Nach dem plötzlichen Aus als Schauspielerin stand Doreen Dietel vor dem Nichts. Im Gespräch mit t-online erzählt sie, wie sie sich zurückkämpfte – und ihr Leben neu ordnete. Über 1.500 Folgen lang war Doreen Dietel als Trixi Preissinger in "Dahoam is Dahoam" zu sehen. 2017 wurde sie aus der Serie herausgeschrieben – nach eigenen Worten ohne Vorwarnung, weil die Redaktion entschieden habe, die Rolle sei "auserzählt". Das Serien-Aus war für sie "nach zehn Jahren Loyalität und vollstem Einsatz für den BR die größte Ohrfeige" ihrer Karriere, sagt sie. Als Mutter eines damals dreijährigen Sohnes und Hauptverdienerin der Familie lag in diesem Moment die gesamte Verantwortung auf ihren Schultern – die Angst war groß, die Zukunft völlig ungewiss. "Ich stand vor der Frage, was ich jetzt machen sollte. Mit Kind wäre es schwierig gewesen, nach Berlin zu gehen, um mich wieder ins Gespräch zu bringen – Kn putzen sozusagen", erklärt die 53-Jährige im Gespräch mit t-online. 2018 eröffnete sie nach fünf Monaten Umbau einer ehemaligen Markthalle das Restaurant "Dürnbecker" in Gmund am Tegernsee. Das Rampenlicht vermisst sie heute nicht mehr. "Das Leben hier auf dem Land, fernab vom roten Teppich, empfinde ich mittlerweile als ehrlicher – auch wenn ich persönlich das Gefühl habe, von vielen Einheimischen noch immer nicht richtig angenommen zu werden", so Dietel. "Und ich bin abends zu Hause bei meiner Familie, das ist mir wichtiger." "Ich habe mich als Gastronomin selbstständig gemacht, weil ich die Branche kannte und schon seit meinem 15. Lebensjahr in der Gastro gearbeitet habe. Trotzdem ist Selbstständigkeit eine andere Nummer und ich habe viele Jahre Lehrgeld gezahlt", sagt die Schauspielerin. "Ich musste kämpfen, um meinen Laden zu retten" Die ersten Monate wurden zur finanziellen Zerreißprobe. "Es lief vieles ohne mein Wissen schief, weil ich den falschen Leuten blind und gutgläubig vertraut habe – und nach sechs Monaten war mein Kontostand im Minus. Ich habe als Einzelunternehmerin den Laden quasi an die Wand gefahren. Und dann musste ich wieder kämpfen, um ihn zu retten, und habe alles noch einmal aufgebaut – dieses Mal allein", beschreibt die Restaurantbetreiberin. Inzwischen habe sich ihre Lage stabilisiert. "Mein Einkommen ist heute regelmäßiger und besser kalkulierbar als in der Schauspielerei, auch wenn die Arbeit eine ganz andere ist. Als Selbstständige habe ich viel mehr Verantwortung und Unsicherheiten, aber gleichzeitig habe ich auch mehr Kontrolle", betont Dietel. Der Preis dafür ist hoch. Vor allem an Wochenenden arbeitet Dietel bis zu 14 Stunden am Stück, oft ohne Hilfe. "Wenn dann viele Essen in kurzer Zeit kommen, bist du komplett überfordert, und danach musst du noch putzen und am nächsten Tag wieder weitermachen. Das ist körperlich und mental extrem anstrengend", sagt Dietel. "Krank zu sein, kann ich mir nicht leisten, selbst wenn ich erkältet bin oder Schmerzen habe, mache ich weiter. Man funktioniert dann einfach weiter." Unterstützung bekomme sie von ihrem Verlobten. "Ich habe einen großartigen Partner an meiner Seite, der mich bei allem unterstützt und mir auch im Laden hilft. Er ist ein sehr sensibler und intelligenter Mensch und hat sogar seinen Job als Radiomoderator für uns aufgegeben. Das bedeutet mir sehr viel", erzählt Dietel. "Ich habe nie gelernt, stolz auf mich zu sein" Dietel hat sich etwas aufgebaut, doch sie zeigt sich selbstkritisch. Das führt sie auf ihre Kindheit zurück. "Ich konnte nie wirklich stolz auf mich sein, weil mir das nie beigebracht wurde. Ich bin in der DDR aufgewachsen, da ging es um Disziplin und ums Funktionieren, nicht um Selbstwertgefühle", so Dietel. Doch sie zieht daraus auch Antrieb. "Wenn mir jemand sagt, ich kann etwas nicht oder ich sei zu alt, dann will ich es erst recht beweisen", fügt sie hinzu. Auch so scheint Dietel nicht zur Ruhe zu kommen. "Aktuell habe ich wieder Probleme mit meiner Wohnung." Dort wurde ein größerer Schimmelbefall im Kinderzimmer festgestellt, der laut Gutachter auf einen baulichen Mangel im Mauerwerk zurückzuführen ist. Gleichzeitig erhielt sie eine Kündigung wegen Eigenbedarfs zum 30. Juni. Nun sucht sie dringend ein neues Zuhause für sich und ihre Familie. Sie frage sich oft, warum immer wieder neue Probleme auftauchten. "Jeder Tag ist eine Herausforderung und es ist nicht alles schön, auch wenn es von außen so wirkt. Aber man muss stark bleiben und weitermachen. Und genau das tue ich – jeden einzelnen Tag."