Die Ölpreise steigen weiter und könnten in dieser Woche noch mal einen Schub bekommen. Denn bald fehlt auch noch Öl aus Russland. Die Händler an den Ölmärkten glauben langsam nicht mehr an ein rasches Ende des Iran-Kriegs. US-Präsident Donald Trump hielt am Mittwochabend eine Rede, in der er keinen klaren Exit-Plan für den Konflikt darlegte, sondern mit weiterer Eskalation drohte . Daraufhin stiegen die Ölpreise noch einmal deutlich. Am Donnerstag war die Sorte West Texas Intermediate WTI sogar erstmals seit Beginn des Konflikts teurer als die Nordseesorte Brent. Beide Werte lagen bis Donnerstagnachmittag bei um die 110 US-Dollar pro Barrel, WTI Crude leicht darüber. Das deutet darauf hin, dass sich die Märkte auf einen längeren Konflikt einstellen und Trump keine zeitlich absehbare Deeskalation plant. Bisher blieben die WTI-Werte teils deutlich unter den Brent-Werten, im März kostete ein Barrel aus Texas fast durchgängig unter 100 Dollar, während Brent zeitweise sogar auf 120 Dollar anstieg . Das liegt daran, dass Asien und Europa zunächst viel stärker von den Auswirkungen des Iran-Kriegs und der Sperrung der Straße von Hormus betroffen sind als die USA . Zudem spekulierten viele US-Händler auf einen kurzen Krieg, während in Asien die Engpässe schon real wurden. Opec will Ölförderung ausweiten – zumindest auf dem Papier Zur Stabilisierung der Preise will die Öl-Allianz Opec+ Insidern zufolge bei einem Treffen am Sonntag eine Erhöhung ihrer Förderquoten beschließen . Acht Mitglieder des Kartells würden über eine solche Anhebung beraten, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Maßnahme hätte zunächst kaum Auswirkungen auf das Angebot, da die wichtige Straße von Hormus durch den Iran-Krieg gesperrt ist. Sie würde aber die Bereitschaft signalisieren, die Förderung hochzufahren, sobald die weltweit wichtigste Ölroute wieder passierbar ist. Es wäre also nicht mehr als ein Signal, aber ein wichtiges für die Märkte. "Wir müssen reagieren, zumindest auf dem Papier", sagte einer der Insider. Der Krieg hat zur abrupten Unterbrechung der Ölversorgung geführt . Die führenden Opec-Produzenten Saudi-Arabien , Irak, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate mussten ihre Produktion drosseln. Über die Straße von Hormus, die wichtigste Exportroute dieser Länder, werden mehr als 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls transportiert. Zudem wird die russische Produktion durch ukrainische Drohnenangriffe beeinträchtigt. "Der Markt braucht jetzt jedes Fass, das produziert werden kann", sagte ein weiterer Insider. Bei ihrem jüngsten Treffen am 1. März hatte die Opec+ die Förderung für April nur geringfügig um 206.000 Fass pro Tag angehoben. Russland muss Ölförderung wohl drosseln Die übrigen vier Länder der Gruppe – Russland , Kasachstan , Algerien und der Oman – sind von der Schließung der Meerenge nicht betroffen. Sie verfügen auch nur über begrenzte Kapazitäten zur Produktionssteigerung. Im Gegenteil: Einem weiteren Bericht von Reuters zufolge steht Russland offenbar kurz davor, die Ölförderung zu drosseln. Die ukrainischen Angriffe auf Hafeninfrastruktur, Pipelines und Raffinerien hätten die Exportkapazität um eine Million Fass pro Tag oder ein Fünftel der Gesamtkapazität reduziert, sagten drei Brancheninsider. Probleme für Russland : Putins Wirtschaft kippt Ölhäfen im Visier : Putins Hoffnung geht in Rauch auf Den Brancheninsidern zufolge sind mindestens 20 Prozent der gesamten russischen Exportkapazität ausgefallen – nach einem Höchststand von 40 Prozent im März. Russland ist nach den USA und Saudi-Arabien der drittgrößte Ölproduzent der Welt. Durch die Angriffe sind die russischen Pipelinesysteme mit Öl verstopft, während sich die Lager spürbar füllen, hieß es von den Insidern weiter. Dies bedeutet, dass einige Ölfelder ihre Förderung drosseln müssen, um eine weitere Überlastung des Systems zu vermeiden. Der wichtige Ostseehafen Ust-Luga hat nach schweren Drohnenangriffen und Bränden vor einer Woche die Ölexporte ausgesetzt. Der staatliche Pipeline-Monopolist Transneft und das russische Energieministerium reagierten nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme. 150 US-Dollar für Öl könnten im April erreicht werden Russland hat zwar von dem Anstieg der Ölpreise seit Beginn des Nahost-Kriegs vor rund fünf Wochen profitiert , eine Drosselung der Förderung würde den Staatshaushalt jedoch empfindlich treffen, da Öl und Erdgas ein Viertel der Einnahmen ausmachen. Offizielle Zahlen zur verfügbaren Lagerkapazität gibt es nicht. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate nutzen bereits Exportrouten, die die Meerenge umgehen. Die saudischen Ölexporte über den Hafen Janbu am Roten Meer sind auf fast 4,6 Millionen Fass pro Tag gestiegen und damit nahe an der Kapazitätsgrenze. Die Emirate exportieren weiterhin über Fudschaira, das außerhalb der Straße von Hormus liegt. Derweil hat der Irak mit dem Transport des Rohöls per Lastwagen durch Syrien begonnen . All das deutet darauf hin, dass es in der nächsten Woche auf den Ölmärkten turbulent zugehen könnte. Die Internationale Energieagentur IEA warnte zu Beginn der Woche, dass im April doppelt so viel Öl fehlen dürfte wie im März . Damit könnte im Laufe des Monats die historische Marke von 150 US-Dollar pro Barrel geknackt werden. Auf diese Höhe ist der Ölpreis noch nie vorher in der Geschichte gestiegen, der bisherige Rekord wurde während der Finanzkrise 2008 verzeichnet, als Öl auf 148 US-Dollar anstieg. Die IEA fordert angesichts der Lage, die sich durch russische Drosselungen noch weiter verschärfen könnte, weltweit alle Regierungen zum Energiesparen auf, vor allem im Verkehrssektor . In einem Zehn-Punkte-Plan schlägt sie die Einführung von Tempolimits, Fahrverboten und mehr Homeoffice vor. Auch die EU-Kommission forderte diese Woche die EU-Länder zu solchen Sparmaßnahmen auf. Die Bundesregierung erwägt solche Schritte aber aktuell nicht.