FC Bayern: Karl-Heinz Rummenigge erklärt Michael Olise für unverkäuflich

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Im großen t-online-Interview gibt Karl-Heinz Rummenigge vor dem Duell des FC Bayern mit Paris Saint-Germain spannende Einblicke in die Zukunftsplanungen des Vereins. Einen Star erklärt er für unverkäuflich. Es ist ein besonderes Rendezvous, das in der französischen Hauptstadt auf den FC Bayern wartet: Am Dienstagabend (21 Uhr im Liveticker bei t-online) tritt der deutsche Rekordmeister dort im Parc des Princes bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain zum Halbfinalhinspiel in der Champions League an. Acht Tage später fällt dann beim Rückspiel in München die Entscheidung darüber, wer ins Finale einziehen wird. Für viele Beobachter ist das Duell der beiden aktuell formstärksten europäischen Topklubs bereits das vorweggenommene Endspiel. Dementsprechend groß sind die Erwartungen bereits vor dem ersten Aufeinandertreffen der beiden Turnierfavoriten. Karl-Heinz Rummenigge macht da keine Ausnahme. Im großen Interview mit t-online blickt der langjährige Vorstandsboss und aktuelle Aufsichtsrat der Münchner auf das Schlüsselspiel der Bayern auf dem Weg zum möglichen Triple voraus. Er gibt spannende Einblicke in die Zukunftsplanungen des Klubs und spricht unter anderem über ein mögliches 200-Millionen-Euro-Angebot an Michael Olise sowie die Pläne des Vereins mit Kapitän Manuel Neuer , Harry Kane und Thomas Müller . t-online: Herr Rummenigge, der FC Bayern hat es nach dem 2:0-Sieg in Leverkusen zum ersten Mal seit 2020 wieder ins DFB-Pokalfinale geschafft und damit einen kleinen Fluch gebrochen. Wie groß ist Ihre Erleichterung darüber? Karl-Heinz Rummenigge: Der FC Bayern ist es nicht gewohnt, sechs Jahre nicht nach Berlin zu fahren. Die Fans sind sehr glücklich, und ich merke es auch im Freundeskreis, alle wollen nach Berlin und fragen mich, ob ich Tickets besorgen kann. Die erste Halbzeit in Leverkusen war möglicherweise mit das Beste, was ich in einer tollen Rückrunde von dieser Mannschaft gesehen habe – fast eine Demonstration des Fußballs. Mit dem Einzug ins Finale hat Bayern den nächsten Schritt zu einem möglichen Triplegewinn gemacht. Was erwarten Sie von der Mannschaft jetzt im Halbfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain? Die beiden Spiele gegen PSG werden uns alles abverlangen. Jeder muss in Topform sein und die Mannschaft muss genau das, was sie beim 2:1-Sieg in der Ligaphase in Paris gezeigt hat, wiederholen – in beiden Partien. Da hat sie in der ersten Halbzeit fantastischen Fußball gespielt. Und in der zweiten Hälfte nach der Roten Karte für Luis Díaz in einer Art und Weise verteidigt, die mich so ein bisschen an den alten Satz von Sepp Herberger (Deutschlands Weltmeistertrainer 1954; Anm. d. Red.) erinnert. An welchen? "Einer für alle, alle für einen." Es war vorbildlich, wie die Mannschaft da verteidigte, sich in jeden Schuss und in jedes Dribbling reingeschmissen hat. Dieses Spiel ist jetzt auch für die beiden Halbfinals die Benchmark. Ist das Duell des FC Bayern mit Paris das vorweggenommene Finale? Natürlich könnte das auch ein schönes Finale sein, aber es ist jetzt eben das Halbfinale. Der FC Arsenal ist lange Zeit gelobt worden, jetzt zum Schluss schwächeln sie offenbar etwas in der Liga und könnten die Tabellenführung in der Premier League wieder an Manchester City verlieren. Ich würde die anderen beiden Halbfinal-Teams dennoch nicht unterschätzen. Was macht PSG so gefährlich? Seitdem Luis Enrique dort 2023 als Trainer übernommen hat, ist das eine Mannschaft, die top besetzt und sehr klug zusammengestellt ist. Paris hat etwas Entscheidendes bewiesen. Was? Dass man nicht alles kaufen kann, sondern auch mit Geduld eine Mannschaft aufbauen muss. Als wir 2020 im Champions-League-Finale gegen sie gewonnen haben, hatten sie Neymar und Kylian Mbappé in ihrer Mannschaft. Ein Jahr später kam dann noch Lionel Messi dazu. Von den Namen her war das eine ganz tolle Mannschaft, aber auch offensichtlich eine, die als Team nicht so funktioniert hat wie die aktuelle. Jetzt ist das schon ein kluges Gebilde, das speziell im Mittelfeld und auch im Offensivbereich viel Qualität besitzt. Nach dem 2:0-Sieg beim FC Liverpool wurde PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi, der der Vorsitzende von Klubinvestor Qatar Sports Investments (QSI) ist, vor dem Fanblock lautstark gefeiert und um Selfies gebeten. So etwas wäre hier in Deutschland undenkbar, oder? Es freut mich für Nasser, dass er bei den Fans so positiv aufgenommen wird. Aber sie müssen ihm auch zu Dank verpflichtet sein. Denn wer war Paris Saint-Germain, bevor Qatar Sports Investments übernommen hat? Ich kann mich noch erinnern: Nachdem sie 2020 im Finale gegen uns verloren haben, war Nasser völlig fertig. Ich habe ihm damals gesagt: Nasser, du musst Geduld haben. Im Fußball ist nichts gottgegeben. Du musst dir alles hart erarbeiten, kluge Transfers machen. Es hängt nicht alles vom Geld ab. In der Kabine muss ein Spirit herrschen, der dir die zusätzlichen drei bis fünf Prozent gibt, um diesen Pokal zu gewinnen. Es ist auch kein Zufall, dass sie jetzt wieder im Halbfinale stehen. Sie präsentieren tollen Fußball. Viel Geld hat der Klub aber trotzdem investiert: 822 Millionen Euro in die Mannschaft, was ein Transferminus von 400 Millionen Euro in den vergangenen drei Jahren bedeutet. Wie passt das mit den Financial-Fairplay-Regeln zusammen? Als sie Neymar, Mpappé und Messi gekauft haben, setzte PSG die ganz großen Klubs in Europa schon sehr unter Druck – mit den Transferausgaben und insbesondere mit den Gehältern. Alle drei Spieler spielen heute nicht mehr in Paris, und damit hat der Klub seine Bilanz auch ein gehöriges Stück aufgeräumt. Und der Trainer hat jetzt einen anderen Spirit in den Klub gebracht. Vorher ging man zu PSG des Geldes wegen, jetzt, weil es eine der drei Top-Adressen in Europa ist. Da ist gut gearbeitet worden, das muss man anerkennen. Fußball-Europa kann sich glücklich schätzen, solche Mannschaften nicht mehr nur aus England oder aus Spanien zu haben. Kann Bayern den anderen europäischen Topklubs in diesem finanziell ungleichen Wettbewerb überhaupt etwas entgegensetzen? Das sind völlig andere Strukturen, der FC Bayern muss jeden Euro selbst verdienen. Trotzdem haben wir es in den letzten Jahren immer geschafft, eine wettbewerbsfähige Mannschaft auf den Platz zu bringen. Sie ist in den letzten 15 Jahren 13-mal Deutscher Meister geworden und hat neben diversen anderen Pokalen auch zweimal die Champions League gewonnen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten wird gut gearbeitet: sportlich erfolgreich, aber bitte seriös und solide refinanziert. Das ist ein wichtiger Leitsatz. Wir hatten zwei, drei Jahre, wo bei Transfers und insbesondere bei Spielergehältern etwas zu sehr "hingelangt" wurde. Ousmane Dembélé (2016) und Désiré Doué (2024) waren in der Vergangenheit auch beim FC Bayern ein Thema. Inzwischen spielen sie für PSG. Ärgern Sie sich, dass es mit diesen Transfers nicht geklappt hat? Bei Dembélé war ich noch selbst (als Vorstandsvorsitzender; Anm. d. Red.) mit dabei. Wir und vor allem unser damaliger Sportdirektor Michael Reschke wollten ihn unbedingt verpflichten, aber leider ist uns damals Dortmund zuvorgekommen. Warum? Dembélé spielte damals bei Stade Rennes. Die Klub-Besitzer waren gleichzeitig auch die Besitzer von Puma. Dortmund hatte zu dem Zeitpunkt einen Ausrüstervertrag mit Puma. Dementsprechend war klar, dass wir als Adidas-Klub da nicht unbedingt präferiert zum Zug kommen. Das war ein wunderbarer Spieler, aber wie man gesehen hat, ist er bei Dortmund auch schnell wieder Richtung Barcelona abgewandert. Er ist ohne Frage ein sehr guter Spieler, der aber auch gut geführt werden muss. Und Doué? Den hätten wir gerne verpflichtet, er hätte uns sehr gut zu Gesicht gestanden. Aber er hat sich für Paris entschieden, weil er in seiner französischen Heimat bleiben wollte. Wir werden auch in der Zukunft mal den ein oder anderen Spielern nicht kriegen, weil woanders vielleicht mehr Geld gezahlt wird. Das muss man akzeptieren und ist Teil des Geschäfts. Wie man sieht, können trotzdem sowohl Paris als auch wir sehr ordentlich damit leben. Der Doué-Transfer scheiterte also nicht an einem Veto des Aufsichtsrats, wie teilweise zu hören und lesen war? Nein, wer so etwas erzählt, erzählt Märchen. Der Spieler hätte auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis mit Ablöse und Gehalt gut zu uns gepasst. Uli Hoeneß erzählte im Podcast von Markus Söder von Auseinandersetzungen im vergangenen Transfersommer. Der eine oder andere habe noch für 150 Millionen teuer einkaufen wollen. Die "Alten" hätten sich dann durchgesetzt, mit ihrer Strategie, den Jungen eine Chance zu geben. War das so? Über Interna spreche ich grundsätzlich nicht. Als Vincent Kompany bei uns Trainer wurde, haben wir von Anfang an gesagt, dass unser Nachwuchs-Campus endlich auf das Niveau gehoben werden soll, auf das er gehört. Der Trainer hat diesen Wunsch perfekt umgesetzt. In dieser Saison hat er zehn Nachwuchsspielern zu ihrem Profidebüt verholfen. Sie können sich ja vorstellen, was das für einen 18-Jährigen bedeutet, wenn er mit dieser Mannschaft vor 75.000 Zuschauern in der Allianz Arena spielen darf. Das ist für diese Spieler eine Bestätigung, dass sie in der Zukunft eine echte Chance bei uns haben. Das ist für uns eine Conditio sine qua non, also eine unerlässliche Voraussetzung. Warum? Erstens, weil der Campus über 100 Millionen gekostet hat und auch jährlich nach wie vor stolzes Geld kostet. Wir wollen diesen Campus ganz bewusst nutzen, um Spieler selbst auszubilden. Und im Moment trägt das Früchte. Unter anderem mit Josip Stanišić, Aleksandar Pavlović, Lennart Karl oder auch Alphonso Davies und Jamal Musiala, die schon für unsere Nachwuchsteams gespielt haben. Und zweitens mögen unsere Fans das, wenn der Cheftrainer eigene Spieler fordert und fördert. Alles andere wäre nicht im Sinne des FC Bayern. Ist die Entwicklung, die speziell Lennart Karl damit ermöglicht wurde, das Paradebeispiel? Ich würde auch Tom Bischof da noch mit einbeziehen, der im Sommer zu uns gekommen ist, auch wenn er nicht bei uns ausgebildet wurde. Ohne diese Philosophie, die wir jetzt umsetzen, hätten die beiden wesentlich weniger Einsatzzeiten gehabt und wären nicht so in den Blickpunkt gekommen. Karl ist aussichtsreich dabei, mit nach Amerika zur WM zu fahren. Und Bischof ist Kapitän der U21 und dort immer einer der besten Spieler auf dem Platz. Uli Hoeneß und ich sind da doch der beste Beweis. Das müssen Sie erklären. Bei uns war das damals doch ganz genauso. Als ich als junger Spieler zum FC Bayern kam, waren acht Weltmeister in der Mannschaft, die zudem Deutscher Meister und Europapokalsieger der Landesmeister waren. Das war eigentlich ein Himmelfahrtskommando, das ich mir da angetan habe. Aber ich habe es trotzdem geschafft. Dafür musst du aber einen Trainer haben, der dir Vertrauen schenkt, und du musst natürlich Gas geben. Bei mir war es Dettmar Cramer. Das ist bei unseren jungen Burschen heute und unserem Trainer auch der Fall. Andererseits wollte der FC Bayern im Sommer auch Florian Wirtz verpflichten, der für 150 Millionen Euro zum FC Liverpool gewechselt ist, und Nick Woltemade, der für 85 Millionen Euro zu Newcastle United ging. Wenn Nick Woltemade gekommen wäre, dann hätte es wahrscheinlich die Leihe von Nicolas Jackson nicht gegeben. Das Entscheidende ist immer, dass die Transfers auch einschlagen. Und in diesem Jahr können wir alle nicht nur dem lieben Gott, sondern auch dem lieben Vinnie danken, dass er den Kader so zur Entfaltung gebracht hat. Wird Vincent Kompany in diesem Sommer dann vielleicht doch den ein oder anderen Wunschspieler bekommen – und nicht nur Apfelkuchen von Uli Hoeneß? (lacht) Uli ist ein Schwabe, das darf man nicht vergessen. Und der Apfelkuchen ist preiswerter als die teuren Transfers. Aber die Historie des FC Bayern zeigt doch, dass wir zwischendurch immer auch mal teure Transfers gemacht haben. Dabei gibt es ein entscheidendes Kriterium. Welches? Ein teurer Transfer muss ein Unterschiedsspieler sein. Ein Harry Kane ist ein solcher, ein Arjen Robben, ein Franck Ribéry waren das. Wenn man Geld ausgibt, dann müssen diese Spieler auch auf dem Platz den Unterschied ausmachen. Mit Harry haben wir goldrichtig gelegen, genau wie mit Franck und Arjen. Zwischendurch gab es auch Spieler, die nicht so gut gepasst haben, aber wir werden natürlich auch immer wieder Superstars zum FC Bayern locken. Vielleicht schon in diesem Sommer? Wir haben ja eine total funktionierende Mannschaft und seit 2020 nicht mehr so einen feinen und erfolgreichen Fußball gespielt, der so viel Spaß macht. Ich lese ja hin und wieder auch Kommentare bei Instagram. Wirklich? Ja. Da fangen schon die ersten früheren Hater an, den FC Bayern sympathisch zu finden. Das wird mir schon langsam suspekt ( lacht ). Pep Guardiola sagte vergangene Woche bei einer Pressekonferenz, dass er sich sicher sei, dass Vincent Kompany eines Tages sein Nachfolger bei Manchester City werde. Beunruhigt Sie diese Aussage? Im Moment bin ich da sehr entspannt. Vincent hat seinen Vertrag ganz bewusst bis 2029 bei uns verlängert. Natürlich wird sein Erfolg jetzt in ganz Europa registriert. Unser letztes Spiel gegen Real Madrid haben fast eine Milliarde Zuschauer verfolgt. Die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, die vielen Tore, das wird überall gesehen. Ich glaube aber, er bleibt noch lange hier. Was macht Sie da so sicher? Weil er hier happy ist. Er wohnt in Grünwald, nur vier Häuser von mir entfernt. Ich habe den Eindruck, die Familie fühlt sich wohl. Auch die Kinder. Ich weiß das von meinen Enkeln, die in die gleiche Schule wie zwei seiner Kinder gehen. Im Moment haben wir hier beim FC Bayern paradiesische Zustände. Ich habe schon früher immer einen Satz gesagt: Der wichtigste Angestellte bei Bayern München ist trotz Franz Beckenbauer der Trainer. Hoffen Sie, dass Manuel Neuer diese "paradiesischen Zustände" auch noch in der kommenden Saison als Spieler erleben und seinen Vertrag noch mal verlängert wird? Wir sind uns alle einig, dass wir es sehr begrüßen würden, wenn er noch ein Jahr dranhängt. Er hat beim FC Bayern alles gewonnen, eine Ära über 15 Jahre geprägt. Seine Leistung ist nach wie vor auf hohem Niveau. Und die Kombination, die wir mit ihm und dem jungen Jonas Urbig haben, ist perfekt. Er könnte Urbig weiterhin in der Ausbildung unterstützen. Die gesamte Torwartgruppe mit Sven Ulreich und Torwarttrainer Michael Rechner ist ein verschworener Haufen. Dementsprechend wäre es schön, wenn die alle zusammenblieben. Ist es für Sie nachvollziehbar, dass Neuer Stand jetzt bei der WM nicht im Tor der deutschen Nationalelf stehen wird? Er ist für mich nach wie vor der beste deutsche Torhüter und einer der drei besten der Welt. Aber ich kenne die Beweggründe nicht – weder bei Julian Nagelsmann (Bundestrainer; Anm. d. Red.) noch bei Manuel. Er hat es entschieden, und eins darf man nicht vergessen: Er ist schon Weltmeister und hat dieses Turnier schon mal gewonnen. Auch Harry Kane ist für die Mannschaft eigentlich unverzichtbar. Kommt die Verlängerung seines noch bis 2027 gültigen Vertrags als Nächstes? Harry Kane zu Bayern München zu holen, war ein wichtiger Coup in der Geschichte des Klubs. Es ist ja bekannt, dass er eine Ausstiegsklausel hatte. Die hat er nicht gezogen und damit signalisiert, dass er auf jeden Fall in München bleibt. Und jetzt werden die zuständigen Verantwortlichen im operativen Bereich – so ist das besprochen – irgendwann nach der Saison Gespräche mit ihm führen. Mit dem klaren Ziel, seinen Vertrag zu verlängern. Denn bei Harry hat unter Vincent Kompany noch mal eine Transformation stattgefunden. Inwiefern? Er war ja schon immer ein toller Stürmer, der viele Tore geschossen hat. Jetzt ist er aber ein spielender Stürmer, der sich ins Mittelfeld zurückfallen lässt und von da aus mit seinen wunderbaren langen Pässen Michael Olise und Luis Díaz ins Spiel bringt. Das ist für unser Spiel sehr wichtig. Sie sprechen Olise an. Viele sehen in ihm schon den neuen Arjen Robben und einen Kandidaten für den Ballon d'Or. Sie auch? Er ist ein wunderbarer Spieler. Mir gefällt im Übrigen auch, dass er so zurückhaltend und fast schon medienscheu ist. Das ist in der heutigen Welt die Ausnahme. Er ist ein guter Typ und auf dem Platz ist er natürlich herausragend, wie er Fußball zelebriert und fast zaubert. Deshalb wundert es mich nicht, dass er bei unseren Fans auch so unglaublich beliebt und gehypt ist. Könnte Bayern es sich erlauben, ein mögliches Angebot über 200 Millionen Euro abzulehnen, über das bereits spekuliert wird? Ich erzähle Ihnen dazu jetzt eine Geschichte aus der Vergangenheit. Bitte. Im Jahr 2009 hatten wir für Franck Ribéry ein unglaubliches Angebot vom FC Chelsea vorliegen. Das wäre damals ein neuer Transfer-Weltrekord gewesen. Ich bin damit dann zu unserem damaligen Finanzvorstand Karl Hopfner und Uli Hoeneß gegangen. Wir haben zwei Stunden darüber diskutiert, was wir mit diesem Angebot machen. An diesem Tag haben wir dann etwas Grundsätzliches entschieden: Dass wir in Zukunft keinen Spieler mehr verkaufen werden, den wir sportlich vermissen würden. Und dieses ungeschriebene Gesetz gilt bis heute. Für einen Spieler wie Olise gibt es kein Preisschild, das uns zucken lassen würde. Lassen Sie uns noch über die Führungsebene des FC Bayern sprechen. Hat man nach dem gescheiterten Versuch mit Oliver Kahn nun mit Jan-Christian Dreesen sozusagen im zweiten Anlauf einen würdigen Nachfolger für Sie als Vorstandsboss gefunden? Im Nachhinein muss man sagen, man hätte ihn von Anfang an als meinen Nachfolger installieren sollen. Ich hatte mit ihm immer ein unglaublich gutes Verhältnis. Er war seit 2013 für die Finanzen, Organisation und diese ganzen Dinge zuständig. Und wir haben sehr harmonisch, loyal und gut zusammengearbeitet. Ich habe ihn bei so ziemlich jeder Verhandlung, die ich geführt habe, eingebunden, er hat alles miterlebt. Das hat wunderbar funktioniert. Unruhe ist erst danach durch die eine oder andere Entscheidung ein wenig entstanden, die nicht ganz so aufgegangen ist, wie man sich das wünschte. Aber der Verein darf sich jetzt wieder glücklich schätzen. Jan hat in den letzten zwei Jahren auch extrem an den Finanzen gearbeitet, denn wir waren bei der Payroll auf dem völlig falschen Weg – und sind jetzt wieder auf dem richtigen. Dazu ist in den Verein auch dank ihm wieder Ruhe eingekehrt. Das Verhältnis von Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund wurde in einem "Kicker"-Bericht zuletzt als "Zwangsehe" beschrieben. Sind Sie und Uli Hoeneß nicht das perfekte Beispiel dafür, dass eine gewisse Reibung sogar im Sinne des Erfolgs für den FC Bayern sein kann? Ich möchte keine Artikel kommentieren. Grundsätzlich gilt: Uli Hoeneß und ich hatten auch schon mal die ein oder andere Auseinandersetzung, als er Präsident und ich Vorstandsvorsitzender war. Diese sogenannte bayerische Streitkultur, die ich als Ostwestfale erst noch lernen musste, ist ein wichtiges Gut, auch beim FC Bayern. Man muss sich nicht immer in den Armen legen, aber die Interessenlage, die muss gleich sein: alles zum Wohl des FC Bayern. Es wird immer mal Themen geben, wo man unterschiedlicher Meinung ist. Die muss man ausdiskutieren und im Zweifelsfall auch mal ausstreiten. Ich sehe das im Übrigen auch in der deutschen Politik etwas anders als die breite Masse. Was genau? Da wird ja jeder Streit gleich dramatisiert. Da scheppert es nun mal und kracht es und hin und wieder, das ist nicht zu vermeiden, bei einer unterschiedlichen Sichtweise. Ich finde es besser, zu streiten, um gute Lösungen zu finden, als schlechte Kompromisse einzugehen. Thomas Müller war im Dezember schon mal auf der Tribüne bei Ihnen und den anderen Bayern-Bossen zu Besuch. Können Sie uns ein Update zu seiner möglichen Rückkehr zum FC Bayern geben? Im Moment gibt es gar nicht so viel Kontakt zwischen ihm und uns, weil er in der MLS mit Vancouver in die Saison gestartet ist. Wenn er mal in Deutschland ist, freuen wir uns immer, wenn er uns besucht. Was seine Zukunft betrifft, muss er sich darüber im Klaren sein, was er will. Es nützt nichts, ihn jetzt mit der Karotte zu locken. Sondern es muss einfach bei ihm reifen. Dieser Job ist unglaublich anspruchsvoll. Und eins darf man nicht vergessen. Was? Thomas Müller ist jetzt 18 Jahre Fußballprofi. Ich gehe davon aus, dass er ein sehr reicher Mann ist, der diesen Job nicht unbedingt braucht, damit es ihm in der Zukunft noch wirtschaftlich gut geht. Diesen Job kann nur machen, wer bereit ist, 24/7 zu arbeiten. Jeder, der glaubt, man kann das so nebenbei machen, mal zwischendurch ein paar Interviews geben und praktisch nur durch Kommunikation die Dinge bewältigen, der liegt völlig falsch. Und das ist das, was wir für die Zukunft brauchen. Wir müssen Leute finden, die bereit sind, alles zum Wohle des FC Bayern zu tun – und nicht für sich selbst. Abschließend: Auch die Frauenmannschaft des FC Bayern steht jetzt als Meister bereits fest, im Pokalfinale sowie im Halbfinale der Champions League. Hoffen Sie auf ein Doppel-Triple der Männer und Frauen? Das wäre natürlich das Nonplusultra. Aber jetzt warten wir erst mal ab, es sind noch wichtige Spiele zu bestreiten. Die Frauen müssen genauso wie die Männer gegen Stuttgart das Pokalfinale gegen einen nicht zu unterschätzenden Gegner aus Wolfsburg bestreiten. Und der FC Barcelona als Halbfinalgegner in der Champions League ist auch eine echte Hausnummer. Aber es wäre natürlich eine wunderbare Angelegenheit, wenn am Ende sechs Pokale auf der Brüstung stehen würden.
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