Demenz-Vorsorge bei genetischem Risiko einer Erkrankung: Das können Sie tun

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Demenz ist zum Teil erblich bedingt. Aber wie groß ist der Einfluss der Gene? Und was bedeutet das für Verwandte von Erkrankten? Menschen mit demenzkranken Vorfahren blicken dem Alter oft mit Sorge entgegen – nicht zu Unrecht: Das Risiko für die Erkrankung hängt auch von der erblichen Veranlagung ab. Gene sind aber äußerst selten die direkte Ursache der Erkrankung. Risiko für Demenz – wie hoch ist die Erblichkeit? Die verbreitetste Form, die Alzheimer-Demenz, entsteht in den meisten Fällen durch ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Alter und Lebensstil. In der Fachliteratur wird die Erblichkeit auf 60 bis 80 Prozent beziffert. Dabei gibt es im Wesentlichen drei Arten genetischer Einflüsse: Gene, die das Alzheimer-Risiko mitbestimmen, wie das ApoE-Gen. Von ihm gibt es verschiedene Varianten. Die Variante ApoE4 erhöht das Risiko für Alzheimer. Warum, ist nicht ausreichend erforscht. Fachleute gehen davon aus, dass es zur Entstehung von Entzündungsprozessen im Gehirn beiträgt und so die Nervenzellen schädigen kann. Eine Rolle spielt dabei die Anzahl der ApoE4-Varianten: Wer eine einzige ApoE4-Kopie im Erbgut trägt, hat ein geringeres Erkrankungsrisiko als diejenigen, bei denen das Gen in doppelter Kopie vorliegt. Erbanlagen, die Krankheiten begünstigen, die wiederum das Risiko für Demenz erhöhen, etwa Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen. Genmutationen, die die Erkrankung direkt verursachen. Diese sogenannten familiären Formen sind jedoch sehr selten. Sie machen zwischen ein und fünf Prozent der Alzheimer-Erkrankungen aus. Betroffene entwickeln typischerweise schon früh Symptome, oft vor dem 65. Lebensjahr. Das heißt: Wenn sich eine Alzheimer-Demenz entwickelt, wirkt in den meisten Fällen eine Vielzahl an Einflüssen zusammen – sowohl genetische als auch Umwelt- und Lebensstilfaktoren. Nur bei den seltenen familiären Formen wird Alzheimer tatsächlich durch eine einzelne Genmutation ausgelöst. Wie sinnvoll sind Gentests? Tests auf Alzheimer-Risikogene sind in der Regel nicht sinnvoll, denn ihre Aussagekraft ist begrenzt. Liegen Risikogene vor, heißt das nicht unbedingt, dass die Krankheit auf jeden Fall ausbrechen wird. Wenn keine Risikogene gefunden werden, garantiert das wiederum nicht, dass die getestete Person vor der Erkrankung verschont bleiben wird. Wie erwähnt, erhöhen die meisten bekannten Risikogene lediglich die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung, entscheiden aber nicht darüber, ob sie tatsächlich entsteht. Leitlinien empfehlen eine genetische Untersuchung nur dann, wenn der Verdacht auf eine familiäre Alzheimer-Form besteht. Ein solcher Verdacht besteht in erster Linie, wenn ungewöhnlich früh Anzeichen auftreten – also vor dem 65. Lebensjahr – oder wenn nahe Angehörige bereits erkrankt sind. Ob solch eine Untersuchung individuell sinnvoll ist oder nicht, gilt es jedoch sorgfältig abzuwägen. Einerseits kann es von Vorteil sein, Gewissheit zu haben, etwa dann, wenn es darum geht, Entscheidungen über Zukunft und Familienplanung zu treffen. Andererseits kann das Ergebnis erhebliche psychische Belastungen mit sich bringen. Daher sollten Betroffene sich vor der Testung ausführlich beraten lassen. In vielen Städten bieten genetische Beratungsstellen oder spezialisierte Ambulanzen entsprechende Untersuchungen an. Eine Übersicht dazu finden Sie auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik e. V. (GfH). Vorsorge: Nicht nur für Menschen mit familiärem Risiko wichtig Eines vorweg: Was man bislang über die Risikofaktoren für Demenz weiß, basiert auf Beobachtungsstudien, die ursächliche Zusammenhänge nie zweifelsfrei beweisen können. Dennoch ergibt sich aus der Vielzahl der Studien ein klares Bild: Gewisse Faktoren stehen immer wieder mit einem höheren oder niedrigeren Demenzrisiko in Verbindung. Einige von ihnen sind – zumindest zu einem gewissen Grad – beeinflussbar: geringe Bildung : Halten Sie Ihr Gehirn aktiv, etwa durch Lesen, Lernen neuer Fähigkeiten, Kurse oder andere geistig anregende Aktivitäten. eingeschränkte Hörfähigkeit : Lassen Sie Ihr Gehör bei Problemen untersuchen und nutzen Sie nötigenfalls ein Hörgerät. hoher Cholesterinspiegel : Lassen Sie Ihre Blutfettwerte regelmäßig kontrollieren und senken Sie erhöhte Werte durch Ernährung, Bewegung oder Medikamente. Depressionen : Suchen Sie bei entsprechenden Symptomen – etwa anhaltender Niedergeschlagenheit – frühzeitig ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe. Kopfverletzungen : Zum Schutz des Kopfes – zum Beispiel beim Radfahren – kann ein Helm beitragen. Bewegungsmangel : Sorgen Sie für ausreichend Bewegung im Alltag . Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 bis 300 Minuten Bewegung pro Woche bei moderater Intensität (etwa zügiges Gehen oder Radfahren) oder 75 bis 150 Minuten bei intensiverer Anstrengung. Zudem sollten an zwei Tagen pro Woche Übungen zur Stärkung der Muskulatur auf dem Plan stehen. Diabetes Typ 2 : Lassen Sie Ihren Blutzucker gut einstellen und achten Sie auf eine ausgewogene Kost und genug Bewegung. Rauchen: Verzichten Sie auf Zigaretten. Bluthochdruck : Lassen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig messen und behandeln Sie erhöhte Werte nach ärztlicher Vorgabe. starkes Übergewicht: Versuchen Sie, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen. Dafür ist vor allem eine kalorienärmere und gesunde Ernährungsweise notwendig. übermäßiger Alkoholkonsum: Meiden Sie Alkohol. soziale Isolation : Pflegen Sie Freundschaften und ziehen Sie sich nicht dauerhaft aus dem Sozialleben zurück. Luftverschmutzung : Halten Sie sich nach Möglichkeit von stark belasteten Gegenden fern und verzichten Sie bei hoher Luftbelastung auf längere oder intensive Aktivitäten im Freien. (Viele Wetter-Apps zeigen die Luftqualität an.) Einschränkungen der Sehkraft : Lassen Sie Ihre Augen regelmäßig untersuchen und nutzen Sie bei eventuellen Sehproblemen eine Brille oder Kontaktlinsen. Nicht alle Risikofaktoren lassen sich vollständig vermeiden. Wer dafür sensibilisiert ist und auf einen gesunden Lebensstil achtet, kann aber dazu beitragen, dem geistigen Abbau vorzubeugen und möglichst lange fit zu bleiben.
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