Morbus Crohn: Fünf-Tage-Diät kann bei chronischen Darmerkrankungen helfen

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Eine spezielle Ernährung könnte chronische Darmbeschwerden deutlich lindern – und das schon nach wenigen Tagen im Monat. Forscher berichten von überraschend klaren Effekten bei Morbus Crohn. Bauchschmerzen , Durchfall , Erschöpfung: Viele Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen fragen sich, was sie essen können, um ihre Beschwerden zu lindern. Eine neue Studie aus den USA liefert nun eine mögliche Antwort: Eine kurzfristige Fastenkur kann Symptome spürbar verbessern. Das berichten Forscher der Stanford University im Fachjournal "Nature Medicine". Fünf-Tage-Diät pro Monat gegen Morbus Crohn Das Forschungsteam testete eine sogenannte "Fasting Mimicking Diet" (FMD), auch als Scheinfasten bekannt. Dabei handelt es sich um eine Diät, die das klassische Fasten nachahmt. Die Teilnehmer reduzierten ihre Kalorienzufuhr an fünf aufeinanderfolgenden Tagen pro Monat auf etwa 700 bis 1.100 Kilokalorien. Das entspricht etwa einem Drittel bis der Hälfte eines normalen Tagesbedarfs. An den übrigen Tagen aßen sie wie gewohnt. Die Ernährung bestand überwiegend aus pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüsesuppen, Oliven und speziellen Nussriegeln, angereichert mit Vitaminen, Mineralien und Omega-3-Fettsäuren. Tierische Produkte, Zucker, weißen Reis sowie stark verarbeitete Kohlenhydrate wie Weißbrot oder Pasta sollten die Teilnehmer vermeiden. An der Studie nahmen 97 Erwachsene mit leichtem bis mittelschwerem Morbus Crohn teil. 65 von ihnen folgten der Fastenkur über drei Monate hinweg, 32 dienten als Kontrollgruppe ohne Ernährungsumstellung. Schlecht für den Schlaf? Große Studie zur Wirkung von Kaffee überrascht Deutliche Verbesserungen bei vielen Patienten Die Ergebnisse fallen klar aus: Knapp 70 Prozent der Teilnehmer in der Fastengruppe zeigten weniger Beschwerden. In der Kontrollgruppe lag dieser Anteil nur bei 43 Prozent. Eine sogenannte klinische Remission – also ein Zustand, in dem die Krankheit kaum oder gar nicht mehr aktiv ist – erreichten knapp 65 Prozent der Fastengruppe. In der Kontrollgruppe lag der Anteil nur 37 Prozent. Die Forscher nutzten dafür den "Crohn's Disease Activity Index" (CDAI). Dieser Wert beschreibt, wie aktiv die Erkrankung ist. Ein niedriger Wert steht für weniger Beschwerden. Der Studienautor und Gastroenterologe Sidhartha Sinha erklärt in einer Pressemeldung, dass sich bereits nach dem ersten Fastenzyklus klinische Vorteile zeigten. "Wir waren sehr positiv überrascht, dass die Mehrheit der Patienten von dieser Diät zu profitieren schien", fügte er an. Vor dem 70. Lebensjahr : Diese Krankheiten kosten viele Menschen früh das Leben Bis zu acht Jahre später: Studie deckt unterschätzte Spätfolge von Antibiotika auf Hinweise auf biologische Effekte Neben der Symptomatik untersuchten die Forscher auch bestimmte Laborwerte in Blut- und Stuhlproben der Patienten, um Hinweise auf mögliche Mechanismen zu finden. Dabei stellten sie fest, dass das C-reaktive Protein (CRP), ein Entzündungsmarker im Blut, sowie bestimmte Entzündungsmarker aus Immunzellen sanken. Ebenso ging das fäkale Calprotectin zurück. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß im Stuhl, das auf Entzündungen im Darm hinweist. Und bei vier von fünf untersuchten Teilnehmern waren sogar Verbesserungen an der Darmschleimhaut mittels Koloskopie erkennbar. Die Ergebnisse deuten den Studienautoren zufolge darauf hin, dass die Diät ähnlich auf Entzündungen wirkt wie moderne Medikamente, sogenannte Biologika. Diese greifen gezielt in das Immunsystem ein. Nebenwirkungen bleiben gering Die meisten Teilnehmenden hielten die Diät gut durch. Rund 77 Prozent setzten die Vorgaben vollständig um. Einige berichteten über Müdigkeit oder Kopfschmerzen, schwere Nebenwirkungen traten jedoch nicht auf. Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass weitere Studien nötig sind. Ein Teil der Ergebnisse basiert auf Selbsteinschätzungen der Teilnehmer. Zudem konnten nur wenige Darmspiegelungen durchgeführt werden, die objektive Aussagen über den Zustand der Darmschleimhaut erlauben.
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