Vor der WM 2026 werfen Entwicklungen im Gastgeberland USA Fragen auf. Sara Doorsoun erklärt, welche Rolle die Spieler bei möglichen Protesten einnehmen. Immer mehr deutsche Fußballerinnen zieht es ins Ausland. Aus dem jüngsten 23-köpfigen Aufgebot der DFB-Frauen sind sieben Profis außerhalb von Deutschland angestellt. Immer beliebter werden dabei auch die USA, wo derzeit sechs deutsche Spielerinnen unter Vertrag stehen. Auch Sara Doorsoun war in Nordamerika, kehrte aber nach nur einem halben Jahr in Los Angeles zu Eintracht Frankfurt zurück. Seit dem Beginn der Rückrunde läuft die Ex-Nationalspielerin wieder für die SGE auf. Im Gespräch mit t-online berichtet sie von ihren Eindrücken aus den USA, ordnet die WM 2026 trotz Bedenken als Chance ein und verrät, wo sie bei den DFB-Frauen noch Luft nach oben sieht. t-online: Frau Doorsoun, Ihr Abenteuer USA endete nach nur fünf Monaten. Hatten die Entwicklungen unter Donald Trump einen Einfluss darauf? Sara Doorsoun: Am Ende war es ausschließlich eine persönliche und sportliche Entscheidung. Ich habe mich in Los Angeles sehr wohlgefühlt und bin froh und dankbar, die Erfahrung dort gemacht haben zu dürfen. Haben Sie sich als queere Person weniger wohlgefühlt als in Deutschland? Ich habe mich dort genauso gefühlt wie in Deutschland auch. Als queere Person kann man überall Anfeindungen erleben. Bisher habe ich aber überall große Toleranz und Akzeptanz erlebt. ICE-Einsätze und Einreiseverbote für Menschen verschiedener Nationen: Wie besorgt blicken Sie auf die WM 2026 voraus? Ich laufe nicht mit Scheuklappen durch den Alltag und sehe, was auf der ganzen Welt passiert. Das ist wirklich traurig. Fußball ist in meinen Augen aber etwas, das alle verbindet und Zeichen setzen kann. Ich sehe daher vor allem die Chance, dass Menschen unterschiedlicher Nationen sich näherkommen. Ein Boykott, wie er bereits von einigen Seiten gefordert wurde, wäre ein besonders deutliches Zeichen. Es ist wichtig, gemeinsam Zeichen zu setzen. Aber ich weiß nicht, ob ein Boykott das richtige Zeichen wäre. Wenn es für mich womöglich die letzte WM wäre, würde ich mir sehr große Gedanken machen, ob ich darauf verzichten will. DFB-Kapitän Joshua Kimmich möchte "nicht mehr an der politischen Diskussion teilnehmen". Können Sie diese Haltung nachvollziehen? Das Wort von Sportlern hat Gewicht, deshalb bin ich grundsätzlich auch der Überzeugung, dass wir unsere Stimme nutzen sollten. Gerade bei einem so großen Turnier mit einer hohen Aufmerksamkeit. Aber ob sich jemand positioniert, ist eine persönliche Entscheidung. Sie haben im Zuge Ihres US-Wechsels von einem "Kindheitstraum" gesprochen. Galt das dem Leben in den USA oder dem Spielen in der Liga? Es galt dem Leben in Los Angeles. Ich war mit einem U-Nationalteam dort, trainiert haben wir direkt neben dem Trainingszentrum von LA Galaxy. Als kleines Mädchen, das verrückt nach David Beckham war und "Kick it like Beckham" ungefähr 30-mal gesehen hat, war ich überwältigt. Auch die Stadt sah glamourös aus. Nach meiner Rückkehr meinte ich zu meiner Mutter, dass ich mal in Los Angeles Fußball spielen möchte. Den Angel City FC gab es damals noch nicht, er wurde erst 2020 gegründet. Ich habe das mit großem Interesse verfolgt. In Vertragsgesprächen habe ich das angesprochen: Falls Angel City anfragen sollte, würde ich mir das gerne anhören. Das war der einzige Verein, für den ich mir einen vorzeitigen Abschied vorstellen konnte. Eintracht Frankfurt war in diesem Prozess immer sehr fair, wofür ich sehr dankbar war und bin. Haben sich Ihre Erwartungen in LA erfüllt? Ja, die Entscheidung war die richtige. Ich musste diesen Schritt gehen, hätte mich ansonsten immer gefragt, was gewesen wäre. Was haben Sie aus der Zeit mit nach Deutschland gebracht? Viel – meine Mitspielerinnen spiegeln mir, dass ich jetzt entspannter bin. Ich akzeptiere häufiger, dass ich manche Dinge nicht ändern kann. Frauenligen in den USA waren in der Vergangenheit von Kurzlebigkeit geprägt. Was macht die 2013 gestartete NWSL (National Women's Soccer League) nun anders? Es sind ganz viele Sponsoren an Bord, die Liga und die Spielerinnen werden stark vermarktet. Es ist keine Nische, sondern geht weit über den Sport hinaus. Die Stadien sind gut gefüllt, Denver hat kürzlich einen Rekord aufgestellt. Die Trikots sind beliebt. All das bringt den Vereinen und der Liga gutes Geld ein. Ist die Vermarktung der größte Unterschied im Vergleich zur Frauen-Bundesliga? Es ist ein enormer Unterschied. Als Spielerin merkt man das auch im Alltag: In den USA ist es explizit erwünscht, dass man als Profi Social Media nutzt. In Deutschland liegt der Fokus deutlich auf dem Sportlichen. Ich glaube, es geht beides. Ich schätze Social Media sehr, um auch den Kontakt zu den Fans zu halten. Gibt es dabei Grenzen? Die US-Amerikanerinnen und Brasilianerinnen nehmen vor Länderspielen in ihren Kabinen teilweise TikTok-Videos auf. Das würde ich eher nicht machen, aber dort ist es anders. 2025 sind Sie aus dem DFB-Team zurückgetreten. Besteht trotzdem noch die Chance auf ein Comeback? Nach ein paar Spielen seit meiner Frankfurt-Rückkehr gab es schon den einen oder anderen Spruch, dass man mich doch zurückholen müsse. Christian Wück hat sehr gute Spielerinnen auf meiner Position. Wenn es keine Ausfälle gibt und ich deshalb gebraucht werde, steht meine Entscheidung zu 100 Prozent. Wie sehen Sie die Entwicklung der Nationalmannschaft unter Wück? Es macht Spaß, den Mädels zuzuschauen. Das Team ist sehr jung, sehr verändert. Spielerinnen wie Janina Minge, Sjoeke Nüsken oder Elisa Senß haben eine größere Rolle eingenommen. Es ist schön, als Fan mitzufiebern, aber auch mal kritisch zu sein. Ich kann vor dem Fernseher anfeuern – oder die Trainerin sein, die es immer besser weiß (lacht). Was hat die Trainerin Sara Doorsoun zuletzt gesehen? Christian Wück war nach dem 5:1 gegen Österreich nicht ganz zufrieden. Das finde ich gar nicht so verkehrt. Wenn wir gegen die Besten bestehen wollen, muss das Team immer an die Leistungsgrenze gehen. Wo sehen Sie noch Luft nach oben, um bei der WM 2027 wieder voll angreifen zu können? Es darf gerne noch konsequenter werden – sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Daran arbeitet Wück auch mit seinen Einordnungen. Insgesamt sehe ich die Mannschaft aber auf einem guten Weg. Welche Rolle trauen Sie Ihrer Teamkollegin Jella Veit bei der WM zu? Jella bringt ganz viel mit, hat in der Nationalmannschaft auf ihrer Position aber natürlich auch große Konkurrenz. Für Jella geht es erst einmal darum, das zu genießen und möglichst viel mitzunehmen. Die Nationalmannschaft ist für sie aktuell ein schöner Bonus, den sie sich mit guten Leistungen verdient hat. Ihr Vertrag in Frankfurt läuft bis 2028. Ist danach Schluss? Der einzige große Wunsch, der in meiner Karriere noch offen war, war LA. Den habe ich mir erfüllen können. Mittlerweile ist Frankfurt meine fußballerische Heimat und ich kann mir daher sehr gut vorstellen, meine Karriere hier zu beenden. Ob ich noch mal ein Jahr verlängere, wird von meiner körperlichen Verfassung abhängig sein.