WM: Überhöhte Ticketpreise – Die Fifa tritt die Fußballfans mit Füßen

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Der Fußball-Weltverband zieht seinen Anhängern immer schamloser das Geld aus der Tasche. Ein neues Verkaufsportal für WM-Tickets treibt den Irrsinn auf die Spitze. Für den Sport ist das eine große Gefahr. 69 Tage sind es noch bis zum Start der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko, ein paar Tage länger dauert es, bis die deutsche Nationalmannschaft zum ersten Mal ins Turnier eingreift. Am 14. Juni startet die Elf von Bundestrainer Julian Nagelsmann mit dem Spiel gegen Fußball-Zwerg Curaçao. Sie überlegen noch, sich auf den letzten Drücker eine Karte für die Partie in Houston zu besorgen? Dann müssen Sie auf das erst am vergangenen Mittwoch eröffnete Weiterverkaufsportal des Fußball-Weltverbands Fifa zurückgreifen. Dort können Ticketeigentümer ihre Karten "ganz offiziell" anbieten und Interessenten, die bisher leer ausgegangen sind, können doch noch Karten für ihre Wunschspiele finden. Mit dem eigens eingerichteten Service wolle man "Personen vor ungültigem oder unzulässigem Weiterverkauf/Tausch schützen", heißt es dazu vom Weltverband. Die Wahrheit ist eine andere: Bei dieser WM 2026 tritt die Fifa ihre eigenen Fans mit Füßen. Und verrät ihre Grundprinzipien. Der Profitgier sind keine Grenzen gesetzt Bisher blickte der Fußballfan stets mit Kopfschütteln auf Meldungen aus den USA rund um den Super Bowl , das gigantisch dimensionierte Endspiel der Football-Liga NFL . Dort ist es längst weithin akzeptiert, dass für die abstrus teuren Tickets auch mal Kredite in der Höhe eines Autopreises aufgenommen werden müssen. Jetzt aber hat die Fifa eine Entwicklung angestoßen, die das alles nicht nur konterkariert, sondern zu zerstören droht. Es droht eine Zweiklassengesellschaft auf den Rängen. Eine Fußballwelt, in der der Gang ins Stadion für viele unmöglich werden könnte. Eine Fußballwelt, in der Geld sowohl auf dem Platz als auch auf der Tribüne regiert. Denn in diesem nun stolz beworbenen Weiterverkaufskonzept sind Maßlosigkeit und Profitgier keine Grenzen gesetzt: WM-Tickets werden zu horrenden Preisen angeboten – und die Fifa verdient tüchtig mit. Fast 3.500 Euro für ein deutsches Vorrundenspiel Zu welchen Auswüchsen das führt? Für das Spiel der DFB-Elf gegen Curaçao wird im Fifa-Portal beispielsweise ein Ticket in Block 717 angeboten, der dermaßen weit außen am Rand der Bestuhlung der Arena ist, dass Zuschauer mit eingeschränkter Sehkraft auch gut und gerne ein Fernglas benötigen könnten. Ursprünglicher Preis für die Karte: 70 US-Dollar , knapp 60 Euro also. Weiterverkaufspreis: 1.012 US-Dollar, gut 880 Euro. Eine Steigerung von gut 1350 Prozent. Allerdings: Auf diesen grotesken Preis werden nochmals über 150 US-Dollar (knapp 130 Euro) aufgeschlagen – die Fifa kassiert nämlich üppige 15 Prozent "Weiterverkaufsbearbeitungsgebühr" ein. Insgesamt müssen dann also 1.163,80 US-Dollar gezahlt werden, knapp 1.010 Euro. Noch empörender der aufgerufene Preis für ein Ticket in Block 638 auf der Gegentribüne, in noch großzügiger Entfernung zum Geschehen. Ursprünglicher Verkaufspreis: 400 US-Dollar (ca. 350 Euro). Weiterverkaufspreis inklusive der obskuren Gebühr: 3.450 US-Dollar (ca. 3.000 Euro). Den Fußball prägte immer seine Zugänglichkeit "Geschützt" werden mit diesem Geschäftsmodell einzig skrupellose Opportunisten, die sich mit fast krimineller Energie auf Kosten echter Fans die Taschen vollmachen wollen. Und die Funktionäre aus der Fifa-Zentrale in der Schweiz stellen sich als Gipfel der Dreistigkeit auch noch als Gerechtigkeitskämpfer für die Interessen derer dar, die noch aus Liebe zum Spiel ins Stadion wollen und nun doch schließlich die Möglichkeit haben, noch an Karten zu kommen. Die Ticketpreise wurden übrigens schon im regulären Verkauf durch das nachfragebasierte "Dynamic Pricing" in die Höhe getrieben. Der Fußball lebte immer davon, dass er für alle da ist. Auch das macht seine Faszination aus. Der Fußball ist Allgemeingut, gesellschaftsstiftend, erschwinglich für jeden. Geschäftsleute und Akademiker spielen und schauen ihn genauso wie Studienabbrecher oder Arbeitssuchende. Im Stadion stehen, sitzen, jubeln, trauern sie nebeneinander. Vielen, die nicht erst am Monatsende nichts mehr haben, ist der Fußball die einzige Ablenkung vom täglichen Elend. Der Fußball-Weltverband, sein windiger Chef Gianni Infantino und seine nicht minder windigen Erfüllungsgehilfen schmücken sich auch gerne mit den Abermillionen leidenschaftlicher Fußballfans weltweit, mit ihren Emotionen, ihrem Enthusiasmus. Mit warmen Worten wird ihre Bedeutung für den Sport betont. In Live-Übertragungen werden immer exzessiver Zuschauerreaktionen auf den Rängen in Großaufnahme gezeigt. So aber ist die Fifa nichts anderes als ein Hehler – denn nichts anderes als Diebesgut wird hier vertickt – aus einem großen Diebstahl an den Fußballfans.
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