Der Ölkonzern BP verdient sich an den steigenden Preisen durch den Iran-Krieg eine goldene Nase. Umweltschützer kritisieren die erneuten fossilen Krisengewinne. Dank hoher Ölpreise hat der britische Ölkonzern BP zu Jahresbeginn seinen Gewinn mehr als verdoppelt. Im ersten Quartal betrug der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn rund 3,2 Milliarden US-Dollar (2,7 Milliarden Euro), wie das Unternehmen in London mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es knapp 1,4 Milliarden Dollar gewesen. Unter anderem eine höhere Ölproduktion im Golf von Mexiko habe Störungen im Nahen Osten angesichts des Iran-Kriegs wettgemacht, hieß es weiter. BP hatte zuletzt bereits von einem "außergewöhnlichen" Ölhandel gesprochen. Der Ölkonzern betreibt vergleichsweise kleine Anlagen in Nahost und leidet daher weniger unter den kriegsbedingten Produktionskürzungen als die Konkurrenz. Spritpreis-Studie: 12-Uhr-Regel steigert Profit der Konzerne Folge des Iran-Kriegs: "Die Energiezukunft kommt früher als gedacht" Die starken Zahlen dürften der neuen Konzernchefin Meg O'Neill zum Start ihrer Amtszeit Rückenwind liefern. "Unsere Branche agiert in einem Umfeld von Konflikten und Komplexität und spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Energieversorgung", sagte O'Neill laut Mitteilung. Sie steht vor der Aufgabe, die Schulden zu reduzieren, die Struktur von BP zu verschlanken und teure Investitionen in kohlenstoffarme Projekte rückgängig zu machen. Umweltschützer: Einfache Menschen zahlen den Preis Der starke Gewinnanstieg stößt bei Umweltorganisationen auf Kritik. Mike Childs, Leiter der Abteilung Wissenschaft, Politik und Forschung bei Friends of the Earth, erklärte gegenüber dem britischen Sender BBC: "Wie wir bereits 2022 nach Russlands Invasion der Ukraine sahen, profitieren die fossilen Energieriesen davon, wenn globale Instabilitäten die Kraftstoffpreise drastisch verteuern. Doch wieder sind es einfache Menschen, die den Preis zahlen, wenn explodierende Energiepreise drohen." Diese stürzten das Vereinigte Königreich wiederum in eine noch tiefere Lebenshaltungskostenkrise, fuhr er fort. Er fordert Großbritannien auf, seine Anfälligkeit für Energiepreisschocks zu verringern, indem es die Investitionen in erneuerbare Energien erhöht und Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz unterstützt. Dort unterliegen Energieunternehmen seit 2022 einer Übergewinnsteuer. Sie wurde nach den stark gestiegenen Gewinnen infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine eingeführt. Die Abgabe greift allerdings nur bei Gewinnen aus der Förderung von Öl und Gas in Großbritannien. BP zufolge machen die britischen Geschäfte weniger als zehn Prozent des weltweiten Gewinns aus. Auch deutsche Ölkonzerne steigern Gewinne Die EU plant keine Übergewinnsteuer, lässt ihren Mitgliedern jedoch offen, überhöhte Krisengewinne von Energieunternehmen zu besteuern. Zuletzt hatte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sich für eine Übergewinnsteuer ausgesprochen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt diese Option jedoch ab. Am Montag hat das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung eine Studie veröffentlicht, die aufzeigt, dass Ölkonzerne von der bisherigen Regierungspolitik profitieren: Bei Tankstellen stiegen die Gewinnmargen für Superbenzin infolge der 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen, die diese eigentlich beschränken sollte.