Winter-Wetter und Kälte: Diese Menschen riskieren gefährliche Kälteschäden

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Winterliche Kälte kann schon bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt gefährliche Hautschäden verursachen. Zwei weitere Faktoren verschlimmern die Effekte auf den Körper. Meist zu Beginn des Winters oder zwischendurch, wenn die Temperaturen noch knapp über null Grad liegen, wähnt man sich auf der sicheren Seite: Noch ist es ja nicht richtig kalt. Kommen dann aber plötzlich ein scharfer, gern länger anhaltender Wind und Nässe dazu, sieht und fühlt man das völlig anders. Feuchte Haut und Kleidung leiten Wärme schneller ab. Wind verstärkt die Abkühlung zusätzlich. "Windchill" heißt der zeitgemäße Ausdruck, der im Wetterbericht zu rätselhaften Differenzen realer und "gefühlter" Temperatur führt. Schon bei Temperaturen um Plus vier Grad vor allem in Kombination mit Nässe und Wind können Kälteschäden wie Frostbeulen entstehen – auch wenn "klassische" Erfrierungen meist erst bei deutlich tieferen Temperaturen auftreten. Schutzreaktion des Körpers Die Gefäße ziehen sich bei Kälte zunächst zusammen, die Haut wird blass, die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung nehmen ab – eine Schutzreaktion, die Wärme im Körperinneren halten will. Anhaltende Kälte beschert uns häufig ein "Wellenmuster": Die Gefäße öffnen sich zwischendurch kurz wieder und schließen sich danach erneut – eine normale Schutzreaktion (Kälte-induzierte Vasodilatation), die Finger und Zehen immer wieder kurz mit warmem Blut versorgt und so Gewebe schützt. Problematisch wird es, wenn Kälte zu lange, zu nass oder zu windig wirkt oder die Durchblutung ohnehin eingeschränkt ist: Dann reicht die Schutzreaktion nicht mehr aus, es kann zu entzündlichen Kälteschäden wie Frostbeulen kommen. Die Haut färbt sich dann rot bis bläulich und schwillt an, eine entzündliche Reaktion auf die Kälte mit gestörter Gefäßregulation und lokaler Entzündung. Körperenden sind besonders betroffen Ist man länger und niedrigeren Temperaturen ausgesetzt (insbesondere bei Temperaturen um/unter null Grad oder bei hohem Windchill), sind auch echte Erfrierungen möglich. Dabei werden Gewebe und kleinste Gefäße durch Kälte bzw. das Wiedererwärmen zusätzlich geschädigt. Besonders betroffen sind dabei die "Körperenden" (Akren) – die Finger, die Nase, die Ohren, die Zehen und – ja – auch der Penis. An diesen Stellen sind die Blutgefäße sogenannte Endstrombahnen – mit vergleichsweise weniger helfenden "Umgehungskreisläufen" (Kollateralen) und einer großen Oberfläche im Verhältnis zum Gewebe; dadurch kühlen diese Areale schneller aus. Hierfür gibt es einige Risikogruppen. Je nach Quelle und Definition sind etwa 3 bis 10 Prozent der Bevölkerung (häufiger Frauen) vom Raynaud-Phänomen betroffen. Typisch ist ein dreiphasiger Farbwechsel an den Fingern bei Kälte oder Stress: erst weiß, dann blau und beim Wiedererwärmen rot – oft begleitet von Kribbeln oder Schmerzen. Diese Medikamente sind gefährlich bei Kälte Aufpassen müssen Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen wie Hypercholesterinämie, weil ihre Blutgefäße bereits geschädigt sein können. Zusätzlich erhöhen Rauchen/Nikotin und bekannte Gefäßerkrankungen, etwa periphere arterielle Verschlusskrankheit, das Risiko. Ähnliches gilt für ältere Menschen: Sie haben häufig weniger Muskelmasse und damit oft eine geringere Wärmeproduktion – und Zittern (Thermogenese) kann abgeschwächt sein. Auch Medikamente können die Kälteverträglichkeit mindern: Betablocker und manche andere Blutdruckmittel. Medikamente mit gefäßverengenden Wirkstoffen – etwa einige Migräne- oder Erkältungsmittel – verschlechtern die Durchblutung in den "Körperenden". Außerdem dämpfen stark beruhigende Mittel, ebenso wie Alkohol, Warnsignale und erhöhen so das Risiko für Kälteschäden. Entscheidendes Warnsignal Wichtig ist hierbei auch das Verhältnis zwischen Körperoberfläche und Gewicht. Im Sinne der Kältebelastung ist es bei kleinen Kindern besonders ungünstig: Ihre Wärmeregulation ist noch nicht ausgereift. Babys haben noch braunes Fettgewebe, unter anderem im Nacken- und Schulterbereich; sie wärmen sich dadurch eher "ohne Zittern". Kinder neigen dazu, sich den feuchten Sabber nicht so schnell aus dem Gesicht zu wischen – dadurch kann es bei Kälte zu einer Kälte-Pannikulitis (entzündliche Reaktion des Unterhautfettgewebes, oft an den Wangen) kommen: gerötete, derbe, manchmal schmerzhafte Knoten/Schwellungen, die in der Regel folgenlos abheilen. In jedem Fall sollte man den Kleinen früh eine Mütze über den Kopf ziehen. Das entscheidende Warnsignal für Kälteschäden der Haut sind Schmerzen. Auch Taubheit ist ein Alarmsignal – sie ist tückisch, weil man dann "nichts mehr merkt". Beide können Teil von Erfrierungen ersten Grades sein. Früh sind oft Brennen/Stechen, später Gefühllosigkeit und "wachsig-weißes" Aussehen typisch. Im zweiten Grad bilden sich Schwellungen und Blasen auf der Haut, in der dritten Erfrierungsstufe beginnt Gewebe abzusterben, im vierten kommt es zu Nekrosen: Die Zehen etwa werden schwarz. Dann drohen Amputationen. Handwarmes Wasser Bei einer Erfrierung gilt: raus aus der Kälte, Nässe weg, behutsam erwärmen. Das aber bitte nicht mit heißem Wasser, Feuer oder direkt an der Heizung. Die Haut darf nicht gerieben werden, sonst drohen zusätzliche Gewebeschäden. Wichtig ist außerdem: Nur aktiv aufwärmen, wenn sicher ist, dass die Stelle danach nicht wieder erneut auskühlt und wieder "anfröstelt": Dieses Wieder-Einfrieren kann besonders schädlich sein. Wenn möglich, ist kontrolliertes Erwärmen in handwarmem Wasser (etwa 37 bis 39 °C) am schonendsten; Schmuck wie Ringe vorher abnehmen, bei Schwellung hilft Hochlagern. Bei Blasen, starken Schmerzen, Gefühllosigkeit oder Verfärbungen bis hin zu Schwarz muss die betroffene Person rasch ärztlich versorgt werden. Bei schweren Erfrierungen mit Mumifikation des Gewebes stehen zunächst trockener Schutz und das Abwarten der klaren Gewebeabgrenzung im Vordergrund, und es können je nach Situation auch Durchblutungs- und Thrombosemaßnahmen sowie Tetanusschutz nötig sein. Mit Sheabutter eincremen Wie fast immer können wir aber vorbeugen: Kleidung im Zwiebelsystem, um einen "Thermoskanneneffekt" zu erzeugen, mit dazwischenliegenden warmen Luftschichten zur Isolierung; Mütze, Schal und Handschuhe – Fäustlinge sind besser; und trockene Schuhe und Socken, wobei letztere gern aus Wolle sein dürfen. Wichtig ist außerdem, Nässe konsequent zu vermeiden und feuchte Kleidung sofort zu wechseln, bei Wind auf winddichte Außenschichten zu achten und die Akren – also Finger, Zehen, Ohren und Nase – besonders zu schützen. Zudem helfen Wärmepads oder Akku-Wärmer in Handschuhen oder Schuhen als zusätzliche Heizquellen bei längerem Aufenthalt in der Kälte. Wer seine Haut noch anders schützen möchte, kann sich auch eincremen – auf keinen Fall aber mit wasserhaltigen Feuchtigkeitscremes, da es dadurch auf der Haut zu Erfrierungen kommen kann. Besser sind fettreiche, wasserfreie Schutzcremes oder Salben. Vaseline ist nicht die erste Wahl, weil die Haut darunter ins Schwitzen kommen kann wie unter einer Plastikfolie. Ich rate lieber zu Naturfetten, kein Öl, sondern festere, kalt gepresste Sheabutter: Sie wäscht die Fette der Haut nicht aus, wie Öl es tut, schützt und repariert dafür, hält auch einer Handwäsche stand und enthält kein Wasser. Lippenpflegestifte sollten ebenfalls keine Mineralöle enthalten, sondern Wachse und Fette wie Sheabutter, Kakaobutter oder Bienenwachs. Auch Wund- und Heilsalben sind geeignet. Gegen Kälte hilft immer Bewegung. Ebenso Sauna und danach kaltes Abduschen: ein gutes Gefäßtraining. Kuscheln ist noch ein wichtiger Hinweis. Halten Sie sich frust- und frostfrei und kommen Sie gesund durch die Zeit!
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