Neue Erkenntnisse zu Diabetes: Männer erkranken früher, Frauen schwerer

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Übergewicht gilt als Hauptursache für Diabetes, doch es wirkt sich nicht bei allen Menschen gleich aus. Neue Erkenntnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Über neun Millionen Menschen in Deutschland leben mit Diabetes, die meisten davon mit Typ-2-Diabetes. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) weist nun darauf hin, dass Übergewicht je nach Geschlecht unterschiedlich auf den Körper wirkt und das Erkrankungsrisiko massiv beeinflusst. Fettverteilung entscheidet über das Risiko Übergewicht erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes deutlich. Doch der Body-Mass-Index (BMI) , also das Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße, reicht laut den Experten der DDG nicht aus, um das individuelle Risiko zu bewerten. Entscheidend ist demnach auch, wo sich das Fett im Körper verteilt: Männer lagern Fett häufiger im Bauchraum ein. Dieses sogenannte viszerale Fett umgibt die Organe und wirkt besonders stark auf den Stoffwechsel. Es fördert die Insulinresistenz. Dabei reagieren Körperzellen schlechter auf das Hormon Insulin, das den Blutzucker reguliert. Frauen hingegen speichern Fett zunächst eher an Hüften und Oberschenkeln. Dieses Fett beeinflusst den Stoffwechsel weniger stark. Deshalb bleibt das Diabetesrisiko bei ihnen oft länger niedriger. Männer erkranken früher – Frauen später und schwerer Studien belegen: Männer entwickeln Typ-2-Diabetes im Schnitt drei bis vier Jahre früher als Frauen. Die Diagnose erfolgt bei ihnen oft schon bei geringerem Übergewicht. Frauen erkranken meist später, dafür oft mit stärkeren Stoffwechselstörungen. Viele haben bereits über Jahre eine unerkannte Insulinresistenz entwickelt, bevor die Krankheit festgestellt wird. Studie: Dieses Obst hilft gegen Diabetes Typ 2 Diabetes: Schwere Folgeerkrankungen können auftreten Lebensphasen erhöhen bei Frauen das Risiko Bei Frauen spielen zusätzlich bestimmte Lebensphasen eine Rolle. Ein Gestationsdiabetes, also eine Diabetesform während der Schwangerschaft , erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes später im Leben etwa um das Siebenfache. Auch das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) steigert das Risiko deutlich. Dabei handelt es sich um eine Hormonstörung, die unter anderem den Stoffwechsel beeinflusst. Betroffene entwickeln etwa viermal häufiger einen Typ-2-Diabetes. Mit den Wechseljahren verändert sich der Körper erneut. Sinkende Östrogenspiegel führen dazu, dass sich Fett stärker im Bauchraum ansammelt. Gleichzeitig steigt die Insulinresistenz. Eine frühe Menopause erhöht das Diabetesrisiko um etwa 30 Prozent. Höheres Risiko für Folgeerkrankungen bei Frauen Hinzu kommt laut DDG auch: Frauen mit Diabetes erreichen wichtige Behandlungsziele seltener. Dazu zählen stabile Blutzuckerwerte, normaler Blutdruck und gesunde Blutfettwerte. Dadurch steigt ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stärker als bei Männern. Typ-2-Diabetes kann den natürlichen Schutz von Frauen vor Herzinfarkt und Gefäßerkrankungen deutlich verringern. Die Experten der DDG fordern deshalb eine stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Medizin. Eine gezielte Vorsorge und individuell angepasste Therapie könnten helfen, Diabetes früher zu erkennen und schwere Folgen zu vermeiden.
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