WM 2026 wieder ohne Italien: Was das mit der nächsten Generation macht

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Der viermalige Weltmeister scheitert erneut an der WM-Qualifikation. Und abgesehen vom sportlichen Desaster passiert etwas viel Dramatischeres. Ein sehr persönlicher Blick auf die Squadra Azzurra. Ich bin hier geboren und lebe hier, habe aber italienische Wurzeln und beide Staatsbürgerschaften. Genauso wie mein 18-jähriger Sohn. Fußball war für uns immer auch ein Stück Herkunft. Weltmeisterschaften waren die Momente, in denen sich das ganz konkret angefühlt hat – auf der Straße, vor dem Fernseher, im Gespräch mit Familie und Freunden. Man musste nichts erklären. Es war zwar immer schon viel Leiden dabei, damit konnte man aber leben, solange es noch das ein oder andere Happy End auf dem Rasen gab. Kurz: Italien-Fan, Tifoso zu sein, heißt: Fühlen. Italien fährt nicht zur Weltmeisterschaft . Schon wieder. Und so langsam ist das keine große Schlagzeile mehr, sondern ein Zustand. Früher war das undenkbar. Italien gehörte einfach dazu – nicht immer brillant, nicht immer schön, aber präsent. Eine Mannschaft, die bei Turnieren ihre eigene Logik hatte. Und genau deshalb hat man sie ernst genommen, auch in Deutschland. Und jetzt? Jetzt erklärt man. Nun bleibt aber nur eines: Man erklärt, warum Italien schon wieder nicht dabei ist. Warum ein viermaliger Weltmeister es nicht schafft, sich – bei allem Respekt für Bosnien-Herzegowina – gegen einen Gegner durchzusetzen, der früher keine echte Hürde gewesen wäre. Und man merkt selbst, wie dünn diese Erklärungen klingen: Dass ein 20-Jähriger den ersten Elfmeter nicht schießen sollte. Dass Gattuso als Trainer viel zu unerfahren ist. Dass Verbandspräsident Gravina dringend notwendige Reformen im italienischen Fußball seit Jahren verschleppt. Alles auch richtig, aber alles im Grunde unerheblich. Das eigentliche Problem ist nicht nur das Verpassen eines Turniers. Es ist die Gewöhnung daran. Es droht auch der nächsten Generation Es wächst eine Generation heran, die Italien bei Weltmeisterschaften nicht erlebt hat. Für die dieses "Dabei sein" keine Selbstverständlichkeit mehr ist, sondern eher eine entfernte Erinnerung anderer. Als Italien das letzte Mal bei einer WM ein Tor geschossen hat, war mein Sohn sieben Jahre alt und auf dem Platz stand noch Daniele de Rossi. Mein Sohn muss seit Jahren der personifizierten Mittelmäßigkeit von Bryan Cristante zusehen, ob im Nationalteam oder bei der Roma. Das macht etwas mit uns Italienern. Genau das sollte zu denken geben. Denn was in meiner Generation – und das weiß ich nicht nur von mir, sondern auch von Cousins und Freunden in Italien – gerade passiert, droht auch der Generation unserer Kinder. Ein geradezu neidischer Blick Denn Tradition allein trägt nicht ewig. Auch nicht im Fußball. Wenn die großen Momente ausbleiben, entstehen keine neuen Erinnerungen. Und ohne Erinnerungen wird selbst eine große Fußballnation eines Tages abstrakt. Und das ist auf Dauer mehr als nur ein sportliches Problem. Ich habe gestern fast neidisch auf die Trauer und Wut meines Sohnes geblickt. Denn mein Gefühl war eines, das ironischerweise zur italienischen Nationalmannschaft passt: Teilnahmslosigkeit.
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