FC Bayern: Lena Oberdorf ist zurück aus der "Hölle"

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Sportlich hat Lena Oberdorf ein Jahr zum Vergessen hinter sich. Aufgegeben hat die DFB-Fußballerin aber nie, dafür aber eine neue Seite an sich entdeckt. 410 Tage. So lange hat Lena Oberdorf kein Pflichtspiel mehr bestritten. Vor einem Jahr war die 23-Jährige mit großen Hoffnungen zum FC Bayern gewechselt – nur kurz darauf der Schock: Kreuzbandriss. Plötzlich musste Oberdorf sich unfreiwillig gedulden. Denn die Stadionatmosphäre wurde zunächst durch Reha-Räume ersetzt, Euphorie durch Stille. Über ein Jahr ist inzwischen vergangen – und Oberdorf ist zurück auf dem Platz, endlich wieder mittendrin. In den jüngsten Testspielen des FC Bayern blitzte ihre Klasse bereits immer wieder auf. Nach langen Monaten der Leidenszeit steht die deutsche Nationalspielerin auch endlich vor ihrem Comeback auf der großen Fußballbühne: dem Supercup. Wenn der FC Bayern am Samstag auf den VfL Wolfsburg trifft (ab 14 Uhr im ZDF), ist Oberdorf endlich keine Zuschauerin mehr. Ausgerechnet gegen ihren ehemaligen Verein kann sie ihr Pflichtspieldebüt für ihren neuen Arbeitgeber feiern. Der Weg zurück? Gepflastert von Schmerzen. "Es war die Hölle" Den 16. Juli 2024 wird Lena Oberdorf wohl nie vergessen. Die deutschen Frauen trafen damals in der EM-Qualifikation auf Österreich. Für Oberdorf sollte die Partie zu einem überaus bitteren Erlebnis werden. "Ich habe es knacken gehört, Knochen auf Knochen, das war schon heftig", beschrieb die Defensivakteurin jüngst in einem Vereinsinterview den Moment, als ihr Kreuzband nach einem Laufduell riss. Die Diagnose, dass sie sich schwer verletzt hatte, ließ nicht lange auf sich warten – und war der Beginn eines zermürbenden Jahres. Oberdorf verpasste die Olympischen Spiele und die Europameisterschaft in der Schweiz. Auch das historische Double der Bayern in der abgelaufenen Saison feierte sie nur als Statistin. Sportlich glitt ihr ein ganzes Jahr aus den Händen. Oberdorf war in erster Linie eines: Reha-Patientin. Doch ihre neue Rolle nahm sie mit einem psychischen Kraftakt an: sechs Wochen auf Krücken, unzählige Stunden im Kraftraum, schmerzende Fortschritte. "Es war die Hölle", erinnerte sich Oberdorf. "Ich habe ständig in den Spiegel gestarrt und zugesehen, wie sich mein Knie beugt." Die schwere Zeit hatte aber auch einen positiven Aspekt: Oberdorf reifte vor allem menschlich. Dabei halfen Gespräche mit Teamkolleginnen wie Giulia Gwinn , die selbst schon zwei Kreuzbandrisse überstehen musste, und dem Teampsychologen. "Ich habe mich fast nur über Fußball definiert. Dabei bin ich als Mensch doch nicht weniger wert, nur weil ich in einem Spiel drei Fehlpässe gespielt habe", erklärte "Obi" rückblickend. In den vergangenen Monaten habe sie mehr und mehr verstanden, "dass ich über die Jahre viele Teile meiner Persönlichkeit vernachlässigt habe." Und so nutzte Oberdorf die mitunter eintönige Schufterei für das Comeback auch für mehr Ausgleich vom Profifußball-Alltag. Sie probierte sich als DJ, startete mit "Popcorn und Panenka" einen Podcast und legte sich ein Haustier zu. Hund Skyla hat sogar schon einen eigenen Instagram-Kanal. Oberdorf hat gelernt: "Man ist nicht nur Fußballerin. Man ist auch Mensch." Ihre Perspektive auf den Sport hat sich verändert. Aus dem Tunnelblick wurde ein Panorama. "Ich habe gemerkt, dass Fußball endlich ist. Plötzlich kann es vorbei sein." Dann bleibe die Frage, "wer bist du eigentlich ohne Ball am Fuß?". Die Antwort hat Oberdorf offenbar für sich gefunden. Teure Hoffnungsträgerin Im Training ist Oberdorf derweil schon wieder fast die alte, fällt auf dem Platz sowohl mit ihrer Robustheit als auch mit ihrer Lautstärke auf. Mitspielerin Klara Bühl beschrieb im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst: "Sie ist sehr präsent in den Zweikämpfen, so wie man sie kennt." Oberdorf gebe Kommandos, "coacht die Mitspielerinnen, strahlt extrem viel aus. Das tut uns sehr gut". Ob die gebürtige Gevelsbergerin im Supercup gegen den Vizemeister und Dauerrivalen aus Wolfsburg in der Startelf stehen wird, behielt Trainer José Barcala aber noch für sich. Es sei aber "nicht die Erwartungshaltung", wie Bayern-Direktorin Bianca Rech betonte, dass Oberdorf "von jetzt auf gleich voll durchstartet". Auch die Hoffnungsträgerin selbst, für die die Bayern über 400.000 Euro nach Wolfsburg überwiesen haben sollen, möchte sich vom Erwartungsdruck so gut es geht freimachen. "Ich muss mir Zeit geben, um wieder auf mein altes Niveau zu kommen", betonte sie. Das zeigt: Lena Oberdorf hat im vergangenen Jahr zwar viel verpasst – aber mindestens genauso viel über sich selbst gelernt.
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