Cholesterin-Ziele: Leitlinie senkt LDL-Grenzen – HDL verliert Gewicht

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Zu hohe Cholesterinwerte bleiben oft lange unbemerkt und richten dennoch Schaden an. Neue Leitlinien zeigen, dass Ärzte deutlich früher eingreifen sollten als bisher. Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln sich oft über viele Jahre hinweg. Fachleute fordern deshalb schon länger, potenzielle Risiken früher zu erkennen und gezielter gegenzusteuern. Experten des American College of Cardiology und der American Heart Association haben nun gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften ihre Empfehlungen zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen grundlegend überarbeitet. Die neue Leitlinie erschien kürzlich im "Journal of the American College of Cardiology". Im Mittelpunkt steht die sogenannte atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung (ASCVD). Dabei lagern sich Fette wie Cholesterin in den Gefäßwänden ab, die Gefäße verengen sich und das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt. Genau dieses Risiko wollen Mediziner künftig früher erkennen und gezielter senken. 1. Früheres Screening – schon im Kindesalter Die Fachgesellschaften empfehlen erstmals, Cholesterinwerte bereits im Kindesalter zu kontrollieren. Kinder zwischen neun und elf Jahren sollen einen Bluttest erhalten. Liegen familiäre Vorbelastungen vor, etwa frühe Herzinfarkte, raten Experten sogar zu Tests ab dem zweiten Lebensjahr. Hintergrund ist eine erbliche Störung, die familiäre Hypercholesterinämie. Dabei ist das "schlechte" LDL-Cholesterin von Geburt an zu hoch. Bei Jugendlichen empfehlen die Leitlinien Medikamente ab einem LDL-Wert von 160 Milligramm pro Deziliter Blut (mg/dl). Ziel ist es, Schäden gar nicht erst entstehen zu lassen. "Gefäßkiller": Ursache für hohe Cholesterinwerte entlarvt Nach zwei Tagen: Haferflocken senken den Cholesterinspiegel 2. Neuer Risikorechner verändert Therapieentscheidungen Für Erwachsene setzen die Leitlinien auf den neuen Prevent-Kalkulator . Dieses Rechenmodell schätzt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen über 10 und 30 Jahre. Es berücksichtigt neben den Cholesterinwerten auch die Nierenfunktion und weitere Gesundheitsdaten. Das Ergebnis teilt Patienten in vier Gruppen ein: niedriges Risiko unter 3 Prozent, grenzwertig bei 3 bis 5 Prozent, mittel bei 5 bis 10 Prozent und hoch ab 10 Prozent. Je nach Kategorie entscheiden Ärzte dann über den Therapiebeginn. 3. Weitere Blutwerte liefern Hinweise Neben dem klassischen Cholesterin rücken zwei weitere Blutwerte in den Fokus, deren Messung die Kardiologen empfehlen: Apolipoprotein B (ApoB) zeigt an, wie viele potenziell schädliche Fettpartikel im Blut zirkulieren. Lipoprotein(a), kurz Lp(a) , weist auf ein genetisch bedingtes Herz-Kreislauf-Risiko hin. Hier reicht meist eine einmalige Messung. Auch bildgebende Verfahren sollten nach Ansicht der Experten mehr an Bedeutung gewinnen. Eine spezielle Computertomografie etwa kann Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen sichtbar machen und so versteckte Gefäßveränderungen früh erkennen. 4. Strengere Ziele für LDL-Cholesterin Die Leitlinie verschärft auch die Zielwerte. Erwachsene mit mittlerem Risiko sollen demnach ihr LDL unter 100 mg/dl senken. Bei hohem Risiko empfehlen Experten Werte unter 70 mg/dl. Wer bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte, sollte sogar unter 55 mg/dl kommen. Zur Behandlung hoher Blutfettwerte setzen Ärzte meist Statine ein. Diese Medikamente hemmen die körpereigene Cholesterinproduktion. Reicht das nicht aus, kommen weitere Wirkstoffe wie Ezetimib oder sogenannte PCSK9-Hemmer zum Einsatz. Diese senken das LDL zusätzlich. 5. HDL verliert an Bedeutung Das "gute" HDL-Cholesterin galt lange als Schutzfaktor. HDL transportiert Cholesterin aus den Gefäßen zurück zur Leber. Die neue Leitlinie stuft seine Bedeutung jedoch deutlich herunter. Ein hoher HDL-Wert allein schützt laut den Experten nicht zuverlässig vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Was die US-Empfehlungen für Deutschland bedeuten Die neue Leitlinie stammt aus den USA und lässt sich nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen. Hier orientieren sich Ärzte an europäischen Empfehlungen, die andere Bevölkerungsstrukturen und Risikoprofile berücksichtigen. Trotzdem liefern die US-Daten wichtige Impulse. Sie basieren auf großen Studien und zeigen, wie stark Prävention wirken kann. Frühzeitige Tests, die Messung zusätzlicher Blutwerte und genauere Berechnungen sollen helfen, Herzkrankheiten zu verhindern, bevor sie entstehen. Auch in Deutschland könnte die Gesundheitsversorgung künftig dahin gehen, Risiken früher zu erkennen und konsequenter zu behandeln – mit Lebensstiländerungen und, wenn nötig, Medikamenten.
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