Artemis 2: Wettlauf zum Mond – wozu die Mission wirklich nützt

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In einer Raumkapsel sollen Astronauten in den kommenden Tagen den Mond umrunden. Die Mission gilt als Vorbereitung für eine Landung auf dem Erdtrabanten. Und sie ist ein kleiner Schritt für die Menschheit. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach den letzten bemannten "Apollo"-Mondmissionen der USA befinden sich wieder Astronauten auf dem Weg zum Mond. Mit der "Orion"-Raumkapsel, die am Donnerstag startete , begann aber nicht nur eine neue Ära der Raumfahrt. Die Mission entfacht auch eine alte Debatte: Warum investieren Staaten wie die USA Milliarden in solche Raumfahrtmissionen, während es auf der Erde Krisen wie Klimawandel , Kriege und andere Katastrophen zu bewältigen gilt? Die einfache Antwort: Raumfahrtprogramme wie "Artemis" existieren nicht trotz der Probleme auf der Erde, sondern ihretwegen. Denn die Erkenntnisse, die sich Forscher mithilfe von Missionen im All erhoffen, könnten viele der irdischen Probleme lösen. "Artemis 2": Hier sehen Sie den Mondflug live Wettrennen mit China : Den USA droht eine historische Niederlage Teilweise haben sie das sogar schon getan. Etliche Technologien, die heute selbstverständlich sind, haben ihren Ursprung in der Raumfahrt. Dazu gehören verbesserte Solartechnologien, Satellitennavigation und medizinische Verfahren, die etwa bei Herzerkrankungen angewendet werden. Der Mond als Rohstofflieferant Der Mond soll künftig auch als Testumgebung für weitere Innovationen dienen, die nur unter den extremen Bedingungen auf der Mondoberfläche erforscht werden können. Dazu zählen etwa geschlossene Systeme zur Luft-, Wasser- und Nahrungsversorgung, die das Überleben in einer lebensfeindlichen Umgebung ermöglichen und auch in Regionen auf der Erde mit knappen Ressourcen eingesetzt werden könnten. Zudem wollen Forscher beim "Artemis"-Mondprogramm auch an Verfahren arbeiten, um Rohstoffe wie Wasser und Sauerstoff direkt aus dem Mondgestein gewinnen zu können. Darum sollen die Raumfahrer auch am Südpol des Mondes landen, wo diese Rohstoffe nach bisherigen Erkenntnissen wohl ausreichend vorhanden sind. Solche Ansätze liefern langfristig auch neue Impulse für Recycling- und Kreislauftechnologien auf der Erde. Kritiker sehen in der neuen Mondmission trotzdem vorwiegend ein geopolitisches Machtinstrument zwischen großen Nationen. Das stimmt. Wie schon im Kalten Krieg ist Raumfahrt auch heute ein Symbol technologischer und politischer Macht. Staaten wie die USA und China konkurrieren um Einfluss, Prestige und um Ressourcen im All. Raumfahrt als Inspiration für die junge Generation Bei Raumfahrtmissionen gibt es darüber hinaus aber auch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Faktor: die gesellschaftliche Wirkung. Große Raumfahrtprojekte wie die "Apollo"-Missionen haben ganze Generationen inspiriert, Wissenschaft und Technik vorangetrieben und ein Gefühl globaler Zusammenarbeit erzeugt. Bestes Beispiel: Auch nach dem russischen Überfall auf die Ukraine arbeiten Europäer, US-Astronauten und Kosmonauten auf der ISS seit Jahren weiter zusammen. Auch beim "Artemis"-Mondprogramm arbeitet die Nasa diesmal mit anderen Ländern zusammen, vor allem mit europäischen Staaten. Ein wichtiges Teil des "Orion"-Raumschiffs zur Versorgung der Astronauten kommt etwa von der Esa, der Europäischen Raumfahrtagentur. Bei den "Apollo"-Missionen zwischen 1969 und 1972 war das anders. Da gab es diese Zusammenarbeiten nicht. Somit sind Missionen wie das "Artemis"-Programm weder eine bloße Geldverschwendung noch eine unmittelbare Lösung für die Krisen der Gegenwart. Sie bewegen sich irgendwo dazwischen im Spannungsfeld zwischen Fortschritt, politischem Interesse und wirtschaftlichen Erwartungen. Die Frage ist daher nicht, ob wir uns die Raumfahrt bei all den Krisen leisten können, sondern wie wir trotz der Herausforderungen mit ihr die Probleme auf der Erde bewältigen können.
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