US-Präsident Donald Trump ist für seine polarisierenden Aussagen bekannt. Doch könnte sein Verhalten auch darauf hindeuten, dass er zu alt für sein Amt wird? Donald Trumps verbaler Angriff auf den Papst und die extremen Äußerungen gegen den Iran haben in den vergangenen Tagen und Wochen die Debatte um den geistigen Zustand des US-Präsidenten aufs Neue entfacht. Politische Gegner forderten daraufhin, Trump seines Amtes zu entheben. Und selbst ehemalige Befürworter Trumps kritisieren ihn scharf und sprechen inzwischen von geistiger Verwirrung . Das Weiße Haus weist solche Vorwürfe zurück: Trump sei geistig scharf und verunsichere seine Gegner bewusst. Aber wann wird auffälliges Verhalten eines alternden Präsidenten tatsächlich zum Risiko? Und wie lässt sich beurteilen, ob ein Mensch noch in der Lage ist, ein Amt wie das des US-Präsidenten auszuüben? Darüber hat t-online mit dem Altersforscher und Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, Michael Denkinger, gesprochen. t-online : Herr Denkinger, Donald Trump erregt mit irritierenden Auftritten regelmäßig Aufsehen – etwa wenn er Regieanweisungen vorliest oder damit droht, ganze Zivilisationen auszulöschen. Sind das Anzeichen dafür, dass er mental nicht mehr fit genug für sein Amt ist? Herr Denkinger : Da denken natürlich viele direkt an eine beginnende Demenz . Aber solche Fehlleistungen kennen wir alle. Wenn jemand Regieanweisungen abliest, weil er gedanklich schon woanders ist, muss das kein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Das würde ich nicht pathologisieren – jedenfalls nicht, solange es nicht sehr häufig vorkommt. Und diese radikalen Aussagen? Auch die würde ich eher nicht als Zeichen altersbedingter kognitiver Einschränkungen sehen. Für mich deutet das stärker auf ein psychologisches Problem hin. Was meinen Sie konkret? Für mich sieht das nach einer Persönlichkeitsstörung aus, die sich zunehmend verstärkt. Es könnte sein, dass sich seine narzisstischen Tendenzen unter politischem Druck nun stärker zeigen. Aber aus der Ferne lässt sich das nicht eindeutig beurteilen. Sie sehen als Ursache für sein Verhalten also keine Anzeichen für eine Demenz? Um das zu beurteilen, wären spezielle Tests nötig. Es gibt zwar Formen der Demenz wie die frontotemporale Demenz, die bestehende Persönlichkeitszüge verstärken und zu ausfälligen Aussagen und unberechenbarem Verhalten führen. Aber eine solche Diagnose würde in der Regel auch mit weiteren kognitiven Einschränkungen einhergehen. Deshalb würde ich das aktuell nicht als wahrscheinlichste Erklärung sehen. Blutergüsse und Schwellungen : Das steckt hinter Trumps Erkrankung Also hat sein Alter eher keinen Einfluss auf sein Verhalten? Doch, wahrscheinlich schon. Mit zunehmendem Alter verfestigen sich Persönlichkeitsmerkmale, und durch die Lebenserfahrung kann man auf Situationen schneller reagieren. Das kann positiv sein. Allerdings kann das auch dazu führen, dass man sich schwerer tut, Neues zu lernen oder sich auf veränderte Bedingungen einzustellen. Was bedeutet das konkret für jemanden wie Trump? Er kommt aus der Wirtschaft und greift auf die Methoden zurück, die er dort gelernt hat. Die Frage ist, ob diese Ansätze in einer komplexen und sich schnell verändernden Welt noch ausreichen. Der Umgang mit Unsicherheit muss gelernt werden – und genau das wird für ihn aufgrund seiner Persönlichkeit und seines Alters wahnsinnig schwierig sein. Das ist ein echtes Problem für uns alle. Was bedeutet das alles für die Ausübung eines so anspruchsvollen Amtes? Ein Präsident muss belastbar sein und schnell Entscheidungen treffen. Und da gilt: Ein biologisch alter Präsident ist wahrscheinlich ein schlechterer Präsident – vor allem, wenn bereits kognitive Defizite vorliegen. Ein fitterer Mensch kann diese Aufgaben besser bewältigen. Sie sprechen vom "biologischen Alter". Was ist damit gemeint? Das chronologische Alter – also die Jahre, die wir gelebt haben – sagt nur begrenzt etwas über unsere körperliche und geistige Gesundheit aus. Entscheidender ist das biologische Alter, also der Zustand von Zellen und Gewebe. Es gibt Menschen, die mit 80 biologisch deutlich jünger sind – und umgekehrt. Sollte man daraus politische Konsequenzen ziehen – etwa Altersgrenzen für Spitzenämter? Nein, das halte ich für falsch. Das wäre Altersdiskriminierung. Aber man könnte darüber nachdenken, das biologische Alter eines Amtsanwärters stärker zu überprüfen. Wer ein solches Amt ausübt, sollte körperlich und geistig dazu in der Lage sein. Wie lässt sich das biologische Alter denn feststellen? In der modernen Altersmedizin hat sich das Konzept des funktionellen Alters als praxistauglicher Wert für das biologische Alter bewährt. Dabei werden etwa Kraft, Gehgeschwindigkeit, geistige Leistungsfähigkeit und das Vorliegen mehrerer Krankheiten systematisch erfasst. Es kann durch weitere biochemische Marker wie bestimmte Entzündungswerte oder Nierenwerte ergänzt werden. Zudem versucht die Forschung aktuell, Laborwerte zur Bestimmung des biologischen Alters zu finden, um auf die anderen Messungen verzichten zu können. Wie könnte sich Trumps Verhalten in Zukunft verändern? Es ist davon auszugehen, dass es nicht besser wird. Ältere Menschen sind anfälliger für Erkrankungen, und sie erholen sich meist nicht mehr vollständig davon. Wir nennen das "Frailty". Zudem wird der Stress seines Amtes nicht verschwinden. All das kann jemanden, der in den letzten Jahren biologisch gealtert ist, aus dem Gleichgewicht bringen. Gibt es neben Stress und Erkrankungen weitere Dinge, die das Altern beeinflussen? Lange dachte man, das sei hauptsächlich genetisch bedingt. Heute wissen wir: Etwas mehr als die Hälfte wird durch Lebensstil und Umwelt beeinflusst. Stress, Schlafmangel, Bewegungsmangel oder Rauchen und andere Drogen beschleunigen die Alterung deutlich. Haben mächtige Menschen wie Trump bessere Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken? Sie haben leichter Zugang zu Maßnahmen, die nachweislich helfen – etwa professionelles Training oder bessere medizinische Betreuung. Aber ein Wundermittel gegen das Altern gibt es nicht. Haben sie eher Zugang zu neuartigen Therapien? Einflussreiche Menschen wie Trump haben auch hier sicher mehr Möglichkeiten. Es gibt viele verschiedene Medikamente ohne Wirknachweis und sogar erste Ansätze mit Stammzelltransplantationen. Dabei werden jungen Menschen Stammzellen entnommen und in Ältere transplantiert, um gezielt Gewebe zu verjüngen und gesünder zu machen. Diese Verfahren sind aber noch nicht ausreichend erforscht. Ob und wie sinnvoll es für Trump wäre, solche Medikamente und Verfahren schon zu nutzen, lässt sich derzeit nicht beurteilen. Allgemein gibt es bisher das eine Medikament für ein langes, gesundes Leben nicht. Herr Denkinger, vielen Dank für das Gespräch!