Die dritte Runde für Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder steht kurz bevor. Jetzt machen Gewerkschaften Druck und rufen zu Warnstreiks auf. Ein Überblick. Kurz vor der nächsten Tarifverhandlungsrunde für die Beschäftigten der Länder im öffentlichen Dienst haben mehrere Gewerkschaften im ganzen Land zu Warnstreiks aufgerufen. Neben Verdi startete auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und der dbb Beamtenbund Aufrufe, dass Beschäftigte ihre Arbeit niederlegen sollen. So sind neben Behörden und weiteren Bereichen der Landesverwaltungen auch Schulen und Unikliniken sowie in einigen Bundesländern auch Kitas oder der Nahverkehr betroffen. Mit welchen Streiks in welchen Bundesländern zu rechnen ist, lesen Sie hier im Überblick. Großer Warnstreiktag am Dienstag Insbesondere für den heutigen Dienstag haben Gewerkschaften zu Warnstreiks in mehreren Bundesländern aufgerufen. In Nordrhein-Westfalen sind neben Schulen und Hochschulen die sechs Unikliniken in Aachen , Bonn , Köln , Düsseldorf , Essen und Münster betroffen. In Aachen, Köln und Essen hatte es bereits am Montag Warnstreiks an den Unikliniken gegeben. Nordrhein-Westfalen: Neue Streiks an Unis, Kliniken und Behörden in Köln Erneuter Warnstreik : Demo in Düsseldorf geplant Fünf lange Tunnel werden zeitweise gesperrt, weil sich auch Mitarbeiter im Kontrollraum des Landesbetriebes Straßen.NRW an den Aktionen beteiligen wollen. Im Tarifkonflikt bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in NRW ist zudem heute die zweite Verhandlungsrunde geplant. Zuvor hatte es Warnstreiks in Kitas und bei Ganztags- und Betreuungsangeboten in der Offenen Ganztagsschule gegeben. Am Dienstag: Großer Warnstreik – Schulen und Unikliniken in Aachen betroffen Warnstreiks im Norden und Nordwesten Auch in Niedersachsen und Bremen haben mehrere Gewerkschaften zu Warnstreiks aufgerufen. Der Aufruf für heute richtet sich etwa an Mitarbeiter der beiden Unikliniken Niedersachsens in Hannover und Göttingen , an Landesstraßenbauverwaltungen sowie Hochschul- und Universitätsbereiche. Genauer kündigte sowohl die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) als auch die Universitätsmedizin Göttingen an, vom Warnstreiktag betroffen zu sein. Alle Notfallpatientinnen und -patienten werden adäquat versorgt, hieß es dazu aus den Kliniken. Die Landesstraßenbaubehörde teilte mit, dass es Einschränkungen gebe und etwa der Tunnel Bovenden (B3) bei Göttingen am Streiktag voll gesperrt bleibe. Symbol für "gefühlte Kälte der Arbeitgeberpolitik" Auch Beschäftigte in Hamburg sind zum Warnstreik aufgerufen: in den Bezirksämtern, beim Hamburg Service vor Ort, den Landes- und Fachbehörden, den Landesbetrieben sowie weiteren Ämtern und städtischen Einrichtungen. Der Beamtenbund dbb will nach einer Auftaktkundgebung an den Landesbrücken in die Hafencity marschieren, wo Gewerkschaftsmitglieder den Angaben zufolge ein Zeichen setzen und an den Magellan-Terrassen in die Elbe steigen wollen. So wolle man die "gefühlte Kälte der Arbeitgeberpolitik" symbolisieren, hieß es. In Schleswig-Holstein rufen neben Verdi auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP), der IG BAU und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf. Die Beschäftigten der AOK NordWest wollen in Schleswig-Holstein ebenfalls streiken, die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) kündigten Warnstreiks ab Mittwoch an. Von dem Warnstreik betroffen sind demnach Fahrten im Hamburger Westen und in den schleswig-holsteinischen Kreisen Pinneberg und Segeberg. Streikwelle in Hamburg droht: Dann legt VHH die Arbeit nieder VHH streikt: Diese Buslinien fallen am Mittwoch in Hamburg aus Warnstreiks im Osten Im Osten Deutschlands haben die Gewerkschaften ebenfalls zu Streiks am Dienstag aufgerufen. In Sachsen sind unter anderem Landesbehörden und Studentenwerke von dem Ausstand betroffen. Auch an den Universitäten und Hochschulen in Dresden und Chemnitz ist mit Ausfällen zu rechnen. Wie der MDR berichtet, sollen auch Einrichtungen in Meißen, Bautzen, Görlitz, im Erzgebirgskreis, Mittelsachsen und im Vogtlandkreis sowie in Chemnitz und Dresden betroffen sein, hier etwa die Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek. An der Uniklinik Leipzig gab es bereits am Montag einen Warnstreik. Warnstreik: Uni, Behörden und Bibliothek in Dresden betroffen Auch Beschäftigte in Verwaltungen, an Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Sachsen-Anhalt sind zum Streik aufgerufen. Nach Angaben des Verdi-Bezirks Sachsen-Anhalt Süd, sind hier Landesverwaltung, die Martin-Luther-Universität, die Hochschule Merseburg , das Uniklinikum Halle und die Franckeschen Stiftungen betroffen. In Thüringen sind zudem Beschäftigte des Universitätsklinikums Jena , von Ministerien, Landratsämtern, Hochschulen, Schulen und Schulhorten, Kindergärten sowie des Studentenwerks aufgerufen, zu streiken. Warnstreiks im Süden und Südwesten In Baden-Württemberg sind am Dienstag vor allem Einrichtungen in Tübingen , Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim betroffen. Am Montag lagen die Schwerpunkte der Streiks in Stuttgart und in Heilbronn . In Bayern soll es am Dienstag Streiks an allen sechs Unikliniken geben. Eine Notversorgung sei eingerichtet, planbare Eingriffe werden aber verschoben, berichtet der Bayerische Rundfunk. Außerdem werden alle Universitäten und einige Hochschulen wie in Amberg oder Rosenheim, Straßenmeistereien sowie die Staatstheater in Augsburg, Nürnberg und München bestreikt. Warnstreik in Bayern: Verdi legt Verkehr in München und Nürnberg lahm Zudem hat die GdP in Bayern zum Protest in Bußgeldstellen aufgerufen. Zentrale Kundgebungen soll es in München und Erlangen geben. Für Mittwoch rief die Gewerkschaft Verdi zudem zu einem ganztägigen Nahverkehrs-Warnstreik in München und Nürnberg auf. VAG-Streik: Das ist der Ersatzfahrplan für Nürnberg am Mittwoch MVG-Streik: Das ist der Ersatzfahrplan für München am Mittwoch In Rheinland-Pfalz sind neben Verwaltungen unter anderem das Studentenwerk Mainz und das von Koblenz, die Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität, die Uni Koblenz und weitere Hochschulen wie von Bingen am Rhein betroffen. Auch im Saarland sind Beschäftigte von Schulen und Hochschulen zum Streik aufgerufen. Die Bevölkerung im Saarland muss mit Einschränkungen an Schulen und Hochschulen rechnen. "Ganze Schulstandorte werden aber sicher nicht geschlossen werden müssen", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Max Hewer. Die Bevölkerung in Hessen bleibt von Warnstreiks verschont. Der Grund: Das Bundesland gehört nicht mehr zur Tarifgemeinschaft der Länder, sondern führt eigene Verhandlungen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind nach aktuellen Erkenntnissen keine weiteren Warnstreiks geplant, diese fanden bereits in der vergangenen Woche statt. Streiks in Berlin und Brandenburg am Mittwoch In Berlin und Brandenburg wird hingegen erst am Mittwoch gestreikt. Berliner müssen dann mit Einschränkungen oder auch kompletten Schließungen in Kitas, Schulen und Bezirksämtern rechnen. Auch Beschäftigte der Feuerwehr, Polizei und Senatsverwaltungen sollen sich anschließen und an einer großen Demo und Kundgebung in Potsdam teilnehmen, wie Verdi-Sprecher Kalle Kunkel der Deutschen Presse-Agentur sagte. In Brandenburg sind unter anderem die Mitarbeiter der Polizei sowie der Landesministerien und ihrer nachgeordneten Behörden aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Voraussichtlich würden in Brandenburg auch Beschäftigte der Hochschulen teilnehmen, sagte ein Verdi-Sprecher. In Potsdam, dem Verhandlungsort, rechnet die Polizei am Mittwoch wegen Warnstreiks mit Verkehrsbehinderungen. Es seien mehrere Versammlungen mit einer Vielzahl an Teilnehmern angemeldet, sagte ein Sprecher der Polizei. Im Rahmen des Streiks zieht am Mittwoch ab 9.30 Uhr in Potsdam eine Demonstration vom Lustgarten zum Verhandlungsort, dem Kongresshotel. Dort findet ab 11.45 Uhr eine Abschlusskundgebung statt. Diese Forderungen werden verhandelt Am Mittwoch gehen in der brandenburgischen Landeshauptstadt die Verhandlungen in ihre voraussichtlich letzte Runde. Verdi und der mitverhandelnde Beamtenbund dbb fordern sieben Prozent mehr Geld im Monat – mindestens aber 300 Euro zusätzlich. 200 Euro pro Monat mehr soll es für Nachwuchskräfte geben. Die Laufzeit soll zwölf Monate betragen. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) hatte kein Angebot vorgelegt. Verdi-Vizechefin Christine Behle sagte zuletzt aber: "Den Arbeitgebern schwebt fünf Prozent Lohnerhöhung bei einer Laufzeit von 29 Monaten vor." Das sei zu niedrig, die Laufzeit zu lang. Ein Abschluss bei den Ländern soll aus Sicht der Gewerkschaften auf keinen Fall schlechter ausfallen als die jüngste Einigung mit Bund und Kommunen, hatte es geheißen. Der Abschluss von April 2025 hatte mehr Geld in zwei Stufen beinhaltet, zunächst drei Prozent, mindestens aber 110 Euro im Monat mehr, dann 2,8 Prozent. Betroffen sind diesmal mehr als 900.000 Tarifbeschäftigte sowie indirekt rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamten und Versorgungsempfänger. Auf sie soll ein Beschluss per Gesetz übertragen werden.