MEGA statt MAGA: "Make Europe great again" müsste die Überschrift zu den ersten Wochen der Amtszeit Donald Trumps lauten. Es gibt Daten, die sagen mehr als alle Worte zu Zöllen, Abschiebungen oder Verbraucherstimmungen. Das erste Quartal 2025 war an den internationalen Finanzmärkten für US-Firmen das schlechteste Quartal seit 2002, wenn man die Relation zum Rest der Welt nimmt. 23 Jahre lang haben die Amerikaner im Vergleich zu den anderen nicht derart mies ausgesehen. "Für deutsche Anleger ist dies am einfachsten zu merken", findet Vanyo Walter von RoboMarkets. "Denn der Nasdaq lag noch vor wenigen Monaten deutlich in Punkten vor dem Dax und liegt nun 3.000 Zähler dahinter, was einem Erdrutsch entspricht." Die Kursverluste an der Wall Street haben mittlerweile selbst die Finanz-Muffel aufgeschreckt – sogar Zeitungen, die sich sonst mit Aktien kaum befassen, widmen sich nun der Talfahrt des S&P 500 und dem doppelten Schicksal des MSCI World. Denn der hat zum einen US-Titel hoch gewichtet und litt für Europäer zum anderen noch an der plötzlichen US-Dollar-Schwäche. Knackiger Rückgang Seit dem Rekordhoch am 19. Februar hat der S&P 500 bereits zehn Prozent verloren – der stärkste Rückgang in diesem Zeitraum seit März 2020. Die einst gefeierten Technologieriesen sind in Ungnade gefallen. Knapp 5.500 Milliarden US-Dollar sind seit dem Höhepunkt im Februar aus dem S&P 500 an Börsenwert verloren gegangen, ein beachtlicher Teil davon – 2.400 Milliarden US-Dollar – allein aus der "Tech-Achillesferse". Die "Glorreichen Sieben", einst der Stolz des Marktes, sind derzeit eher eine schwere Last. Nur Meta ist einigermaßen anständig davongekommen. Bei Alphabet, Amazon und Microsoft sieht es anders aus. "Alle diese Tech-Riesen haben seit dem Rekordhoch rund 20 Prozent an Wert eingebüßt, bei Nvidia sind es 30 Prozent", so Experte Walter. Tesla führt die Verliererliste an: Der Elektroautobauer hat in den letzten 53 Tagen gut 50 Prozent seines Wertes verloren. Langfristig tragfähiger Doch überlegen wir einen kurzen Moment: Sollten wirklich die international bedeutenden Firmen wie Starbucks , McDonald's, Airbnb , Uber, Meta, Google, Apple , Netflix oder Coca Cola mit einem Mal abgemeldet sein? Hat beispielsweise Heidelberg Materials bei aller Liebe für die kommenden Jahre besser zu verkaufende Produkte als Digitalfirmen? Die Stimmung für US-Titel ist im Keller, doch genau darin liegt eine wunderbare Chance. So steuerte etwa der Fear & Greed-Index (auf Deutsch der "Angst und Gier"-Index) in Bezug auf die US-Börsen mit nur noch 14 Punkten auf "Angst pur" zu. Doch die Experten von Lynx-Broker sind keinesfalls langfristig pessimistisch: "Die US-Börsen stehen aktuell unter Druck, doch das könnte sich bald ändern", meint Deutschlandchef Klaus Schulz. "Die US-Wirtschaft zeigt sich robuster als erwartet, die Unternehmensgewinne sind stabil, und mit möglichen Zinssenkungen der Fed könnte neuer Schwung in die Märkte kommen. Langfristig bleiben die USA der zentrale Innovationstreiber – das dürfte die US-Börsen langfristig wieder in die Spur bringen", so Schulz. Trump liegt eigentlich im Plan Hoffnung geben könnte auch die Statistik. Denn die US-Indizes verhielten sich im Durchschnitt so wie in Nachwahljahren: Das erste Quartal ist dabei meist durchwachsen, ab der zweiten März-Hälfte wendet sich vielfach das Blatt mit steigenden Kursen bis in den Spätsommer. Die Stimmung unter Kleinanlegern ist so negativ wie zuletzt im Oktober 2022, als die US-Börsen nach langer Talfahrt einen Boden ausbildeten. Eigentlich ein gutes Level für alle, die antizyklisch den Trump-Rutsch ausnutzen möchten.