WM in den USA: Jürgen Klinsmann warnt DFB-Team vor großem Fehler

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Jürgen Klinsmann weiß, was bei der WM in den USA auf die deutsche Nationalelf zukommen wird. Er warnt den DFB davor, einen großen Fehler noch einmal zu begehen. Mit den Länderspielen am Freitagabend in der Schweiz und drei Tage später gegen Ghana (jeweils ab 20.45 Uhr im Liveticker bei t-online) startet die deutsche Nationalmannschaft in die heiße Phase der WM-Vorbereitung. "Du musst es im September ja dann ausbaden": Klopp als Schattenbundestrainer "Das ist alles Blödsinn": Bei dieser Frage redet sich Klopp in Rage Das veränderte alles: Droht dem FC Bayern ein bitteres Déjà-vu? Der Auftakt der Nationalelf ins WM-Jahr ist nämlich gleichzeitig auch schon so etwas wie die Generalprobe für das Turnier im Sommer in Amerika. Jürgen Klinsmann wird die Partien mit besonderem Interesse verfolgen. Der ehemalige Bundestrainer gilt sozusagen als Vater des Sommermärchens von 2006 in Deutschland, bei dem er das DFB-Team bis auf Platz drei führte. Ob die WM genau 20 Jahre später in den USA, Kanada und Mexiko für die deutsche Mannschaft erneut zu einem solchen Erfolgserlebnis werden kann? Unter anderem darüber spricht Klinsmann im Interview mit t-online. t-online: Herr Klinsmann, in der vergangenen Woche haben Sie auf dem Weg von den USA nach München fast 10.000 Flugkilometer zurückgelegt, um dort mit Ihren Weltmeisterkollegen von 1990 im Rahmen einer Kino-Doku zum Titelgewinn zusammenzukommen. Zeigt allein das, wie wichtig Ihnen allen diese Treffen sind und wie groß Ihre Verbundenheit ist? Jürgen Klinsmann: Es ist immer wunderschön, wenn wir Gelegenheit haben, mit der Truppe zusammenzukommen. Wir machen das so oft wie möglich. Das ist etwas Besonderes. Dass jetzt so viele Jahre später so eine Dokumentation noch mal gemacht wurde, das ehrt natürlich. Und gibt uns wieder die Möglichkeit, uns zu treffen. Die wollten wir alle nutzen. Wie sehr wurden vor allem Ihr damaliger Teamchef Franz Beckenbauer und der Finaltorschütze Andreas Brehme, die beide vor knapp zwei Jahren verstorben sind, dabei vermisst? Natürlich trübt das das Bild. Das gilt auch für Frank Mill, der leider von uns gegangen ist. Aber das sind halt die Rückschläge, die das Leben mit sich bringt, und das tut uns allen weh. Jeder hatte seine besondere Beziehung zu ihnen. Aber trotzdem lebt diese Mannschaft. Die hat so viel Ausstrahlung, Energie und Wertschätzung füreinander über die letzten 36 Jahre. Das wird nie mehr weggehen und das ist etwas sehr Schönes. Im Rahmen der Premiere sagten Sie, dass Sie der aktuellen Mannschaft den Gewinn des WM-Titels im Sommer durchaus zutrauen. Was macht Sie da so optimistisch? Das Allerwichtigste ist, dass du Qualität hast in deiner Mannschaft. Und diese Mannschaft jetzt hat enorm viel Qualität. Von daher können wir mit allen Favoriten um den Titel absolut mitreden. Dafür müssen die Spieler es sich aber auch zutrauen, sie brauchen das notwendige Selbstvertrauen. Und natürlich brauchen sie Widerstandsfähigkeit und müssen zäh sein bis zum Ende. Wie meinen Sie das genau? Diese Weltmeisterschaft ist eine neue Form mit 48 Mannschaften, dauert fünfeinhalb Wochen als reines Turnier, davor kommt dann noch die Vorbereitung hinzu. Also das ist das strapaziöseste WM-Turnier aller Zeiten. Da hoffe ich, dass sie diese Zähigkeit haben, diesen Willen, wenn die Knochen dann nach dem x-ten Spiel wehtun. Aber die Qualität haben sie allemal. Gilt das auch für den deutschen Sturm? Absolut. Die Neuner, die wir zur Verfügung haben, ob das Niclas Füllkrug ist, ob das Deniz Undav , Nick Woltemade oder auch andere sind, haben Qualität. Dann haben wir unsere Außenspieler – Julian Nagelsmann kann auch mit einer falschen Neun und zum Beispiel mit Kai Havertz spielen. Er hat ja alle Varianten zur Verfügung. Da ist absolut genügend Qualität da, gerade wenn man es mit den anderen Favoriten vergleicht. Wer ist das für Sie genau? Das sind für mich die üblichen, die vier, fünf großen Teams in Europa und die zwei großen Mannschaften aus Südamerika. Die werden das zum Schluss untereinander ausspielen. Und was die Auswahl im Sturm betrifft, hat Nagelsmann da im Vergleich die Qual der Wahl. Das wird gar nicht einfach für ihn. Sein Vorteil ist, dass er 26 Spieler mitnehmen darf. Wie sehen Sie Julian Nagelsmann insgesamt, der mit 38 Jahren der bislang jüngste Bundestrainer ist, der die Nationalelf jetzt zu einer WM führen wird? Er ist ja auch Ihr Nachfolger und der von Franz Beckenbauer. Wie schwer ist dieses Erbe möglicherweise auch für ihn? Ich bin da zuversichtlich. Er hat einen guten Draht mit den Jungs, weil er natürlich auch vom Alter her weiß, wie er mit denen zu kommunizieren hat. Da scheint eine gute Energie da zu sein. Wir von außen können das aber eigentlich gar nicht richtig beurteilen. Das müssen die intern machen, wenn sie miteinander in der Vorbereitung sind oder auch in den Trainingslagern. Aber er hat so viel Erfahrung jetzt gesammelt, die letzten Jahre auch natürlich beim FC Bayern und zuvor bei anderen Klubs. Ich traue ihm das allemal zu, gar kein Thema. Dass der Rudi mit dabei ist und das Ganze auch ein bisschen, ich sag mal von oben herab beobachtet, also mit einer gewissen innerlichen Distanz, ist sehr wichtig. Weil er einfach vier, fünf Jahrzehnte Erfahrung hat. Was braucht es, um so eine Weltmeisterschaft auch als Trainer zu coachen? Wie geht man so ein Turnier an? Letztendlich bist du als Nationalmannschaft ein Spiegelbild deines Landes, deiner Gesellschaft. Alles, was sich hier jetzt im Moment im Land abspielt, spiegelt sich auch bei der Nationalmannschaft. Deswegen sind die Weltmeisterschaften jeweils auch zu einem ganz, ganz speziellen Zeitpunkt gewonnen worden. Das war schon bei den 54ern so. Wir (die 90er-Weltmeister; Anm. d. Red.) waren so das Wiedervereinigungsteam. 74 war natürlich eine ganz goldene Ära mit Franz (Beckenbauer; Anm. d. Red.) und den ganz Großen. Aber auch zu einem sehr kritischen politischen Zeitpunkt. Wie blicken Sie jetzt auf die aktuellen globalen Entwicklungen? Jetzt ist es eine ganz neue Situation in der Welt, wo es drunter und drüber geht. Und diese Mannschaft wird das widerspiegeln, was ihr dann auch die Deutschen eben mit auf den Weg geben. Ich hoffe, dass das ein ganz positiver Ansatz ist, dass man sich etwas zutraut, dass man Selbstvertrauen hat, dass man Respekt hat vor dem, was auf einen zukommt in Mexiko, Kanada und den USA. Und ich hoffe vor allem, dass man sich null Komma null auf irgendetwas Politisches einlässt, wie sie es leider in Katar gemacht und damit alles kaputt gemacht haben. Sie leben ja seit vielen Jahren in den USA. Wie bedenklich sind die aktuellen Entwicklungen dort? Kann dort überhaupt eine normale Weltmeisterschaft stattfinden oder wird es nicht zwangsläufig auch eine politische? Wir hoffen alle, dass es eine reine Fußballweltmeisterschaft wird. Diesen Wunsch haben wir alle und den werden wir jeden Tag aussprechen. Ob es dann tatsächlich so sein wird, da stecken wir nicht drin. Aber ich glaube, die Mannschaft muss sich rein auf das Fußballerische konzentrieren. Und auf die Aufgaben, die da vor ihr liegen, auch auf die langen Reisen. Es kommt ja auch noch ein zusätzliches Spiel dazu. Wenn du Weltmeister werden willst, dann musst du jetzt acht Spiele erfolgreich gestalten. Die Strapazen, die auf die deutsche Nationalelf zukommen, sind groß. Die sind aber auch für alle Mannschaften genauso groß. Wie nehmen Sie die aktuelle Stimmung in den USA vor der WM war? Amerika ist, das habe ich immer gesagt, ein Land der Extreme – im Guten wie auch im Schlechten. Und darauf muss man sich einstellen, da kann heute alles Mögliche passieren und morgen die nächste Schocknachricht kommen. Aber es ist auch ein fantastisches Land, weil es dir alle Möglichkeiten gibt, dich zu entfalten. Ich lebe jetzt seit fast 30 Jahren in den USA. Natürlich war und bin ich auch immer hier in Europa oder in der Welt auch trainermäßig unterwegs. Aber ich weiß dieses Land auch zu schätzen. Und ganz speziell Kalifornien, da gibt es wunderschöne Seiten, wundervolle Menschen, die sich riesig auf diese Weltmeisterschaft freuen. Alle in Amerika freuen sich auf diese WM. Die wollen ein Super-Gastgeber sein. Die WM wird eine Mammutveranstaltung über von fünfeinhalb Wochen mit 48 Mannschaften. Da geht es drunter und drüber, nach Kanada hoch und nach Mexiko runter. Aber das wird ein Riesenspaß, ein Spektakel, das seinesgleichen sucht.
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