93 Krankenkassen gibt es in Deutschland. Kritiker fordern eine Reduzierung dieser Zahl, um Verwaltungskosten zu sparen. Die Gesundheitskommission verweist indes auf Österreich. Die Aussagen von Markus Blumenthal-Beier, dem Chef des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, waren deutlich: Die Krankenkassen sollten den Rotstift endlich bei sich selbst ansetzen, forderte Blumenthal-Beier in der "Rheinischen Post". "Die Krankenkassen können einmal ihre Mitglieder fragen, wofür sie ihre Beiträge lieber zahlen: dafür, dass sie in Zukunft noch eine Hausarztpraxis finden, oder dafür, 90 Kassen zu finanzieren." 93 gesetzliche Krankenkassen gibt es derzeit in Deutschland. Das sind zwar deutlich weniger als im Jahr 1970, als es noch 1.815 Kassen gab, aber immer noch zu viele, sagen Kritiker. Sie verweisen auf Doppelstrukturen und hohe Verwaltungskosten. Immer wieder gibt es Rufe nach Zusammenschlüssen oder gar einer Einheitskasse. Was gegen eine Einheitskrankenkasse spricht Folgerichtig hat auch die Finanzkommission Gesundheit das Sparpotenzial bei den Krankenkassen selbst geprüft. Diese hatte an diesem Montag insgesamt 66 Vorschläge zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken übergeben. Eine Empfehlung für eine Einheitskrankenkasse erteilte die Kommission allerdings nicht. Der Grund: Bereits heute konzentriert sich ein Großteil der Versicherten auf nur wenige Kassen. So versichern die 20 größten Kassen derzeit 84 Prozent aller Versicherten in der GKV. In den einzelnen Bundesländern ist die Marktkonzentration teils noch höher: Hier haben die jeweils fünf größten Kassen Marktanteile zwischen 68 und 85 Prozent. Zudem verwies die Kommission auf Österreich . Im südlichen Nachbarland wurden 2020 insgesamt neun Gebietskrankenkassen zu einer Österreichischen Gesundheitskasse fusioniert. Seitdem stiegen hier die Ausgaben für Mitarbeiter, IT und Verwaltung um 25 Prozent. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum stiegen die Verwaltungsausgaben der deutschen Kassen lediglich um sieben Prozent. Krankenkassen arbeiten effizienter Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Größe der Krankenkasse und den Verwaltungskosten je Versichertem sei auch hierzulande nicht feststellbar, schreiben die Experten. So gebe es sowohl kleinere als auch größere Kassen mit deutlich unter- oder überdurchschnittlichen Verwaltungsausgaben. In Deutschland haben die Krankenkassen vorrangig über den Preiswettbewerb mit den anderen Kassen einen Anreiz, ihre Kosten zu senken, bemerkte die Kommission. Dieser Wettbewerb findet hauptsächlich über die kassenindividuellen Zusatzbeiträge statt. Je niedriger diese ausfallen, desto attraktiver wird die Kasse für potenzielle Neumitglieder. Geringe Kosten liegen somit im Eigeninteresse der Krankenkassen. In den vergangenen Jahren habe dieser Wettbewerb dazu geführt, dass die Kassen immer effizienter arbeiteten. So sank der Anteil der Verwaltungskosten an den Gesamtausgaben in den vergangenen Jahren von 5,4 auf unter 4 Prozent. Ablesbar sei die höhere Effizienz auch an Betreuungsquoten: Betreute ein Mitarbeiter im Jahr 2004 durchschnittlich 487 Versicherte, waren es 20 Jahre später bereits 563. Sparen bei Werbungskosten Eine Reform scheint deshalb aus Kommissionssicht offenbar nicht notwendig. Einen Vorschlag in Bezug auf die Ausgaben der Kassen gab es dann aber doch: So schlägt die Kommission vor, die sogenannte Werbeausgaben-Obergrenze zu halbieren. Da Krankenkassen miteinander im Wettbewerb stehen, ist es ihnen erlaubt, um Mitglieder zu werben, indem sie etwa Anzeigen in einer Zeitung schalten oder Sportveranstaltungen sponsern. Insgesamt dürfen sie je Mitglied aktuell 0,15 Prozent der im vierten Sozialgesetzbuch festgelegten Bezugsgröße für Werbemaßnahmen ausgeben. Dies entsprach 2025 insgesamt 5,60 Euro je Mitglied. "Da Werbeausgaben nicht der Patientenversorgung dienen, ist in Zeiten steigender Zusatzbeiträge ihre Höhe zu hinterfragen", schreibt nun die Kommission und schlägt eine Reduzierung der Werbeausgaben-Obergrenze auf 0,075 Prozent vor. Hierdurch ließen sich kurzfristig 70 Millionen Euro pro Jahr einsparen.