. Die "Eisernen" sind bekannt dafür, den Klub abzulehnen, bei jedem ihrer Spiele gegen RB schweigen sie demonstrativ 15 Minuten, um daran zu erinnern, dass diese Art Retortenklub für sie niemals als selbstverständlich angesehen werden dürfe. Ausgerechnet Marie-Louise Etas erstes Auswärtsspiel wird sie dorthin führen: Am 24. April spielt Union Berlin das Freitagabendspiel der Bundesliga in Leipzig. Ihr Mann Benjamin, der dort die zweite Frauenmannschaft in der Regionalliga Nordost trainiert, dürfte dann auf der Tribüne hin- und hergerissen sein: Einerseits wird er seiner Frau die Daumen drücken, andererseits angesichts seines Arbeitgebers um Zurückhaltung bemüht sein. Für die Beziehung der beiden, die seit 2014 verheiratet sind, eine besondere Konstellation. Aber Verquickungen von Privat- und Berufsleben sind die beiden gewohnt: Als Marie-Louise noch aktive Fußballspielerin war, hatte sie Benjamin Eta ab 2012 als Spielerberater vertreten. "Wir lieben diesen Sport beide sehr" Auch privat definiert sich das Paar fast ausschließlich über Sportthemen. Auf die Frage, ob es bei Ihnen zu Hause noch andere Themen als Fußball gibt, sagte sie in dem erwähnten Interview: "Kaum. Wir lieben diesen Sport beide sehr und es macht uns einfach unfassbar viel Spaß, Fußball zu schauen oder über Fußball zu diskutieren." Neben dem Fußball gehe das Paar auch gemeinsam zum Padel-Tennis oder fahre im Winter Snowboard. Wenn neben all den sportlichen Aktivitäten mal für etwas anderes Zeit bleibt, freue sich Eta, wenn sie Zeit mit ihrer Familie verbringen kann: "Wenn ich in Dresden mit meinen Nichten rumalbere. Da schalte ich komplett ab", so die gebürtige Dresdnerin, die selbst keine Kinder hat.