Neue Komödie aus dem Pott: Ist das Kunst oder kann das weg?

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Gerrit Starczewski bringt die Pott-Gesichter wieder auf die Leinwand: Glockenhorst, VfL Jesus, Schalke-Johnny – alle mit dabei. Das Erstaunliche: Es funktioniert.Eines vorweg: Wer bei diesem Streifen einen klassischen Spielfilm erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Die Fortsetzung der Pott-Komödie "Glanz, Gesocks und Gloria" von Profi-Fotograf und Regisseur Gerrit Starczewski ist – ohne Drehbuch gedreht – zugestopft mit Klischees des Ruhrgebiets und porträtiert echte Pott-Gesichter. Glockenhorst, VfL Jesus, Schalke-Johnny und auch Tanki – alle mit dabei. Die Handlung des Films: Nebensache!Dennoch sei sie kurz erwähnt: So geht's in dem zweistündigen Streifen um den Fetischisten Martin, der auf getragene Hochglanz-Shorts steht, und von VfL Jesus sowie dem Tankwart a.D. total verarscht wird – da die beiden die Dinger im Netz verkaufen und so tun, als habe die hübsche Lisa die Shorts zuvor getragen. Auf dem Straßenstrich erkennt Martin seine Angebetete dann wieder: "Halli Hallo!"Parallel erzählt der Regisseur aber auch die Geschichte des wahnsinnig erfolglosen Schlagersängers Helmut – gespielt von DJ Hell. Von sich selbst ist der schleimige Schlagerinterpret – "bin Platz eins der Hasenscharts" – äußerst überzeugt und beleidigt seine über 60-jährigen weiblichen Fans aufs Tiefste.Die Einen werden sagen, "da kann man sich ja gleich einen 80er-Porno anschauen." So gibt es in der Tat Sexszenen mit Vokuhila, Nutten und auch Dosenbier. Während der Dreharbeiten seien diese sogar durch einen Polizeieinsatz unterbrochen worden, erzählt der Regisseur des Films in Dortmund. Spaziergänger hätten die nachgestellten Strichszenen für echt gehalten und die Polizei angerufen.Doch so einfach lässt sich das Werk nicht als Trash wegtun: Die Story lebt in ihren porträthaften Sequenzen von charakterstarken echten Originalen, die sich allesamt selber spielen. Und damit liefert der gelernte Fotograf Gerrit Starczewski ein einzigartiges Dokument des Ruhrgebiets."Einzigartige und tolle Menschen"Der Film zeigt die Originale in ihren Biotypen: zu Hause, in ihren Autos und auf dem Fußballplatz. Und diese Orte samt deren Menschen sind im Ruhrgebiet längst nicht ausgestorben – teils sind sie mit viel Alkohol unterwegs, nicht immer politisch korrekt, aber immer mit Herzblut bei der Sache.Und genau darum geht's auch Starczewski: "Alle, die hier mitgemacht haben, sind wirklich einzigartige und tolle Menschen, für die es sich lohnt, sich einzusetzen", erzählt der 36-Jährige im Gespräch mit t-online. "Und ja, das ist für mich das Ruhrgebiet. Immer herzlich und eben auch mal derbe", so der Regisseur. Letztendlich ergibt sich durch die improvisierten Szenen ein zusammengefügtes Mosaik der Pott-Originale – deren Ebenbilder genauso an irgendeiner Trinkbude in Stadionnähe stehen könnten. "Auch die Punks sind ja nicht ausgedacht – die gibt ja alle wirklich", so der Regisseur.Finanziert wurde der Film hauptsächlich vom Regisseur selbst und mit Sponsorengeldern. Mit allen Streitereien – die lassen sich bei so einem Projekt mit so vielen Koryphäen wohl nicht vermeiden – seien sie auf eine Summe von 70.000 Euro gekommen. "Davon werden beim Tatort die Toilettenwagen bezahlt", scherzt der Regisseur. Viele der Darsteller, etwa 1Live-Moderator Klaus Fiehe oder auch der Ex-Fußballprofi Peter Közle, haben ohne Bezahlung mitgemacht. Nachdem es Streitigkeiten mit dem Kameramann gegeben habe, "haben wir hierfür Ersatz gesucht, 20 Tage waren bereits abgedreht". Ein Zahnarzt habe übernommen, "super Typ, aber eben kein Profi", sagt Starczewski. Letztendlich hat doch noch alles geklappt. "Den Aufwand kann sich keiner vorstellen. Ich bin wirklich stolz auf die gesamte Crew. Es gibt hier Typen, die können doch keine drei Sekunden still halten." In ausgewählten Kinos ist der Film noch bis zum 2. November zu sehen. So läuft er etwa am Donnerstag in Bochum, am 30. September in Köln, und am 6.10 in Gelsenkirchen.
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