Zwei Menschen können gleich alt sein, aber trotzdem völlig unterschiedlich altern. Ein neuer Bluttest zeigt jetzt, wie stark Ihr Körper tatsächlich gealtert ist. Das Alter im Ausweis sagt wenig darüber aus, wie gesund ein Mensch ist. Neue Forschung zeigt: Entscheidend ist vielmehr, wie stark der Körper biologisch gealtert ist. Ein internationales Team unter Leitung der Universität Konstanz hat nun eine Methode entwickelt, die das biologische Alter bestimmt. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal "Aging Cell". Biologisches Alter erklärt große Unterschiede Das chronologische Alter beschreibt die Lebensjahre eines Menschen. Das biologische Alter dagegen zeigt den tatsächlichen Zustand des Körpers. Dieses hängt von Lebensstil, Umwelt und genetischen Faktoren ab. Deshalb können gleichaltrige Menschen gesundheitlich weit auseinanderliegen. Während der eine körperlich fit bleibt, altert der andere deutlich schneller. Genau hier setzt die neue Methode an. Forscher analysieren Blutwerte Die Forscher untersuchten rund 3.300 Menschen aus acht europäischen Ländern. Sie analysierten pro Person 362 sogenannte Biomarker. Das sind messbare Stoffe im Blut, die Hinweise auf Prozesse im Körper geben. Studienleiterin Maria Moreno-Villanueva erklärte, kein einzelner Blutwert könne das biologische Alter zuverlässig bestimmen. "Der biologische Alterungsprozess ist sehr komplex. Er betrifft alle Gewebe und Organe des Körpers und lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen." Deshalb wählte das Team zehn zentrale Biomarker aus – getrennt für Männer und Frauen. Aus dieser großen Datenmenge berechneten sie dann den sogenannten "Bioage-Score". Dieser Wert bildet das biologische Alter ab. Schutz vor Krankheit: Warum selbst gekochtes Essen wichtig bleibt Lange Abstinenz: Was mit männlichen Spermien passiert Studie bestätigt bekannte Alterungsfaktoren Die Ergebnisse zeigten große Unterschiede zwischen Menschen gleichen Alters. Einige waren biologisch deutlich jünger, andere älter, als ihr tatsächliches Alter vermuten ließ. Die Forscher überprüften ihre Methode anhand bekannter Risikogruppen: Menschen mit Trisomie 21, einer genetischen Besonderheit, bei der das Altern schneller verläuft, zeigten ein deutlich höheres biologisches Alter. Der Lebensstil beeinflusste das Ergebnis ebenfalls: Frauen über 50 mit Hormonersatztherapie wirkten biologisch jünger als Frauen ohne Behandlung. Und auch bei Raucherinnen zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Je mehr Zigaretten sie im Laufe ihres Lebens konsumierten, desto stärker beschleunigte sich ihr Alterungsprozess. Weitere Werte geben Hinweise auf gesundes Altern Die Forscher identifizierten zusätzlich weitere wichtige Marker. Dazu gehören Vitamin D , HDL-Cholesterin und sogenannte T-Helferzellen. Vitamin D unterstützt die Knochengesundheit. HDL-Cholesterin gilt als "gutes" Cholesterin , das die Blutgefäße schützt. T-Helferzellen sind Teil des Immunsystems und steuern Abwehrreaktionen. Laut der Studie wiesen Menschen mit einem niedrigeren biologischen Alter bei diesen Werten häufiger gesunde Bereiche auf. Das könnte darauf hindeuten, dass diese Faktoren direkt am Alterungsprozess beteiligt sind. Neue Möglichkeiten für die Vorsorge Der neue Bluttest zeigt also: Das biologische Alter liefert deutlich genauere Hinweise auf die Gesundheit als das Geburtsdatum. Ärzte könnten damit künftig früh erkennen, wer ein erhöhtes Risiko für altersbedingte Krankheiten hat. Noch bleibt der Test aber ein Forschungsansatz, der weiter überprüft werden muss.