Opec-Austritt der Emirate: Das bedeutet der Schritt für den Ölmarkt

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Die VAE verlassen das Ölkartell Opec – ein beispielloser Schritt in der Geschichte. Für den Ölmarkt hat das zwar keine unmittelbaren Auswirkungen, dürfte aber dennoch weitreichende Folgen haben. Fast 60 Jahre waren die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Mitglied im Ölkartell Opec, doch zum 1. Mai ist Schluss. Die VAE hatten am Dienstag relativ kurzfristig ihren Ausstieg aus dem Ölkartell angekündigt . Sie waren der drittgrößte Produzent der Opec, einen Ausstieg eines so bedeutenden Mitglieds gab es bisher noch nie in der seit 1960 andauernden Geschichte des Kartells. Auf den Ölpreis dürfte dieser Schritt durch den alles überschattenden Iran-Krieg zwar nicht unmittelbar, aber zumindest in Zukunft Folgen haben. Die Opec wurde 1960 in Bagdad von Saudi-Arabien , dem Iran , dem Irak , Kuwait und Venezuela gegründet. Ziel war es, die heimischen Ölquellen selbst zu kontrollieren, anstatt sie den privaten, oft westlich dominierten Ölkonzernen zu überlassen. Dazu gehörten auch Förderabsprachen, um den Ölpreis zu beeinflussen und sich stabile Gewinne zu sichern. Die Zahl der Mitglieder schwankte, aktuell sind es aber zwölf Staaten – nach dem Austritt der Emirate am Freitag noch elf. Höchster Wert seit 2022: Ölsorte Brent so teuer wie seit Jahren nicht Straße von Malakka: Blockade könnte Lieferketten zusammenbrechen lassen Vor zehn Jahren begann die Opec, Absprachen auch mit anderen Ländern zu treffen. Unter der Führung Saudi-Arabiens und Russlands verfügt diese breitere Gruppe namens Opec+ über noch größere Förderkapazitäten und damit auch über größeren Einfluss am Markt. Die Emirate ziehen sich nun auch aus der Opec+ zurück. "Ich denke, es ist vorhersehbar, was die Emiratis vorhaben" Bereits seit Längerem sind die VAE mit den Förderquoten der Opec unzufrieden – und auch mit dem faktischen Anführer Saudi-Arabien. Die Emirate hätten mehr produzieren wollen und können als es ihre Quote vorsah, erklärt die Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Aus Nguyens Sicht blicken die VAE nun über das Ende des Iran-Kriegs hinaus, um nach dessen Ende ihre Produktionskapazitäten besser auszuschöpfen und die kriegsbedingten Ausfälle zu kompensieren. Bill Farren-Price vom Oxford Institute of Energy Studies schätzt die Situation ähnlich ein. "Ich denke, es ist vorhersehbar, was die Emiratis vorhaben – sie wollen so viel wie möglich produzieren", erklärt er in der "Financial Times". Vor dem Krieg im Iran und der damit verbundenen Blockade der Straße von Hormus ging unter anderem die Energiebehörde der USA (EIA) davon aus, "dass der globale Ölmarkt überversorgt war und die globalen Ölreserven rasch anstiegen". Die Produktionsziele der Opec+-Länder und auch das Produktionswachstum der Nicht-Opec-Länder übertrafen die globale Ölnachfrage. Als Grund dafür führt unter anderem eine Analyse des Wirtschaftsmagazins "Capital" den sinkenden Ölverbrauch nicht nur in westlichen Industrieländern an. Durch den rasanten Umstieg auf Elektroautos in China sank auch dort tendenziell der Bedarf an Öl. Die Opec-Länder würden ihre Ölförderung in einem solchen Szenario zurückfahren, um die Preise zu stabilisieren. Austritt könnte für VAE zu zusätzlichen Milliarden-Einnahmen Durch den Krieg im Iran ist die kurzfristige Situation nun allerdings eine vollkommen andere: Globale Ölreserven sind deutlich zurückgegangen. Für die VAE scheint die richtige Strategie nun zu sein, ohne Ölkartell im Hintergrund zu agieren. Ziel müsse jetzt bei hohen Preisen sein, "so viel Öl wie möglich auf die Märkte zu werfen – um den Profit zu maximieren, also noch einmal richtig Kasse zu machen", schreibt "Capital". Und dafür müssen sich die VAE von den Beschränkungen durch das Opec-Kartell lösen. Das Baker Institute der Rice-Universität im texanischen Houston schätzte 2023, dass ein Austritt der Emirate kurzfristig zu Gewinnen führen könnte. Die emiratische Ölproduktion würde "entfesselt" und könnte jedes Jahr zusätzliche Einnahmen in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar bringen, hieß es seinerzeit. Zugleich drohten aber "zerbrochene Beziehungen" mit Saudi-Arabien und ein Preiskampf an den Ölmärkten. Das Ölkartell Opec+ wird nach den Worten des russischen Vize-Ministerpräsidenten Alexander Nowak auch nach dem Austritt der VAE zusammenarbeiten. Er erwarte keinen Preiskrieg, da es ein weltweites Öldefizit gebe, zitieren russische Nachrichtenagenturen den Politiker. Russland selbst habe keine Pläne, das Abkommen zu verlassen. US-Präsident Donald Trump reagierte freudig auf den angekündigten Ausstieg der VAE. "Ich finde das großartig", sagte er auf einer Pressekonferenz. Der Präsident der Emirate, Präsident Mohammed bin Sajid, sei "sehr klug" und wolle wahrscheinlich seinen "eigenen Weg gehen". Trump sagte: "Ich denke, letztlich ist es gut, um die Benzinpreise zu senken, die Ölpreise zu senken, alles zu senken." Zumindest vorerst werden diese Preissenkungsideen allerdings nicht Wirklichkeit. Iran-Krieg überschattet Ankündigung am Ölmarkt Kurz nach Bekanntwerden der Ankündigung gaben die Ölpreise zunächst einen kleinen Teil ihrer Tagesgewinne ab. Der Rückgang währte allerdings nicht lang: Die weiterhin festgefahrenen Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA sowie die fehlende Aussicht auf eine zeitnahe Besserung des Ölangebots überwogen, weswegen die Ölpreise am Ende doch zulegten. Am Mittwoch stieg der Preis für Opec-Öl deutlich. Wie das Opec-Sekretariat am Donnerstag in Wien mitteilte, betrug der Korbpreis am Mittwoch 112,83 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Das waren 3,39 Dollar mehr als am Dienstag. Die Austritts-Ankündigung werde "keine unmittelbaren Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt haben", kommentierte auch David Oxley, Ökonom bei Capital Economics. Der Schritt deute jedoch darauf hin, dass das weltweite Angebot höher ausfallen wird, als es sonst der Fall wäre, sobald die Straße von Hormus wieder geöffnet werde, meinte er. Commerzbank-Expertin Nguyen äußerte sich ähnlich über eine mittel- bis längerfristige Angebotserweiterung, die weltweit zu einer Normalisierung der kriegsbedingt gestiegenen Ölpreise führen könnte. "Das entspannt mittel- bis längerfristig den Ausblick am Ölmarkt", sagte sie.
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