Georg Baselitz: Diese Bilder trieben ihn "an den Rand des Ruins"

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Gleich zu Beginn seiner Karriere hatte Georg Baselitz mit seinen Bildern einen Skandal ausgelöst. "Ich war geächtet", erinnerte sich der Künstler Jahre später zurück. Georg Baselitz wurde 1938 im sächsischen Deutschbaselitz als Hans-Georg Kern geboren, wuchs inmitten von Krieg und Zerstörung auf und wurde später zu einem der bekanntesten deutschen Maler überhaupt. Sein Weg führte ihn von Ost-Berlin in den Westen, wo er eine Karriere begann, die von Anfang an für Aufsehen sorgte. Sein Ölgemälde "Die große Nacht im Eimer", das eine masturbierende Figur zeigte, wurde wegen angeblicher Unanständigkeit beschlagnahmt. Auch ein weiteres Werk, "Nackter Mann", galt als obszön. Im Gespräch mit dem "Spiegel" schilderte Georg Baselitz später, was die Beschlagnahmung für ihn bedeutete: "Das Bild und die Konfiszierung der Ausstellung haben mich und meine Familie an den Rand des Ruins getrieben. Niemand kaufte meine Bilder. Ich war geächtet." Die "Bild"-Zeitung hatte damals mit dem Gemälde und einer Skandalschlagzeile aufgemacht. Georg Baselitz beschrieb die Lage als so bedrohlich, dass er die Namensschilder an seiner Haustür abnahm, damit niemand wisse, wo er wohne. Er ließ die Bilder zunächst aus der Galerie schaffen, hängte sie dann aber wieder auf. Kurz darauf erschien der Staatsanwalt und brachte sie in die Asservatenkammer. "Es kam wirklich der Kuckuckskleber" Von dem Skandal habe er finanziell nicht profitiert, betonte Georg Baselitz: "In der Zeitung stand, wir hätten alles verkauft, aber wir haben gar nichts verkauft, wir konnten nicht mal die Kosten für den Katalog bezahlen. Es kam wirklich der Kuckuckskleber, und sie klebten dann den Kuckuck auf die Nähmaschine meiner Frau." Den internationalen Durchbruch brachten ihm schließlich Gemälde, auf denen er die Motive auf den Kopf stellte. Das erste dieser Werke, "Der Wald auf dem Kopf", entstand 1969. Mit dieser Technik wollte Georg Baselitz vertrauten Motiven eine neue Dimension verleihen, weder rein gegenständlich noch abstrakt. "Ich war sehr überrascht: Es funktioniert" Jahrzehnte später kehrte er zu frühen Bildmotiven zurück und malte sie neu. Im "Spiegel"-Interview beschrieb er, wie er dabei vorging: "Ich habe einfach angefangen, habe Farbe angerührt, in alten Katalogen von mir geblättert, acht, zehn Töpfe mit Farben auf den Boden gelegt, ich wollte einfach anfangen und ich war sehr überrascht: Es funktioniert." Jetzt ist Georg Baselitz im Alter von 88 Jahren gestorben. Das berichtete die Zeitung "Welt" aus dem Umfeld des Künstlers. Auch sein Atelier bestätigte dies dem "Spiegel"-Magazin.
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