Die Hoffnung auf die erste deutsche Medaille bei den Olympischen Spielen war am Samstagabend groß. Doch die DSV-Athletinnen gehen leer aus – und hadern mit den Umständen. Aus Predazzo berichtet Melanie Muschong Es war nicht der Abend, den sich die deutschen Skispringerinnen gewünscht hatten. Der olympische Wettbewerb von der Normalschanze fing für Fahnenträgerin Katharina Schmid schleppend an und endete in einem für sie enttäuschenden 16. Platz. Auch bei Selina Freitag wollte es erst nicht laufen. Dennoch wurde sie als Siebte beste Deutsche. Agnes Reisch landete zwei Plätze dahinter — und war im Anschluss nicht nur sauer, sondern auch untröstlich. Als Reisch nach ihrem zweiten Lauf in der Mixed Zone zu den Journalisten kam, regte sie sich über die Windpunkte auf und sprach davon, dass sie "im zweiten Durchgang die schlechtesten Windbedingungen hatte". Dann fügte sie an: "Es ist brutal auf einer kleinen Schanze, gerade auf dieser. Dann noch so Scheiß-Bedingungen zu haben, ist ärgerlich. Aber trotzdem weiß ich, dass mein Weg stimmt." Im Anschluss weinte Reisch, die nach dem ersten Durchgang auf dem fünften Rang lag. Sie wurde von Schmid getröstet und in den Arm genommen. Auch DSV-Sportdirektor Horst Hüttel sprach ihr Mut zu. Winterspiele in Italien : Zeitplan, TV-Übertragung, Sportarten bei Olympia 2026 Olympia-Zeitplan : Alle Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele im Überblick Wo steht Deutschland? Der Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele 2026 Reisch ist sich sicher, dass bei besseren Bedingungen "mehr drin gewesen" wäre. Für die 26-Jährige sind es die ersten Olympischen Spiele . Sie sei trotz der schwierigen Situation stolz auf ihre Leistung. Zudem fügte das Skisprung-Ass an: "Vor drei Jahren haben nicht mehr so viele an mich geglaubt, und dass ich überhaupt hier stehe, ist schon ein Gewinn für sich." "Denke, dass ich jetzt vom Kopf her anders rangehen kann" Für Reisch stehen noch zwei Wettbewerbe an: Das Mixed-Team-Springen am Dienstag und der Wettbewerb von der Großschanze am 15. Februar. Durch ihre guten Leistungen wird sie im Mixed-Team starten. Mit dabei sein wird wohl auch Freitag, die sich als beste DSV-Springerin ebenfalls empfohlen hat. Freitag haderte indes mit ihrem ersten Sprung, gestand jedoch auch: "Ich wollte mit um eine Medaille kämpfen. Ich war schon sehr nervös vor dem ersten Durchgang, weil es im Training auch nicht so lief. Zaubern kann ich leider auch nicht." Für sie sei jedoch der Druck nun abgefallen. Sie habe gemerkt, dass es nichts bringe, sich hohe Ziele zu stecken. "Es war Schadensbegrenzung" Auf Nachfrage von t-online, ob sie die kommenden Wettbewerbe jetzt lockerer angehen kann, sagte Freitag: "Ich denke, dass ich jetzt vom Kopf her anders an die Wettkämpfe rangehen kann. Dass man sich denkt: 'Hey, ich muss eigentlich nur meine Sachen machen und dann wird das schon irgendwie funktionieren.' So war es im zweiten Durchgang." Anders als Freitag und Reisch wird Schmid voraussichtlich nur noch an einem Wettbewerb teilnehmen und von der Großschanze antreten. Die Fahnenträgerin der Eröffnungsfeier von Predazzo tat sich mit ihren Leistungen am Samstag schwer. Nach einem missglückten ersten Sprung meinte Schmid zu ihrer Leistung im zweiten Durchgang: "Es war ein bisschen Schadensbegrenzung." "Da wo der Wintersport hingehört" Schmid gestand, nicht ganz locker gewesen zu sein und meinte nur: "Aber wer ist schon bei Olympia locker?" Dann sagte sie ehrlich: "Im Moment bin ich bisschen enttäuscht." Auf t-online-Nachfrage, was ihr Olympia bedeutet, antwortete Schmid bewegt: "Es ist mit das größte Ereignis, das wir haben." Die Spiele in einer Region zu haben, "wo der Wintersport hingehört, bedeutet mir sehr, sehr viel. Es sind meine letzten Olympischen Spiele. Es ist sehr emotional für mich." Dann sagte die 29-Jährige weiter: "Ich würde im Moment gerne besser Skispringen , aber ich freue mich einfach, hier zu sein bei meinen vierten Spielen und das alles mitnehmen zu können und meine Familie als Unterstützung hier zu haben. Das hatte ich davor bei den Spielen nicht." Und einmal dürfen ihre Liebsten sie noch anfeuern. Auch, wenn es von der Normalschanze am ersten Olympia-Tag nicht zu Edelmetall gereicht hat.