VW Golf: Droht ihm schon bald das Aus?

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Er ist Nachfolger des legendären Käfer und selbst eines der meistverkauften Autos der Welt – doch nun ist seine Zukunft ungewiss.Ein Stern im Sinkflug: Fast 50 Jahre nach seinem Start im Jahr 1974 scheint es fast so, als hätte der Golf bei VW ausgedient. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" sagte der neue VW-Markenchef Thomas Schäfer: "Wir werden uns anschauen müssen, ob es sich lohnt, ein neues Fahrzeug zu entwickeln, das nicht mehr die vollen sieben oder acht Jahre Laufzeit erreicht. Das wäre extrem teuer."Was Schäfer durchklingen lässt: Wenn der aktuelle Golf nach sieben Jahren Bauzeit 2026 in Rente geht, ist seine Nachfolge in Form eines Golf 9 ungeklärt. Auch schon beim Passat und beim Polo brodeln seit Längerem Gerüchte, ob sie bald durch reine Elektro-Modelle abgelöst werden.Der Golf ist aus verschiedenen Gründen in der Klemme.Startprobleme beim Golf 8Der Marktstart des aktuellen Golf 8 verlief mehr als holprig. Anhaltende Softwareprobleme führten zu einem Rückruf, Kunden und Medien kritisieren die umständliche Bedienung des Kompakten. In einer vergleichenden Auswertung mit dem beliebten Vorgänger Golf 7 stellte der ADAC fest, dass beim Modell der achten Generation der Rotstift kräftig gewütet hat, was an vielen Details spürbar ist (hier lesen Sie mehr dazu). Ein Facelift ist in Arbeit, dürfte aber erst frühestens 2023 kommen.Sinkende AbsatzzahlenMit mehr als 35 Millionen verkauften Exemplaren ist die Golf-Baureihe extrem erfolgreich und stand in Deutschland jahrzehntelang auf der Nummer 1 der meistverkauften Fahrzeuge.Die fetten Jahre sind jedoch vorbei. 2020, im ersten kompletten Verkaufsjahr des Golf 8, wurden in Deutschland gerade einmal 136.324 Neuwagen zugelassen. Im Jahr darauf waren es sogar nur 91.621 Neuzulassungen in Deutschland.Zum Vergleich: 2019 waren es noch 204.550 Stück. Ein Teil des Rückgangs geht auf Corona mitsamt den Lieferproblemen, auf die Chipkrise und den Krieg in der Ukraine zurück.In den letzten drei Monaten des Jahres 2021 stand der Golf nicht mehr an der Zulassungsspitze in Deutschland, sondern T-Roc und Opel Corsa. Europaweit hat sich der Golf nur noch knapp vor Peugeot 208 und Dacia Sandero gesetzt. Und der Abwärtstrend hält an.Konkurrenz durch SUVEin weiterer Punkt, der gegen den Golf spricht: der Zeitgeschmack. Bei den Neuzulassungen 2021 lagen in Deutschland auf den Plätzen 2 und 3 der T-Roc (57.424 Autos) und der Tiguan (55.527 Autos), beides SUV. Und trotz grundsätzlicher Absatzrückgänge in der Krise verliert der Golf im Vergleich zu diesen beiden Modellen überdurchschnittlich viele Käufer.Steigende Entwicklungskosten für VerbrennerDie Regularien für Autos mit Verbrennungsmotor werden immer strenger, und das hat Folgen: In einigen Jahren wird die Euro-7-Norm erwartet. Laut Schäfer dürfte das die Preise für Benziner und Diesel mit der neuen Abgasnorm um 3.000 bis 5.000 Euro nach oben klettern lassen.Günstige Autos um die 10.000 Euro Neupreis sind laut VW-Markenchef Schäfer spätestens dann nicht mehr umzusetzen, da die Entwicklungskosten deutlich steigen. Und auch ob sich der Golf noch lohnt, der schon jetzt als Basismodell weit über 25.000 Euro kostet, steht bei VW zur Debatte.Konkurrenz durch E-AutosDas größte Problem für den Golf: Er steht für ein Zeitalter, das VW hinter sich lassen möchte. Während ID.3 und alle weiteren ID-Modelle eine eigene Plattform für E-Antriebe nutzen, basiert der Kompakte auf einer Verbrenner-Basis.Und damit soll es schon 2026 vorbei sein, dann sollen die letzten Autos mit Verbrenner-Plattform starten. 2035 soll nach jetzigen Planungen europaweit Schluss sein mit dem Verkauf von Benziner- und Diesel-Neuwagen. Einige Länder wollen den Verkauf schon früher stoppen, was sich auch auf die Verkaufszahlen des Golf auswirken würde.Welche Länder wann den Verkauf von Verbrennern beenden wollen, lesen Sie hier.Der Nachfolger des Golf 8 müsste also pünktlich im Jahr 2026 auf den Markt kommen, um seine Entwicklungskosten noch rauszuholen. Vorher soll aber der aktuelle Golf noch ein Facelift bekommen, das in der Regel drei bis fünf Jahre läuft. Ob das zeitlich klappt und ob noch genügend Kunden in drei bis vier Jahren überhaupt noch ein Verbrennermodell haben wollen: Diese Frage muss sich VW erst einmal beantworten.Denn wie Markenchef Thomas Schäfer im Interview betonte: Die Nachfrage nach den ID-Modellen steigt rasant an. Entscheidung soll in den kommenden zwölf Monaten fallenWie sich die Planer bei Volkswagen entscheiden, wird sich schon bald zeigen. "In zwölf Monaten wissen wir mehr", sagte Schäfer. Und damit wird sich auch klären, wie VW mit dem Traditionsnamen Golf umgehen wird.
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