In einer politischen Frage haben Europas Fußball-Funktionäre keine Eile. Das Thema Russland wird beim Jahrestreffen offiziell ausgeklammert. Für ein deutsches Duo geht es um die Wiederwahl. Europas Fußball-Spitzenfunktionäre um DFL-Boss Hans-Joachim Watzke sehen keinen Grund für eine Debatte zur Rückkehr Russlands in internationale Wettbewerbe. "Der Status quo hat sich nicht verändert. Es ist also kein Thema", sagte Watzke nach der Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees in Belgrad der Deutschen Presse-Agentur. Über Russland sei bei dem Meeting nicht gesprochen worden. Eine mögliche Aufhebung der Suspendierung, die nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Frühjahr 2022 ausgesprochen wurde, gilt allerdings als schwelendes Thema mit Konfliktpotenzial - derzeit noch hinter den Kulissen. Russland drängt auf eine Rückkehr auf die internationale Fußball-Bühne und hat dem Vernehmen nach auch in UEFA-Kreisen Verbündete vornehmlich aus osteuropäischen Ländern. DFB-Haltung eindeutig DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte die klare deutsche Haltung schon vor den Sitzungen in Belgrad klargemacht. "Fakt ist, dass sich an der Ausgangslage, die zur Suspendierung russischer Mannschaften geführt hat, leider nichts geändert hat. Unvermindert setzt Russland den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine fort", sagte er. UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin gilt als Pragmatiker in der Angelegenheit und hatte zuletzt wieder für eine Spielerlaubnis von russischen Jugendmannschaften argumentiert, um den Nachwuchsspielern Kontakte außerhalb Russland zu ermöglichen. Die UEFA hält sich auch bedeckt, da vom Weltverband FIFA und dem IOC für den olympischen Sport noch keine öffentlichen Signale für eine Aufhebung der Sperre kamen. Neuendorf und Watzke vor Wahlerfolg Bei der Generalversammlung der 55 europäischen Fußball-Verbände am Donnerstag kandidiert Watzke für eine zweite Amtszeit im UEFA-Exekutivkomitee. Sieben Plätze stehen für elf Bewerber zur Verfügung, eine Wahl des deutschen Funktionärs gilt als sicher. Neuendorf ist einer von vier Kandidaten für vier europäische Plätze im FIFA-Council, sein Verbleib in dem Gremium für weitere vier Jahre ist also eine Formalie. Interessant für die Russland-Frage ist der Abschied von Alexander Djukow. Der nationale russische Verbandschef kandidiert nicht mehr für das UEFA-Exekutivkomitee. Stattdessen könnte der ehemalige ukrainische Weltklassespieler Andrij Schewtschenko für eine Amtszeit von zwei Jahren in das Gremium einziehen. Djukow wollte sich nach der Exko-Sitzung in Belgrad auf dpa-Fragen nicht zur Situation des russischen Fußballs äußern. "Kein Kommentar", lautete seine mehrfach wiederholte Standardantwort.