Mario Adorf führte ein bewegtes Leben und wurde 95 Jahre alt. Über den Tod hat er sich schon einige Jahre Gedanken gemacht. Nach kurzer Krankheit ist Mario Adorf in seiner Pariser Wohnung gestorben. Ein Ableben, wie es sich der Schauspieler wohl gewünscht hat. Schon 2019 sagte er im "Spiegel"-Interview, dass er sich einen schnellen Tod erhofft: "Ich denke an das Sterben meiner Mutter, das sehr schwer war. Da denke ich dann: Hoffentlich passiert dir das nicht." Das Thema beschäftigte Adorf im hohen Alter zunehmend. "Ich denke an den Tod, natürlich. Er ist für mich unausweichlich. Aber für mich ist der Tod eine Tatsache. Worüber man sich Gedanken macht, ist das Sterben. Wie sterbe ich?", so Adorf. Mario Adorf stirbt mit 95 Jahren: Seine erste Hauptrolle bereute er zutiefst Über 40 Jahre verheiratet: Sie war die Frau an der Seite von Mario Adorf In seinen letzten Jahren änderte sich seine Einstellung zum eigenen Tod merklich. 2023 sagte er der "Süddeutschen Zeitung" noch: "Natürlich habe ich Angst davor, eine Krankheit zu bekommen, die zu einem langen, schmerzlichen Sterben führen könnte. Wer hat die nicht? Aber Angst vor dem Tod habe ich keine." Immerhin habe er "ein langes, zufriedenes Leben gelebt". Etwa zwei Jahre später klang das allerdings schon ganz anders. 2025 habe er "sehr negative" Erfahrungen gemacht. "Es gab einen Punkt, an dem ich dachte: 'Das langt jetzt.' Da hätte ich eigentlich gerne losgelassen", erzählte er im Interview mit der Zeitschrift "Hörzu". Seine Furchtlosigkeit gegenüber dem Tod veränderte sich. "Angst … weiß ich nicht, ob man das so nennen kann. Aber ein großes … ja, dieses Warten auf etwas – das ist nicht einfach. Nicht so einfach, wie ich es mir wünschen würde", so Adorf. "Ich glaube, dass wir einfach weg sind" Eines blieb allerdings konstant: Adorf lebte im Hier und Jetzt, glaubte nicht an ein Leben nach dem Tod. "Ich bewundere und beneide einige Freunde, die an ein Fortleben glauben. Ich habe diesen Glauben nicht. Ich glaube, dass wir einfach weg sind", sagte er 2013 dem "Focus". Alles andere sei in seinen Augen nur ein schöner Traum. "Das Leben ist gelebt. Die Musik hat hier gespielt, und sie wird hier aufhören. Man sollte sich selbst nicht so wichtig nehmen." Das Altwerden sah Adorf realistisch. Er wollte weder jammern noch übertrieben euphorisch sein. "Ich jubele nicht und sage: 'Ah, Gott sei Dank, ich lebe noch.' Ich gehöre nicht zu diesen Seniorenjublern. Das finde ich meistens lächerlich, aufgesetzt und falsch. Ich stehe auf, ohne ein wirklicher Muffel zu sein", beschrieb er 2019 im "Spiegel"-Interview seine Einstellung. An seinem 95. Geburtstag staunte Adorf schließlich über sein erreichtes Alter. Er "hätte nicht damit gerechnet, so alt zu werden." Der Schauspieler fühlte sich zu diesem Zeitpunkt aber ganz mit sich im Reinen: "Ich habe nicht das Gefühl, dass es noch viel aufzuarbeiten gäbe." Mario Adorf wollte seinen Tod "bewusst miterleben" Sterbehilfe lehnte Adorf stets ab. "Also, ich würde mich nicht wegmogeln, wenn es nicht schön wird. (...) Ich würde das Sterben schon so akzeptieren, wie es mir widerfährt", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Seinen Tod wollte er "gerne bewusst miterleben". "Das hat vielleicht schon wieder mit dem Beruf zu tun, der ewige Zwang des Schauspielers, sich beobachten zu müssen", erklärte er weiter. Dass er mit seinem Schaffen und den über 200 Film- und TV-Auftritten der Nachwelt erhalten bleiben wird, bewegte ihn zu Lebzeiten keineswegs. "Mir ist das Nachleben und der Nachruhm gleichgültig. Wenn ich weg bin, bin ich weg. Meine Mutter hat genauso gedacht. Meine Mutter sagte: 'Ich will weg sein. Ich will ins Meer gestreut werden.' Das hat mir auch gefallen, das habe ich auch getan, ich habe ihre Asche ins Meer gestreut", sagte Adorf 2014 im Interview mit "Planet Interview". Seine eigene Beisetzung war ihm 2019 noch "egal". "In meiner Heimatstadt bin ich Ehrenbürger, die würden mir sicher ein schönes Grab herrichten. In Saint-Tropez ist ein sehr schöner Friedhof am Meer, aber der ist so besetzt, dass man da gar keinen Platz findet. Zuletzt wurde mir angedeutet, dass München genau das Richtige für mich wäre – der Bogenhausener Friedhof, wo viele meiner Kollegen liegen", sagte er damals. Jetzt, nach seinem Tod, steht fest: Er will seine letzte Ruhe in Saint-Tropez finden. "Selbst im Tod ist Mario Adorf noch bescheiden. Kein Ehrenbürgerbegräbnis in seinem Heimatort Mayen, keine prunkvolle Grabstätte auf einem Münchener Prominentenfriedhof, sondern ein bescheidenes Plätzchen in seiner Wahlheimat Saint-Tropez. Das war Mario Adorfs letzter Wunsch", sagte sein Manager Michael Stark der "Bild"-Zeitung. Ihm teilte der Schauspieler außerdem noch eine letzte Botschaft an seine Fans mit: Mario Adorf bedankt sich bei seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue.