ZDF-Star Judith Hoersch: "Ich halte meine Beziehung heute privater"

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Sie ist nicht nur Schauspielerin, sondern auch Autorin und Mutter. Mit t-online spricht Judith Hoersch über Social Media, ihre Tochter und Spekulationen über ihre Beziehung. Seit sieben Jahren verkörpert Judith Hoersch eine Hebamme in einem bayerischen Bergdorf: In der ZDF-Heimatreihe "Lena Lorenz" begleitet sie werdende Mütter durch Schwangerschaft und Geburt. Aktuell läuft die zwölfte Staffel. Parallel ist die 45-Jährige seit Januar auch Autorin. Ihr Debütroman "Niemands Töchter" erzählt Frauenschicksale über vier Jahrzehnte. Im Gespräch mit t-online erklärt Hoersch, warum sie ihre Tochter online bewusst nicht zeigt, wie sich ihr Umgang mit der Öffentlichkeit verändert hat und warum sie ihre Beziehung mit Kameramann Joe Berger heute lieber privater hält. t-online: Ihr Instagram-Account wirkt heute deutlich beruflicher als früher – viel weniger Privates. Ist das eine bewusste Strategie? Judith Hoersch : Das hat zwei Gründe. Erstens habe ich gemerkt, dass sich gewisse Medien immer daran bedienen und ich dann keine Kontrolle mehr darüber hatte, was daraus gemacht wurde. Zweitens gibt es so viel mehr zu erzählen als nur Privates. Ihr Kind zeigen Sie bewusst nicht. Ich finde es verwerflich und naiv, wenn man sein Kind online zeigt – selbst auf Privataccounts. Man weiß inzwischen, was mit den Fotos passieren kann. "Nie öffentlich gemacht": Der berühmte Ex von ZDF-Star Eva Mattes Eva Mattes: "Das wurde mir noch nie nahegelegt" Früher gab es auf Ihrem Account öffentliche Liebesbekundungen an Ihren Partner. Heute nicht mehr. Ist das auch eine bewusste Entscheidung? Ja, man entwickelt sich als Person einfach weiter. Ich habe in der Vergangenheit gewisse Sachen gepostet, bei denen ich heute denke: Das will ich jetzt nicht mehr. Damals war ich auch noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit, das Interesse war ein anderes. Mittlerweile hat sich das verändert, und es hat mich gestört, wie oft Medien meine privaten Postings aufgegriffen und daraus eine Geschichte gemacht haben. Ich wollte wieder eine andere Form der Freiheit haben – und es ist immer gut, wenn man auch ein paar Geheimnisse für sich behält (lacht). Ich habe damals gerne geteilt, aber dachte dann irgendwann: Wenn man sieben Jahre später immer noch darauf angesprochen wird, ist das auch nicht richtig. Können Sie auch nachvollziehen, dass Ihre neue Zurückhaltung Nährboden für Spekulationen rund um ein Liebes-Aus mit Ihrem Partner ist? Darauf bin ich gar nicht gekommen (lacht). Wir sind nicht getrennt. Wenn wir uns trennen würden, würden wir sicherlich gemeinsam entscheiden, ob wir das öffentlich machen oder nicht. Mein Partner mag diese Öffentlichkeit auch gar nicht so gerne, ihm war das immer ein bisschen unangenehm. Inwiefern? Er likt alle meine Posts, aber kommentiert sie nicht. Irgendwann habe ich das mal bei ihm angesprochen, und er hat mir erklärt, dass er nicht möchte, dass das alle Leute mitlesen können. Was gehört Ihrem Verständnis nach in die Öffentlichkeit? Ich bin sehr wahrheitsverbunden und würde sagen, dass in die Öffentlichkeit echte Menschen gehören, bei denen nicht alles poliert ist. Ich möchte mich auch als Mensch zeigen, so wie ich bin. Aber was ich nicht möchte, ist, dass einige Medien damit irgendwelche Sachen erfinden oder irgendetwas hineininterpretieren. Auch deshalb habe ich gewisse Dinge von meinem Social-Media-Profil runtergenommen – damit man mir auch andere Fragen stellt. Und ein paar private Einblicke gibt es bei Ihnen ja nach wie vor in den sozialen Medien … Ja, ich zeige mich dort zum Beispiel auch mal ungeschminkt und nicht nur bei irgendwelchen Fotoshootings. Es gibt halt Phasen, in denen beruflich viel ansteht und das Private ein bisschen in den Hintergrund rückt. Was ich heute privater halte als früher, ist meine Beziehung – um sie zu schützen. Sie plädieren für ein Social-Media-Verbot bei Kindern und Jugendlichen. Warum? Wie sollen Kinder es schaffen, sich im Umgang mit sozialen Medien zu regulieren, wenn wir Erwachsenen das schon nicht hinkriegen? Diese Plattformen sind so konzipiert, dass man süchtig wird und immer weiter scrollt. Außerdem hätte ich die Sorge, dass junge Menschen in der Pubertät, wenn sie sowieso schon auf hoher See mit ihrer eigenen Findung sind, an falsche Vorbilder geraten. Mit 14 hat man noch keinen ausgeprägten Kompass. Ich hoffe, dass meine Tochter erst Zugang zu Social Media bekommt, wenn sie in ihrem Charakter wirklich gefestigt ist. Befördert Social Media auch eine ästhetische Gleichmacherei? Durch soziale Medien wird das Normschöne weiterverbreitet: Alle sehen gleich aus. In meiner Jugend konnte man am Kleidungsstil den Musikgeschmack des anderen erkennen. Heute wirken auf mich viele geklont. Ich bin nicht dagegen, dass mein Kind den Umgang mit Computern erlernt. Aber ich bin gegen die frühe Nutzung von sozialen Medien. Wie sieht Ihr eigenes Nutzungsverhalten aus? Ich versuche, vor meiner Tochter nicht am Handy zu sein – und morgens auch nicht schon im Bett. Wahrscheinlich scrollt jeder zweite Deutsche erst einmal am Handy, nachdem er den Handywecker ausgemacht hat. Aber das habe ich mir nie angewöhnt. Was werden Sie Ihrer Tochter sagen, wenn Kinder um sie herum Zugriff auf Social Media bekommen? Wir reden jetzt schon darüber. Es gibt tatsächlich Kinder – man glaubt es kaum –, die schon im Alter von sieben Jahren ein Handy oder eine Smartwatch bekommen. Das ist fatal, weil man Kinder dann schon auf das Gerät konditioniert. Was sagen Sie Ihrer Tochter dann? Ich habe keine Ahnung, was ich machen werde, wenn ihre Fragen zunehmen. Ich versuche, ihr einfach zu erklären, dass ich das nicht tue, um ihr etwas zu nehmen, sondern um ihr etwas zu geben. Ich verbiete ihr nichts – ich mache ihr damit ein Geschenk. Die Generation davor war wie eine Art Versuchslabor, und man hat festgestellt, dass Konzentrationsschwierigkeiten, ADHS und Neurodiversität zunehmen. Ich hoffe sehr auf eine Regulierung durch die Politik, damit wir Eltern diesen Kampf nicht alleine führen müssen. Ich habe keine Lust, mit meinem Kind die ganze Zeit zu streiten, weil es denkt, ich bin die böse Mutter. In Ihrem Debütroman "Niemands Töchter" geht es auch um die Prägung von Müttern an Töchtern. Welche Prägungen Ihrer Mutter arbeiten Sie selbst bis heute vielleicht noch ab? Ich glaube, sich nicht ausruhen zu dürfen. Mittlerweile hat meine Mutter das in ihrem Rentendasein gut gelernt. Aber in meiner Familie waren alle wahnsinnig fleißig. Es wurde auch nie Schwäche gezeigt: Wenn man krank war, hat man sich nicht einfach mal ins Bett gelegt, sondern eine Kopfschmerztablette eingenommen und weitergemacht. In Maßen ist das auch nicht verkehrt. Ja, ich bin auch froh über diese Prägung. Als Künstlerin bin ich ja nicht geschützt: Wenn ich nicht aufstehe, macht kein anderer meinen Job. Ich bekomme auch kein Krankengeld, wenn ich ausfalle. Unabhängigkeit ist Ihnen wichtig. Ich bin mit dem Bewusstsein groß geworden, dass man sein eigenes Geld verdient und komplett unabhängig ist. Ich brauche keinen Partner, um über die Runden zu kommen – und werde das hoffentlich auch nie brauchen. Entscheidungen kann man vor allem treffen, wenn man frei ist. Und Freisein hat leider auch ganz viel mit Geld zu tun. Wenn man kein Geld hat, ist man oft in Strukturen gefangen, in denen man nicht unbedingt bleiben will. Was halten Sie vor diesem Hintergrund davon, dass Bundeskanzler Merz wiederholt das Narrativ bedient, die Deutschen seien nicht mehr tüchtig genug? Ich erlebe sehr viele fleißige Menschen um mich herum und bewundere die jüngeren Generationen, die sich nicht jeden Tag für eine Firma den Rücken krumm machen möchten. Die haben einen anderen Blick und fragen sich: Warum muss ich mich für die Erträge anderer Menschen eigentlich so abrackern? Sie wachsen auch nicht mehr mit dem Bewusstsein auf, einen Beruf zu erlernen und dem nachzugehen, bis man tot umfällt. Was soll Ihre Tochter über Sie erfahren, wenn sie "Niemands Töchter" vielleicht in zehn Jahren einmal selbst liest? Ich hoffe, dass sie das Buch toll findet (lacht). Es ist ein fiktionaler Stoff, aber meine Werte schwingen natürlich mit: Man soll die Wahrheit sprechen. In vielen Familien wird viel geplappert, aber nicht viel miteinander gesprochen. Dabei wäre es toll, wenn Kinder heute ihren Eltern sagen können, dass sie etwas verletzt hat oder dass sie sich damals nicht gesehen gefühlt haben – und die Eltern nicht sofort in die Abwehr gehen, sondern erst mal zuhören und anerkennen, wie es beim Kind angekommen ist. So eine Gesprächskultur haben wir aber nie gelernt.
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