Merz-Hoffnung verpufft: Anleger wenden sich von Deutschland ab

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Vor eineinhalb Jahren kam es am Aktienmarkt zu einem regelrechten Run auf deutsche Aktien. Zu Ostern 2026 liegt die Stimmung jedoch am Boden. Viele Börsenplätze und Handelsplattformen in Deutschland liefern ihren Kunden und Anlegern täglich die meistgesuchten Basiswerte unter internationalen Aktien. Vor gut einem Jahr tauchten in diesen Listen häufig Titel wie BASF , Evonik, Lufthansa oder Lanxess auf. Allesamt Aktien, die mit der Hoffnung auf einen deutschen Aufschwung verbunden waren. Ende 2024 war klar, dass die Ampelregierung ausgedient hatte und 2025 eine CDU-geführte Bundesregierung übernehmen würde. Am Aktienmarkt entschieden sich internationale Investoren, eine Art "Friedrich-Merz-Sonderdividende" zu platzieren, und verlagerten Gelder in Richtung Dax sowie in kleinere Titel im MDax und SDax. Tiefgreifende Reformen und eine Verbesserung der Energiepolitik galten als starke Argumente für einen wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands. Die Hoffnung auf Merz schwindet Eineinhalb Jahre später ist von dieser Hoffnung kaum etwas geblieben. Titel wie Lanxess, BASF, Tui, Lufthansa und viele weitere finden sich zwar weiterhin auf den Listen der beliebtesten Basiswerte, jedoch meist nur im Zusammenhang mit kurzfristigen und spekulativen Trades. Zum Start der Osterwoche las sich die Hitliste am Börsenplatz gettex mit Siemens Energy , Microsoft , Nvidia, Rheinmetall oder Tesla wie beschrieben – Aktien mit hohem Deutschlandbezug sieht man selten. Als langfristige Investments gelten aktuell vor allem jene Aktien als unattraktiv, die stark von der deutschen Infrastruktur und Energiepolitik abhängig sind. Für deutsche Anleger ist das bedauerlich, stellt jedoch kein unlösbares Problem dar – vorausgesetzt, man erkennt den sogenannten Home Bias und handelt entsprechend. Nur wenige Analysten würden derzeit die These unterstützen, dass deutsche Aktien mit hohem Inlandsumsatz in den kommenden fünf bis zehn Jahren attraktiver sein könnten als breit gestreute Investments, etwa in den MSCI World oder den S&P 500 . Letztgenannter lässt sich mit Indexpapieren beispielsweise der DZ Bank übrigens am kostengünstigsten umsetzen – WKN 698517. Auf deutsche Konzerne sollte man aktuell nicht setzen Dass der Dax Anfang 2026 überhaupt die Marke von 25.000 Punkten erreichte und ein neues Rekordhoch markierte, lag vor allem am politischen Rückenwind für bestimmte Branchen. Steuergelder flossen gezielt in ausgewählte Industrien, etwa in den militärischen Bereich, wovon Unternehmen wie Airbus oder Rheinmetall deutlich profitierten. Andere Unternehmen mit positiver Kursentwicklung haben ihren Fokus längst ins Ausland verlagert, darunter die Deutsche Bank oder Siemens . "Siemens hat inzwischen sogar SAP als Schwergewicht im Dax abgelöst, während SAP mit Herausforderungen im Bereich der künstlichen Intelligenz und entsprechenden Bewertungsabschlägen konfrontiert ist", so Thomas Soltau vom Smartbroker. Im internationalen Vergleich erscheinen viele globale Top-Aktien derzeit attraktiver bewertet. Unternehmen wie Nvidia, Microsoft, Amazon , Tesla, Starbucks , Nike sowie Mastercard und Visa notieren teils deutlich unter ihren früheren Höchstständen. Tiffany Wilding von Pimco findet, dass "in einer Welt der zunehmenden Unsicherheit und Divergenz es bei der Vermögensanlage weniger um Prognosen geht und mehr um eine Präferenz für liquidere, qualitativ hochwertige Assets, die in den unterschiedlichsten Szenarien für Resilienz sorgen können." Vor diesem Hintergrund gibt es nur wenige Argumente, auf angeschlagene deutsche Konzerne zu setzen, die stark vom politischen Umfeld abhängig sind. Während vor eineinhalb Jahren noch Vorschusslorbeeren verteilt wurden, erwarten internationale Investoren heute konkrete Reformen. Ohne echte strukturelle Veränderungen dürfte eine Rückkehr internationaler Kapitalströme nach Deutschland kurzfristig jedoch unwahrscheinlich bleiben.
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