Viele ältere Menschen gönnen sich tagsüber eine kurze Schlafpause. Doch gerade ein Schläfchen am Vormittag könnte auf gesundheitliche Probleme hinweisen. Eine kürzlich im Fachmagazin "Jama Network Open" veröffentlichte Studie zeigt, dass häufige und lange Schlafpausen am Tag mit einem erhöhten Sterberisiko einhergehen. Besonders auffällig: Wer bereits morgens schläft, scheint stärker gefährdet zu sein. Langzeitstudie begleitete Senioren über Jahre Die Ergebnisse stammen aus einer großen Langzeitstudie des Gesundheitsverbunds Mass General Brigham und des Rush University Medical Center in den USA . In der Studie begleiteten die Forscher 1.338 ältere Menschen über einen Zeitraum von bis zu 19 Jahren. Das Durchschnittsalter lag bei rund 81 Jahren. Schlafbedarf: Sinkt er bei Senioren wirklich? Studie zu Schlaf: So lässt sich das Leben um fünf Jahre verlängern Die Teilnehmer trugen zeitweise sogenannte Aktometer – kleine Geräte am Handgelenk, die Bewegungen und Ruhephasen aufzeichnen. So konnten die Forscher genau messen, wann, wie oft und wie lange die Personen schliefen. Das Ergebnis: Fast alle Teilnehmer legten tagsüber Nickerchen ein. Im Schnitt kamen sie auf 1,8 Schlafpausen pro Tag. Mehr Schlaf am Tag, höheres Risiko Die Auswertung zeigt einen klaren Zusammenhang: Jede zusätzliche Stunde Schlaf am Tag ging mit einem um etwa 13 Prozent erhöhten Sterberisiko einher. Auch jedes zusätzliche Nickerchen steigerte das Risiko – um rund 7 Prozent. Besonders deutlich fiel der Unterschied bei der Tageszeit aus. Personen, die bereits morgens schliefen, hatten ein um 30 Prozent höheres Sterberisiko als jene, die nur mittags ruhten. Nickerchen als Hinweis auf Krankheiten Die Forscher betonen, dass die Studie nur einen Zusammenhang aufzeigt, sie beweist keine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung. Das Nickerchen selbst macht also nicht krank. Stattdessen sehen die Wissenschaftler darin ein mögliches Warnsignal. Hinter häufigem oder frühem Schlaf am Tag können verschiedene Erkrankungen stecken. Dazu zählen etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie eine Herzschwäche oder neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz . Bei Letzteren bauen Nervenzellen im Gehirn nach und nach ab. Auch Diabetes , chronische Schmerzen oder Atemwegserkrankungen können dazu führen, dass Betroffene schneller erschöpft sind und mehr Schlaf benötigen. Chance für frühzeitige Diagnose Den Studienautoren zufolge eröffnen die Erkenntnisse auch neue Chancen. Denn wer Veränderungen im Schlafverhalten früh erkennt, kann mögliche Erkrankungen schneller abklären lassen. Moderne Fitnessarmbänder oder Smartwatches könnten helfen, solche Muster im Alltag sichtbar zu machen, so die Forscher. Ärzte könnten diese Daten künftig nutzen, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Was bedeutet das für den Alltag? Ein gelegentliches Nickerchen bleibt unbedenklich und kann sogar erholsam sein. Häufen sich die Schlafpausen jedoch oder treten sie schon am Morgen auf, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.