Könnte Pluto wieder als Planet gelten? Nasa-Chef Jared Isaacman hat sich dafür ausgesprochen – und stößt damit eine jahrzehntelange Diskussion wieder an. Aber warum? Die Geschichte von Pluto ist die eines Abstiegs. Der erst 1930 entdeckte Himmelskörper galt lange als neunter Planet des Sonnensystems. Weil er der am weitesten von der Erde entfernte Planet war und dadurch lange Zeit kaum erforscht wurde, galt er von allen großen Himmelskörpern als unbekannter Außenseiter und heimlicher Star im Sonnensystem. 2006 kam dann die Degradierung. Nach der Entdeckung ähnlich großer Himmelskörper tiefer im Kuipergürtel wurde Pluto von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) zu den Zwergplaneten gezählt. Eine Entscheidung, die bis heute Diskussionen unter Wissenschaftlern auslöst. "Planet Y": Forscher entdecken Hinweise auf mysteriösen Himmelskörper Weiterer Zwergplanet? – Neuer Himmelskörper am Rand unseres Sonnensystems Das macht auch die Aussage von Nasa-Chef Jared Isaacman diese Woche im US-Senat deutlich. Isaacman sprach sich dort laut der Seite "space.com" dafür aus, Pluto wieder als Planeten anzuerkennen. Isaacman im US-Senat: "Make Pluto a Planet again" Seine Weltraumbehörde arbeite bereits an wissenschaftlichen Papieren, um die Debatte in der Fachwelt neu zu beleben, so Isaacman. Nur so könne sichergestellt werden, dass der US-Astronom Clyde Tombaugh die Anerkennung erhalte, die er einst bekam und die er zu Recht verdiene, so Isaacman. Isaacman bezieht sich auf den US-Astronomen und Pluto-Entdecker Tombaugh, der den Himmelskörper 1930 als Planeten einstufte. Das ist aber fast neunzig Jahre her, und seither hat sich die Definition von einem Planeten grundlegend verändert. Das findet auch Gerd Thiele. Der ehemalige Leiter des Raumflugplanetariums "Juri Gagarin" in Cottbus erklärte t-online, dass die IAU 2006 gute und vor allem astronomische Gründe für ihre Entscheidung hatte. Patriotismus trifft auf wissenschaftliche Definition "Es wurden immer mehr Himmelskörper der gleichen Größenordnung entdeckt und am Ende hätten wir inflationär viele Planeten in unserem Sonnensystem gehabt", so Thiele. Zudem erfülle Pluto einige definierte Merkmale von Planeten nicht. Dazu gehöre etwa die Beziehung von Pluto zu seinen Monden oder seine extrem elliptische, geneigte Umlaufbahn. Ein weiterer wichtiger Punkt, den Thiele nicht erwähnt: Ein Planet muss seine Umlaufbahn "freigeräumt" haben – also so dominant sein, dass sich in seiner Umgebung keine ähnlich großen Objekte mehr befinden. Laut Thiele spiele bei der Weigerung der USA , Pluto als Zwergplanet zu klassifizieren, also vor allem eines eine Rolle: eine Menge Nationalstolz. Neue Klassifizierung ist unwahrscheinlich Hat die Nasa die Möglichkeit, Pluto wieder zu einem Planeten zu machen? Das dürfte extrem schwierig werden. Die IAU und deren Mitglieder müssten sich auf eine neue Definition für Planeten einigen. Eine Mehrheit für eine solche neue Klassifizierung gilt als ausgeschlossen. Die Organisation teilt dazu mit: Obwohl die Entscheidung, Pluto als Zwergplaneten einzustufen, "einige Diskussionen auslöste, stimmen die meisten Astronomen der aktuellen Klassifizierung zu". Die 2006 erstellte Definition bestehe "auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und Beobachtungen". Die IAU betont zudem, dass Pluto seinen Titel nicht "verloren" habe. Er habe "lediglich seine Klassifizierung gemäß einer neuen wissenschaftlichen Definition geändert". Zwergplaneten wie Pluto seien "einzigartige und wertvolle Objekte in unserem Sonnensystem". Ihre Erforschung eröffne neue Möglichkeiten für die wissenschaftliche Erkundung, heißt es.